Zweiter Ausbildungsstart in Baden-Württemberg wegen Corona-Beschränkungen vereinbart

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Auszubildende in einer Bäckerei in Dortmund im April 2020
Auszubildende in einer Bäckerei in Dortmund im April 2020

Viele Unternehmen können wegen der coronabedingten Einschränkungen derzeit nicht oder nur begrenzt ausbilden - in Baden-Württemberg soll es deshalb einen zweiten Ausbildungsstart im Februar 2021 geben. Den entsprechenden Modellversuch von Unternehmen und Gewerkschaften im Bundesland kündigte am Montag die baden-württembergische Wirtschafts- und Arbeitsministerin, Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU), an. Geplant sind etwa Sonderklassen an den Berufsschulen. 

Zum neuen Ausbildungsjahr in diesem Herbst seien in Baden-Württemberg deutlich weniger Ausbildungsverträge neu abgeschlossen worden als im Vorjahr, erklärte das Wirtschaftsministerium in Stuttgart. Im Bereich der Industrie- und Handelskammern gebe es einen Rückgang um 14,4 Prozent, im Handwerk um 6,7 Prozent. 

Mit dem zweiten Ausbildungsstart könnten Betriebe sich weiterhin in der Ausbildung engagieren und in die Zukunft investieren, auch wenn sie im Herbst etwa wegen Kurzarbeit noch nicht ausbilden könnten, erklärte die Ministerin. "Wir müssen in der Pandemie alles tun, um in junge Menschen und damit in die Zukunft zu investieren."

Jugendliche auf Lehrstellensuche, die nicht auf das nächste Ausbildungsjahr warten wollten, hätten - neben den auch sofort verfügbaren Ausbildungsplätzen - so eine zusätzliche Option, erklärte Hoffmeister-Kraut. Für den zeitversetzten Ausbildungsstart kommen demnach alle Ausbildungsberufe in Frage, insbesondere im Hotel- und Gaststättenbereich, im Einzelhandel und im IT-Bereich. 

Damit kein Unterrichtsstoff versäumt werde oder nachgeholt werden müsse, sollen – sofern die notwendige Zahl an Auszubildenden für eine neue Klasse erreicht wird – an einzelnen Berufsschulen gesonderte Klassen eingerichtet werden. Gleichzeitig gebe es auch für diese Ausbildungsverhältnisse die Möglichkeiten der Verkürzung. Das könne gerade für leistungsstarke Jugendliche eine passende Möglichkeit sein, warb Hoffmeister-Kraut.

Die Vizepräsidentin des baden-württembergischen Industrie- und Handelskammertags, Marjoke Breuning, appellierte: "Wir alle dürfen jetzt nicht nachlassen und müssen uns für die Ausbildung nochmals mehr engagieren als sonst. Corona ist irgendwann Geschichte, aber die demografische Entwicklung und der Fachkräftebedarf bleiben uns erhalten." 

Der DGB-Landesvorsitzende Martin Kunzmann lobte den Modellversuch zum zeitversetzten Ausbildungsstart und mahnte gleichzeitig, auch die Ausbildungsqualität müsse stimmen. Die Betriebe müssten zudem in die Digitalisierung der Ausbildung investieren. 

ilo/muk