Kevin Hart sagt Oscar-Moderation ab – und fühlt sich ungerecht behandelt

Victoria Timm
Freie Autorin für Yahoo Kino
Witze, die er vor zehn Jahren gemacht hat, kosten Kevin Hart nun seinen Job. (Bild: Getty Images)

Drei Tage lang versuchte Kevin Hart zu retten, was zu retten ist. Doch am Ende musste der Comedian klein beigeben und sagte nach großem Druck die Moderation der Oscars ab.

Kevin Hart wird von seiner Vergangenheit eingeholt. Nachdem der US-Comedian am Dienstagabend auf Twitter und Instagram bekannt gab, die kommende Oscar-Verleihung zu moderieren, sagte er nun wieder ab. Grund dafür waren einige Aussagen, die der 39-Jährige vor mehreren Jahren getätigt hatte. Dafür erntete er nun einen Shitstorm in den sozialen Netzwerken.

Hart machte homophobe Witze

In den Jahren 2009 bis 2011 hatte Hart diverse Witze auf seinem Twitter-Account gepostet, die von vielen Usern als schwulenfeindlich empfunden worden waren. So wie dieser, den Hart am 11. Januar 2011 postete: “Wenn mein Sohn nach Hause kommt und mit dem Puppenhaus meiner Töchter spielt, schlage ich ihm damit den Kopf ein und sage: Hör auf, das ist schwul.”

Hart, dessen Bühnenprogramme regelmäßig im US-Fernsehen ausgestrahlt werden, hatte immer wieder homophobe Witze in sein Repertoire aufgenommen. So sagte er beispielsweise in einem Stand-up-Special mit dem Titel “Seriously Funny” aus dem Jahr 2010: “Eine meiner größten Ängste ist, dass mein Sohn erwachsen wird und schwul ist.” Zwar habe er persönlich nichts gegen Homosexuelle, doch wenn er als heterosexueller Mann seinen Sohn davor bewahren könne, schwul zu werden, dann werde er das auch tun.


“Ich habe die Entscheidung getroffen, die kommenden Oscars nicht zu moderieren. Der Grund dafür ist, dass ich in einer Nacht, in der talentierte Künstler gefeiert werden sollen, keine Ablenkung darstellen will. Ich entschuldige mich bei der LGBTQ-Community für meine unsensiblen Worte aus meiner Vergangenheit.”

Nachdem Hart am Dienstagabend bekannt gab, dass er die Oscars 2019 moderieren werde, kam schnell Kritik an dieser Entscheidung auf. Die LGBTQ-Lobbygruppe GLAAD hatte Kontakt zur Oscar Academy aufgenommen, um über Harts Aussagen aus der Vergangenheit zu diskutieren. Schließlich postete Hart ein Video auf Instagram, in dem er sagte, dass er von der Academy angerufen wurde. Man riet ihm, sich öffentlich für seine Witze zu entschuldigen. Tue er dies nicht, müsse man sich nach einem anderen Moderator umschauen. Hart entschied sich daraufhin, der Academy zuvorzukommen und trat von dem Posten zurück.


“Ich weiß, wer ich bin – und das tun auch die Menschen, die mir am nächsten sind.”

“Wir belohnen Internet-Trolle”, sagte Hart außerdem in dem Video. Mit der gleichen Energie, mit der Leute nach alten Aussagen von ihm suchten, könne man auch nach den Antworten suchen, die er immer wieder gegeben habe. Er habe sich in der Vergangenheit schon so oft über Dinge geäußert, bei denen er falsch gelegen habe. Auf Twitter entschuldigte sich Hart bei der LGBTQ-Community, forderte Leute aber auch dazu auf, nicht ständig nach negativen Gründen zu suchen.

Oscar-Academy muss schnell Ersatz finden

“Die Welt ist verrückt geworden”, sagte er in einem weiteren Instagram-Video, das er in Australien aufgenommen hat, wo sich Hart derzeit auf Tournee befindet. “Ich werde mich von dieser Verrücktheit nicht entmutigen lassen.” Er sei inzwischen fast 40 und ein anderer Mann, als noch vor ein paar Jahren.

Inzwischen hat Hart die viel gescholtenen Tweets von seinem Profil gelöscht. Darunter auch diesen hier: “Warum hat @wayne215 so viele Bilder von mir auf seinem Handy!!! Bist du so eine Art dicker Schwuler, der den ganzen Tag lang Fotos von kleinen schwarzen Männern macht?”

Die Oscar Academy muss nun einen Ersatz für Hart finden. Bestseller-Autor Stephen King hätte da schon einen Vorschlag.


“Lasst mich meinen Senf dazugeben: Patton Oswald soll die Oscars moderieren. Er ist perfekt.”

Neben dem “King of Queen”-Stars Patton Oswalt fiel noch ein weiterer Name: Comedian Billy Eichner, der sich kritisch über Kevin Hart geäußert hatte, gab seine Stimme für die homosexuelle Komikerin Wanda Sykes ab.


Und der Brite Ricky Gervais, der bei den Golden Globes bereits zweimal für – nicht immer politisch korrekte, aber hochgelobte – Unterhaltung sorgte schlug sich gleich selbst vor und spielte dabei darauf an, dass die Academy bei ihren Nominierungen und Auszeichnungen angeblich mit anderem Maß misst als bei der Wahl ihres Moderators. Mel Gibson, der in der Vergangenheit wegen homophober, sexistischer und judenfeindlicher Aussagen in der Kritik stand, sei schließlich 2017 nominiert gewesen.

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Liebe Mistkerle, die bei den Oscars das Sagen haben, lasst mich eure Show moderieren, und ich werde versprechen, niemand vor den Kopf zu stoßen. Nicht einmal Mel Gibson, den ihr letztes Jahr nominiert habt.