Neues von der Berlinale - Die Stadt, die niemals schläft

Berlin ist momentan das neue New York. Schlafen? Überwertet! Es gilt nämlich knapp 400 Filme zu schauen, Berlinale Parties zu rocken und natürlich Stars zu treffen. Hier kommt unser Berlinale-Update nach dem ersten Wochenende:


Goldener Bär: Wer kriegt am 18. Februar den Goldenen Bären? Das ist die Frage, die alle beschäftigt. Den Favoriten der internationalen Jury kennen wir nicht, dafür aber den Film, der uns BISHER am meisten bewegt hat: „Cesare deve morire“ („Caesar Must Die“). Häftlinge der römischen Strafanstalt Rebibbia bringen Shakespeare auf eine Gefängnisbühne. Nach jeder Aufführung kehren die Schauspieler zurück in ihre Zellen. Einer von ihnen sagt: „Seit ich der Kunst begegnet bin, ist diese Zelle für mich ein Gefängnis geworden.“ Sechs Monate lang haben Paolo und Vittorio Taviani den Entstehungsprozess der Inszenierung beobachtet. In dem Film zeigen sie, wie Shakespeares universelle Sprache den Akteuren hilft, die verschiedensten menschlichen Emotionen zu fühlen und auch zu zeigen. 

Shakespeare goes prison in "Caesar Must Die". © Umberto Montiroli

Miss Angelina Jolie: Berlin stand am Samstag Kopf. Sowohl Fans als auch Presse warteten einen halben Tag, um einen guten Blick auf Hollywood-Star Angelina Jolie zu haben. Und wer sie live erleben durfte, der weiß – das Warten war es mehr als wert. Gegen alle Erwartungen kam eine völlig entspannte, sympathische Frau in den Pressesaal,  um ihren ersten Film „In the Land of Blood and Honey“ vorzustellen. Mit im Gepäck ihre Darsteller, die aus dem Schwärmen über „Angy“ gar nicht mehr rauskamen. „Sie ist wie eine Mutter und eine Freundin“,  tönte es immer wieder aus den Lautsprechern. Auch wir schwärmen seit Samstag von dem Hollywood-Star. Während Brad Pitt in London die BAFTA Awards besuchte, mischte sich seine Partnerin unter die Normalo-Kinozuschauer. Sie scheint das Festival zu genießen.


Must-See Film: „Extrem laut und unglaublich nah“ ist einer der Oscar-Filme, die auf der Berlinale ihre Deutschlandpremiere feierten. Der Film zeigt die 9/11-Katastrophe aus der Sicht eines leicht autistischen Kindes. Ein Kind, das Sie in ihr Herz schließen werden und nicht mehr loslassen wollen. Die Stars der Buchadaption Sandra Bullock und Tom Hanks kamen nicht nach Berlin, dafür aber der 13-jährige Hauptdarsteller Thomas Horn. Er ist das neue Wunderkind Hollywoods – ein Name, den Sie sich merken sollten. In „Extrem laut und unglaublich nah“ gibt er sein Kinodebüt und überzeugt. Thomas begeistert, spielt atemberaubend gut und kann sich schon jetzt mit den ganz Großen der Filmwelt messen. Allein schon wegen ihm ein absolutes Must-See der Berlinale.

Thomas Horn - das neue Wunderkind Hollywoods. (Bild: Getty Images)

 

Die Berlinackte:  Wo bleiben nur die großen und kleinen Skandale der diesjährigen Berlinale. Keine Busenblitzer und selbst die Berlinackte kommt in viel Stoff. Die Chinesin Bai Ling ist normalerweise der Augenschmaus und das Highlight der Fotografen. Denn sie ist dafür bekannt in einem Outfit der Kategorie „Huch-ich-habe-vergessen-mich-anzuziehen“ den Berlinale-Teppich zu rocken. In diesem Jahr erschien sie bei der „Movie meets Media“-Party (für ihre Verhältnisse!) zugeknöpft. Aber wir haben ja noch ein paar Tage und Events vor uns.
 

Bai Ling als wilder Vogel. (Bild: Getty Images)

Promi-Watching: Christian Bale, Meryl Streep, Michael Fassbender, Antonio Banderas und auch Robert Pattinson – bei diesen Top-Stars steht der Berlinale-Besuch noch aus. Wer ein Blick auf die Promis außerhalb des roten Teppichs bei ihren Filmpremieren werfen will, der kommt am besten zum Seiteneingang des Grand Hyatt Hotels. Früh da sein lohnt sich. Ob „Movie meets Media“ oder „Medienboard“ – alle feiern im Ritz. Auch da lohnt sich ein nächtlicher Besuch des roten Teppichs. Denn bevor die Stars und Sternchen in ihre eleganten schwarzen BMWs steigen, bleibt immer noch ein wenig Zeit für ein paar Autogrammwünsche.


Diese Party blieb fast leer: Wenn es darum geht eine Karte für einen Berlinale-Film oder eine begehrte Einladung für die legendäre „Hugo Boss“-Party zu bekommen, dann bricht ein regelrechter Kampf aus. Bis auf den letzten Platz sind Kinos und Säle besetzt. Nur zu einer Party wollte irgendwie kaum jemand: der Berlinale-Empfang von Bundespräsident Christian Wulff. Medienberichten zufolge waren ursprünglich 250 Gäste geladen. Nur 100 Filmschaffende erschienen im Schloss Bellevue. Das Bundespräsidialamt wollte die Zahl nicht bestätigen. Außer der hochkarätigen Berlinale-Jury mit Festivalchef Dieter Kosslick erschienen nur wenige Prominente. Zu ihnen gehörten die Schauspielerinnen Maria Furtwängler und Anna Maria Mühe.


DDR mal anders: „Babara“ von Christian Petzold ist ein Film über die Liebe und die Freiheit. Die junge Ärztin Babara (Nina Hoss) wird nach ihrem Ausreiseantrag strafversetzt und zwar in die Provinz. Sie ist verschlossen, will und kann niemanden trauen. Sie will fliehen, in „diesem Land kann man nicht glücklich“ sein. Oder vielleicht doch? Mit „Babara“ kommt mal wieder ein Film über die DDR in die Kinos. Doch irgendwas stimmt hier nicht: Ein Mann der Ratatouille kocht und in einer perfekt gestylten Wohnung wohnt? So kennen wir die DDR in den 80ern aber nicht. Eben solche Details verwirren. Einerseits soll sich der Zuschauer in die Stimmung der DDR hineinversetzen, wird aber anderseits durch deutliche Unstimmigkeiten wieder herausgerissen.
 

Nina Hoss spielt Barbara


Was haben Sie bisher auf der Berlinale 2012 erlebt? Ich freue mich auf Ihre Geschichten und mache mich auf den Weg zu Christian Bale.

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