Zypern zeigt antikes Theater modern interpretiert

Antike Theaterstücke erleben, wie sie einst aufgeführt wurden - das ist möglich beim Internationalen Festival für altgriechisches Drama auf Zypern. Über 30 Theatergruppen bewerben sich jährlich um die Teilnahme, Übernachtungs- und Reisekosten werden übernommen. Dieses Jahr wurden sieben Gruppen ausgewählt unter anderem aus Griechenland, Rumänien, Georgien und Zypern. In ganz Europa gibt es nur noch in Griechenland eine Veranstaltung dieser Art.

Im antiken Theater von Kourion probt das Nationaltheater von Nordgriechenland. Abends werden sie die Tragödie Orestes von Euripides aufführen.

"Dieses Festival ist das Einzige, bei dem man altgriechische Theaterstücke sehen kann. Es gibt nicht nur Aufführungen alter Dramen aus Zypern, sondern auch aus Griechenland und anderen Ländern der Welt. In den vergangenen Jahren hat sich das Festival entwickelt. Es ist im Aufwärtstrend, dank steigender Zuschauerzahlen, aber vor allem dank der Auszeichnung mit dem EFFE -Label "Europe for Festivals, Festivals for Europe". Damit gehört unser Festival heute zu den besten europäischen Veranstaltungen", sagt der Festivalleiter Christos Georgiou.

Das antike Theater in Kourion bezeugt das multikulturelle Erbe Zyperns, dessen Spuren 3000 Jahre zurückgehen. Der Ort wurde von Griechen, Arabern, Assyrern, Persern und Römern geprägt.

Der künstlerische Leiter des Nationaltheaters Nordgriechenlands Yannis Anastasakis erklärt, warum seine Truppe die Tragödie von Euripides modern inszeniert: 

"Dieses Stück gibt uns die Möglichkeit, uns dem zu stellen, was wir heute erleben. Das Stück erzählt die Geschichte von Orestes und Elektra. Es spielt 6 Tage nach dem Tod von Klytämnestra, nach ihrer Ermordung durch ihre Kinder. Orestes, Elektra und Pylades werden von der Volksversammlung bestraft. Es hat mit ihrem eigenen Tod zu tun. In diesem Stück geht es um brüderliche Liebe, Freundschaft und einen Staat in der Krise. Eine Gesellschaft mit vielen Aufgaben, die sie nicht übernehmen will. Die Jugend dieser Gesellschaft muss ihre Rolle finden."

Die Tragöide Orestes ist eine Fortsetzung von Elektra, einem früheren Stück von Euripides, in dem Orestes seine Mutter Klytämnestra in einem Racheakt tötet. Im Laufe des Dramas werden sowohl Orestes als auch seine Schwester Elektra von der Stadtversammlung zum Tode verurteilt. Als sie einen Racheplan aushecken, kommt der Gott Apollo und zwingt alle zu einer friedlichen Lösung. Historiker glauben, dass die Musik für eine der Hauptarien von Euripides selbst geschrieben wurde.