Vor Zweitliga-Start: Die Prognosen der 18 Trainer

Reinhard Franke

Es geht wieder los. Am Freitag startet die Zweite Liga mit der Begegnung VfL Bochum gegen den St. Pauli (20.30 Uhr ab im LIVETICKER) in ihre 43. Saison. 

Mit neuen Gesichtern auf den Trainerbänken wie Ismail Atalan in Bochum oder Erzgebirge Aue-Coach Thomas Letsch und noch mehr Emotionen.

SPORT1 hat mit allen 18 Trainern über deren Ziele und Prognosen gesprochen.

Ingolstadt, Darmstadt, Union und Braunschweig

Dabei sieht die klare Mehrheit die Absteiger FC Ingolstadt und Darmstadt 98 sowie Union Berlin und Eintracht Braunschweig als Favoriten auf den Bundesliga-Aufstieg.

Die meisten Coaches allerdings verzichten auf einen Tipp, da sie das Niveau der Zweiten Liga so eng beieinander sehen wie nie zuvor.

Die Aussagen der 18 Trainer im Überblick:

Maik Walpurgis (FC Ingolstadt): "Die Liga ist sehr ausgeglichen. Wir wollen fußballerisch richtig gut vorbereitet in die Saison gehen. Unser absoluter Fokus steht nun auf einem bestmöglichen Start, Ziele können wir später auch noch definieren.“

Torsten Frings (Darmstadt 98): "Ich wünsche mir eine Mannschaft, der man ansieht, dass sie alles heraushaut und dass sie diesen Hunger auf Fußball hat. Natürlich sind Ergebnisse wichtig, aber ich möchte, dass jeder Spieler unabhängig vom Resultat nach dem Abpfiff in den Spiegel schauen kann, weil er in den 90 Minuten zuvor alles auf dem Feld gelassen hat. Wir müssen uns auf eine schwere Saison einstellen, mit vielen Gegnern, die eine hohe Qualität aufweisen. Wichtig ist, dass wir fußballerisch und mental die 2. Liga annehmen.

Die Top-Favoriten wie Stuttgart und Hannover gibt es in dieser Saison nicht, ich sehe aber auch kein Team, dem ich nicht den Klassenerhalt zutraue. Das macht die Liga so schwierig, jedes Spiel dürfte ein absoluter Kampf werden. Zumal sich auch der Fußball in der 2. Liga geändert hat. Dass nur lange Bälle gebolzt werden, sehe ich kaum noch, auch in dieser Liga wird mittlerweile Fußball gespielt."

Torsten Lieberknecht (Eintracht Braunschweig): "Unser Ziel ist, erneut das zu zeigen, was uns in der Vorsaison ausgezeichnet hat; eine Spielzeit lang als Team in jedem Spiel den Sieg anzustreben und die Bereitschaft, zusammen durch Höhen und Tiefen zu gehen. Die Liga ist so eng und ausgeglichen wie selten zuvor. Es gibt keine klaren Favoriten, jeder kann jeden schlagen und Nuancen oder die Tagesform können spielentscheidend sein.

Natürlich hoffe ich, dass unsere Mannschaft oben mitspielen kann. In diesem Jahr ist es enorm schwer, irgendeinen Tipp abzugeben, denn die Liga ist ein echtes Überraschungsei, bei dem man gespannt sein darf, was am Ende herauskommt."

Jens Keller (Union Berlin): "Wir möchten gut und erfolgreich Fußball spielen. Ziel ist es, uns weiter zu verbessern. Nach Platz 4 in der letzten Saison bleiben da ja nicht mehr allzu viele Plätze übrig. Jede Saison beginnt bei null. Den Erfolg des Vorjahres kann man nicht mitnehmen, sondern wir müssen uns alles wieder neu erarbeiten. Am Ende bringt es wenig, ständig darüber zu reden, was man gerne möchte. Wir müssen uns unsere Qualität Tag für Tag erarbeiten und sie in den Spielen dann auf den Platz bringen. 

Die Bundesliga-Absteiger zählen immer zu den Favoriten, das ist diesmal nicht anders. Dahinter wollen aber viele Vereine ihre Chance nutzen und an die Spitze vorstoßen. Das ist durchaus reizvoll, bedeutet aber mehr denn je: Jeder kann jeden schlagen. Es wird spannend, wer sich am Ende durchsetzen wird."


Janos Radoki (Greuther Fürth): "Wir haben sehr gut in der Vorbereitung gearbeitet und wollen das jetzt auch in den Ligaspielen auf dem Platz zeigen. Dafür müssen wir geschlossen auftreten und immer bereit sein diesen einen Extraschritt mehr zu machen als der Gegner.

Es hat derzeit den Anschein, dass die Liga ausgeglichener ist und kaum einer geht davon aus, dass es Teams gibt, die einsam vorneweg marschieren. Die Leistungsdichte ist sehr hoch."

Uwe Neuhaus (Dynamo Dresden): "Ich glaube, dass es in der anstehenden Saison ein enges Rennen um die Aufstiegsplätze geben wird. Ingolstadt, Union Berlin, Darmstadt, Braunschweig und Fürth werden am Ende die ersten drei Plätze wohl unter sich ausmachen."

Friedhelm Funkel (Fortuna Düsseldorf): "Es soll ein Jahr der Stabilisierung werden. Wir wollen das, was wir uns in der vergangenen Saison aufgebaut haben, stabilisieren und verbessern. Wenn alles so funktioniert, wie wir uns das vorstellen, dann ist ein Platz im oberen Tabellendrittel realistisch.

Die Liga hat in diesem Jahr nicht diese beiden klaren Aufstiegsfavoriten, wie es Hannover und Stuttgart in der letzten Saison waren. Dafür gibt es viele Mannschaften, die Ambitionen haben, oben dabei zu sein."

Ismail Atalan (VfL Bochum): "Ich hoffe, dass wir den Schwung aus der recht kurzen gemeinsamen Vorbereitung mitnehmen können, um unseren Fans einen optimalen Saisonstart zu bescheren. Die Zweite Liga ist sehr ausgeglichen, insofern ist eine gute Vorbereitung auf jedes Spiel das A und O. Mannschaftliche Geschlossenheit kann individuelle Klasse in vielen Fällen wettmachen.

Eine Tücke ist sicherlich, dass viele Fans glauben, dass es in der Zweiten Liga nicht mehr die Übermannschaften wie Hannover und Stuttgart gibt und dass so der Aufstieg wesentlich leichter sei. Eher das Gegenteil ist der Fall: Ingolstadt und Darmstadt sind genauso starke Bundesliga-Absteiger und werden genauso um den Aufstieg mitspielen wie drei, vier andere Teams."


Frank Schmidt (1. FC Heidenheim): "Wir wollen uns stetig verbessern und dürfen nicht mit dem Erreichten zufrieden sein. Jeder muss wissen, wie schwer es ist, sich in der Zweiten Liga Jahr für Jahr zu etablieren. Daher ist das primäre Ziel, die Klasse zu halten und steht an erster Stelle. 

Darüber hinaus wollen wir wieder aufgabenorientierter denken und handeln und uns nicht auf einen bestimmten Tabellenplatz festlegen. Gute und nachhaltige Leistungen führen zwangsläufig zu guten Ergebnissen, Orientierung gibt uns da eine klare Spielphilosophie."

Michael Köllner (1. FC Nürnberg): "Ich hoffe, dass wir eine stabile und sorgenfreie Saison spielen, die idealerweise im ersten Tabellendrittel final ihr Ende finden kann. Die Saison wird sicher sehr herausfordernd sein. Wir befinden uns in einer Art Umbruchphase mit einer spannenden Mannschaft.

Es können viele Teams bei einer gut verlaufenden Saison einen der begehrten Aufstiegsplätze erreichen. Das liegt sicher daran, dass eine Vielzahl der Vereine im Gesamtpaket nicht so weit voneinander entfernt ist."

Olaf Janßen (St. Pauli): "Die Saison wird wieder eine große Herausforderung. Wir starten mit einem anspruchsvollen Programm, das uns von Beginn an alles abverlangen wird. Allerdings ist das gut für uns, damit sofort alle Sinne geschärft sind. Die Liga ist noch ausgeglichener als im letzten Jahr, jeder kann jeden schlagen. Darauf muss man sich Woche für Woche einstellen. 

Es gibt in diesem Jahr keine Topfavoriten wie zuletzt Stuttgart und Hannover, die personell überragend besetzt waren. Es sind zwölf Mannschaften, die sich Chancen ausrechnen und die auf ähnlichem Niveau sind. Daher erwarte ich ein Hauen und Stechen in der Liga um die oberen Plätze."


Norbert Meier (1. FC Kaiserslautern): "Für uns geht es in erster Linie darum, eine sorgenfreie Saison zu absolvieren, möglichst nicht in den Abstiegskampf zu kommen und die Fans mit unserem Auftreten und den klassischen Betze-Tugenden wieder zu begeistern.

Ich bin mir sicher, dass es mindestens sieben bis acht Vereine gibt, die intern die Zielsetzung haben, ganz oben mitzuspielen. Und auch die Absteiger werden sicherlich alles tun, um schnell wieder nach oben zu kommen. Dazu kommt ja meist noch das ein oder andere Überraschungsteam. Die Liga ist grundsätzlich ausgeglichen, ich glaube in dieser Saison nicht mehr oder weniger als vergangene Saison."

Kenan Kocak (SV Sandhausen): "Es bringt nichts, sich mit Prognosen zu beschäftigen. Die Saison wird sehr schwer. Jede Mannschaft hat ihre Qualitäten und wir als SV Sandhausen müssen immer alles abrufen um erfolgreich zu sein. Genau darin liegt die Herausforderung, immer fokussiert und auf den Punkt topfit zu sein.

Für viele Mannschaften kann es nach oben aber auch nach unten gehen. Sich im Vorfeld damit zu beschäftigen ist reine Spekulation."

Thomas Letsch (Erzgebirge Aue): "Die Liga ist in der neuen Saison noch ausgeglichener als in der Vergangenheit. Jedes Spiel wird hart umkämpft sein. Für uns wird es wichtig sein diesen Kampf anzunehmen und immer das Maximale aus unseren Möglichkeiten rauszuholen, so dass wir die Waage auf unsere Seite bringen, wenn die Spiele Spitz auf Knopf sind. Sollte uns das gelingen, ist natürlich das Ziel am Ende wieder über dem Strich zu stehen. Dann hätten wir erneut etwas Großes erreicht.

Es gibt keinen Topfavoriten mehr, die Mannschaften sind sehr eng beisammen. Braunschweig, Ingolstadt oder Union Berlin stehen von den Möglichkeiten her schon etwas über dem Strich, aber jede Mannschaft ist so gut geschult, dass es schwierig wird."

Jeff Saibene (Arminia Bielefeld): "Wir wollen uns verbessern und weiterentwickeln. Dabei eine stabile, möglichst sorgenfreie Saison mit möglichst großem Abstand zu den Abstiegsplätzen spielen."

Achim Beierlorzer (Jahn Regensburg): "Wir freuen uns total auf die Herausforderung, die in dieser Liga auf uns wartet. Wir gehen sicher in jedes Spiel als Underdog, was aber nicht heißt, dass wir uns hinten reinstellen werden. Als Aufsteiger ist unser Saisonziel ganz klar: Es geht nur um den Klassenerhalt. Den wollen wir mit unserem Team-Spirit und der Unterstützung aus dem gesamten Umfeld schaffen."

Ilia Gruev (MSV Duisburg): "Es wird am Tabellenende aus meiner Sicht spannend wie ein guter Krimi werden. Wir haben ein ganz klares Ziel, und nur das interessiert uns: Mindestens drei Konkurrenten hinter uns lassen und den Klassenerhalt schaffen. Es wird darauf ankommen, konstant zu punkten und sich keine längeren Schwächeperioden zu erlauben.

Aus meiner Sicht ist die Liga auch in dieser Spielzeit wieder sehr ausgeglichen. Lottospielen ist aktuell erfolgsversprechender, als jetzt schon auf Abstiegskandidaten zu setzen. Meine drei Favoriten für den Aufstieg sind Union Berlin, der FC Ingolstadt und Eintracht Braunschweig."

Markus Anfang (Holstein Kiel): "Die Saison wird für uns sicherlich eine Herausforderung, eine, in der wir auch unsere Probleme bekommen werden. Aber es geht dann darum, damit gut umzugehen. So wie wir es auch in der vergangenen Saison erfolgreich gemacht haben.

Im Vorjahr gab es mit Stuttgart und Hannover zwei klare Aufstiegsfavoriten, jetzt sind es mit Darmstadt, Braunschweig, Ingolstadt und Union Berlin meiner Meinung nach einige Vereine mehr, die um den Aufstieg spielen."