Zwischen Warnungen und Lockerungen: Deutschland diskutiert über den weiteren Umgang mit dem Coronavirus

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Corona und kein Ende in Sicht: In Deutschland brodelt seit dem vergangenen Wochenende die Debatte darüber, wie mit der leicht steigenden Sieben-Tage-Inzidenz von 6,5 umzugehen ist. Der Vorstandvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, warnt vor Alarmismus bei einem Wiederanstieg der Corona-Infektionszahlen. Insbesondere den Begriff „Vierte Welle“ sehe er kritisch, sagte Gaß der „Bild“. Dieser sorge bei den Bürgern nur für Angst, dass die Intensivstationen wieder mit Covid-Patienten „volllaufen“ könnten. "Wir erwarten bei gleicher Inzidenz viel weniger Corona-Patienten in den Kliniken", sagte Gaß weiter.

Dies werde aber dank der Impfungen nicht der Fall sein. Zwar erwarte auch er steigende Zahlen im Herbst, betonte Gaß. Eine Gefahr für das Gesundheitssystem bedeute dies aber nicht, da sich Infektionen, schwere Erkrankungen und Todesfälle zunehmend voneinander entkoppelten.

Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, fordert eine intensivere Impfkampagne. "Ich vermisse den TV-Spot zum Impfen vor der Tagesschau. Und dann müssen wir direkt vor Ort informieren, und zwar genau da, wo die Impfbereitschaft bisher gering ist. Wir müssen auf die Menschen zugehen", sagte Reinhardt der "Rheinischen Post". Man müsse nicht nur Sportvereine, sondern auch Kulturvereine und Glaubenseinrichtungen für die Impfkampagne mit ins Boot holen. "Statt zu verordnen, müssen wir vor Ort sein."

Die Frage, inwieweit die erhöhten Inzidenzwerte zu einer Belastung des Gesundheitssystems führen werden, hänge maßgeblich von der Impfquote ab, sagte Reinhardt. "Ich finde, jeder Erwachsene steht in der Verantwortung, durch seine Impfung dazu beizutragen, das Infektionsgeschehen niedrig zu halten – auch zum Schutz der Kinder. Sie sind bisher die großen Verlierer der Pandemie."

Der Präsident der Deutschen interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), Gernot Marx, sagte der Zeitung: "Wir haben in Deutschland aktuell mehr als die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung geimpft, was sich deutlich in der Belegung der Intensivstationen bemerkbar machen wird. Wir erwarten bei einem erneuten Anstieg der Inzidenzen deshalb eine deutlich flachere Kurve mit Blick auf die schwer erkrankten Patienten." Vorsicht ist aus Sicht von Intensivmediziner Marx aber dennoch weiter angemessen: "Sollten die Infektionsraten sprunghaft ansteigen und ungebremst anwachsen, werden wir auch wieder eine deutliche Zunahme an schwer kranken Patienten erleben, die auf der Intensivstation behandelt werden müssen. Denn wir dürfen eben nicht vergessen: 40 Millionen Menschen in Deutschland sind eben noch nicht geimpft."

Bundeskanzlerin Angela Merkel besucht heute das Robert-Koch-Institut. Es ist damit zu rechnen, dass die aktuelle Corona-Lage zum Inhalt des Gesprächs gehören wird.

cri/dpa

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