Hollywoods Filmindustrie und ihre Liebe zu realen Katastrophen

Ann-Catherin Karg
Freie Journalistin

Ein Jahr ist es her, dass die Welt um das Leben von zwölf thailändischen Jungs samt ihrem Fußballtrainer bangte, die während eines Ausflugs vom Monsunregen in einer Höhle eingesperrt wurden. Dass der reale Fall neben dem noch in diesem Jahr erscheinenden Kinofilm “The Cave“ auch in einer Disney-Doku und einer Netflix-Serie verarbeitet wird, ist kaum verwunderlich. Denn Hollywood hat seine Geschichten schon immer gerne aus dem wahren Leben gezogen - so wie in den folgenden Blockbustern:

"Titanic“ verfilmte eine wahre Begebenheit und ist einer der erfolgreichsten Filme aller Zeiten (Bild: ddpimages)

Titanic, 1997

Dass der Luxusdampfer RMS Titanic tatsächlich sinken könnte, hätten die meisten Menschen im Vorfeld seiner Jungfernfahrt für unmöglich gehalten. Nachdem er aber auf seiner geplanten Route von Southampton nach New York im Nordatlantik mit einem Eisberg kollidierte, dauerte es nur zwei Stunden und 40 Minuten bis zu seinem Untergang. Mehr als 1500 Menschen starben bei der wohl traumatischsten Katastrophe in der Geschichte der Seefahrt, vor allem die ärmeren Passagiere, deren Kabinen sich im untersten Teil des Schiffes befanden.

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Als James Cameron das Drama auf hoher See verfilmte und Leonardo DiCaprio und Kate Winslet als Liebespaar in Szene setzte, brach er damit alle Besucherrekorde. Allein in Deutschland sahen 18 Millionen Menschen Leonardo DiCaprio in den eisigen Fluten versinken, weltweit spielte das mit elf Oscars ausgezeichnete Drama knapp zwei Milliarden Euro ein und steht hinter “Avatar – Aufbruch nach Pandora“ und “Avengers: Endgame“ heute auf Platz drei der erfolgreichsten Filme aller Zeiten.

Kritiker bezeichneten den bildgewaltigen Film als "Katastrophen-Porno“ (Bild: ddpimages)

The Impossible, 2012

Am zweiten Weihnachtstag des Jahres 2004 riss ein von einem Erdbeben ausgelöster Tsunami aus dem Indischen Ozean 230.000 Menschen in den Tod. Davon getroffen wurden ganze 14 Länder, besonders schwer Thailand, Indonesien, Sri Lanka und Indien. In Thailand starben 5400 Menschen, viele davon Urlauber, 534 mit deutscher Staatsangehörigkeit. 2012 verfilmte der Regisseur Juan Antonio Bayona die entsetzliche Naturkatastrophe und rückte das Schicksal einer Familie ins Zentrum, das an die realen Erlebnisse einer spanischen Familie angelehnt war.

Während die Mutter (gespielt von Naomi Watts) mit dem ältesten Sohn von den Wassermassen mitgerissen wird, findet sich der Vater (Ewan McGregor) mit den jüngeren Kindern in der Ruine ihres Hotels in Khao Lak wieder. Fortan versucht die Familie, wieder zusammenzufinden, was ihr am Ende auch gelingt. Kritiker bezeichneten den bildgewaltigen Film als “Katastrophen-Porno“, der ein unsagbares Desaster in Unterhaltung verwandle.

Der Film "Überleben" basiert auf dem gleichnamigen Tatsachenroman von Piers Paul Read (Bild: ddpimages)

Überleben, 1993

Der Regisseur Frank Marshall brachte 1993 den Film “Überleben“ ins Kino, in dem u.a. Ethan Hawke ums Überleben kämpft. Als Mitglied der uruguayischen Rugby-Mannschaft ist er mit seinem Team von Montevideo zu einem Freundschaftsspiel in Chile unterwegs, als das Flugzeug mitten in den Anden abstürzt. Verletzt und nahezu schutzlos der erbarmungslosen Kälte ausgeliefert hoffen die Überlebenden, von einem Such-Trupp gerettet zu werden. Als sie dann durch das Radio erfahren, dass die Suche nach ihnen eingestellt wurde, spitzt sich die Situation zu. Im direkten Kampf gegen den Tod entschließen sie sich, die Leichen der Toten zu essen, um nicht zu verhungern. Schließlich machen sich drei von ihnen auf den Weg, um doch noch Hilfe zu holen.

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Der Film beruht auf dem tatsächlichen Flugzeugabsturz vom 13.10.1972, bei dem oder in dessen Folge 29 Menschen starben und 16 nach 72 Tagen gerettet wurden. Als Berater fungierte der Rugby-Trainer Fernando Parrado, der damals mit zwei Mannschaftsmitgliedern loszog, schließlich auf einen chilenischen Hirten traf und damit die Rettung einleitete. Der Film basiert auf dem Tatsachenroman “Überleben“ von Piers Paul Read, der dafür mit den Überlebenden zusammengearbeitet und ihr Leben auch nach der Rettung geschildert hat.

Dre Film "World Trade Center“ beruht auf den Ereignissen des 11. September. (Bild: ddpimages)

World Trade Center, 2006

Die Terroranschläge vom 11. September 2001 wurden gleich mehrfach verfilmt, u.a. mit “Flug 93“ und der Romanverfilmung von Jonathan Safran Foers “Extrem laut und unglaublich nah“. Damals entführten Terroristen vier Flugzeuge, von denen zwei in die Türme des World Trade Centers gelenkt wurden. Allein in New York starben 2753 Menschen, von denen bis heute nur etwa 60 Prozent anhand ihrer sterblichen Überreste identifiziert werden konnten.

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Erst kürzlich hatte der ehemalige “Daily Show“-Moderator Jon Stewart vor einem Ausschuss des Repräsentantenhauses angeprangert, dass viele der damaligen Ersthelfer, die in Folge des giftigen Rauchs und des eingeatmeten Staubs an Krebs erkrankt sind, nicht die nötige finanzielle Hilfe erhielten. Helden, die selbstlos halfen, als nicht nur Amerika, sondern die ganze Welt fassungslos nach New York schaute. Eben jenen Helden setzte 2006 auch der Regisseur Oliver Stone ein Denkmal. In seinem Film “World Trade Center“ schildert er den dramatischen Einsatz zweier Feuerwehrmänner, gespielt von Nicolas Cage und Michael Peña, die in den Trümmern der Twin Towers Verletzte bergen wollen und dabei selbst verschüttet werden.

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