Zweite Welle: Wieder dutzende russische Raketenangriffe im morgendlichen Berufsverkehr

Russland hat zu Wochenbeginn wieder dutzende Raketenangriffe im morgendlichen Berufsverkehr gestartet. Laut ukrainischen Informationen wurden 44 von 50 Raketen abgefangen, der Luftalarm wird schrittweise aufgehoben.

In weiten Teilen der Ukraine gab es Luftalarm, die Flugabwehr war aktiv, wie die dortigen Behörden mitteilten. In der Hauptstadt Kiew, in Charkiw und in Saporischschja waren demnach Explosionen zu hören. Teile der ukrainischen Eisenbahnen waren ebenfalls von der Stromversorgung abgeschnitten.

Strom- und Wasserversorgung betroffen

Ein Teil der ukrainischen Hauptstadt sei von der Strom- und Wasserversorgung abgeschnitten, so der Kiewer Bürgermeister Vitali Klitschko. Die Behörden riefen dazu auf, sich in Schutzbunkern in Sicherheit zu bringen. Kritische Infrastruktur wurde auch in der Region Tscherkassy südöstlich von Kiew getroffen.

Offizielle Stellen berichteten von möglichen Stromausfällen in den Städten Charkiw und Saporischschja infolge der Angriffe. Dem Bürgermeister von Charkiw, Ihor Terechow, zufolge sind in seiner Stadt zwei Raketen eingeschlagen, die auf kritische Infrastruktur gezielt hätten. In Charkiw wurde der Betrieb der U-Bahn eingestellt.

Weiter Streit mit der Schweiz um Flugabwehrmunition für den Gepard

Deutschland drängt, Munitionsnachschub aus der Schweiz in die Ukraine liefern zu dürfen. Während die Schweiz wegen ihrer Neutralität nicht bereit ist, Waffen weitergeben zu lassen, drohen deutsche Politiker bereits mit dem Ende sämtlicher Rüstungskäufe.

Konkret will Deutschland 12.000 35-Millimeter-Geschosse für den Flugabwehrpanzer Gepard an die Ukraine liefern. Für den Re-Export der Schweizer Munition braucht es allerdings eine Bewilligung aus Bern. Deutschland argumentiert, dass der Gepard zur Sicherung von Getreideexporte aus Odessa eingesetzt wird.

Deutschland hat in den vergangenen Monaten versucht, Munition aus Norwegen oder Brasilien zu beschaffen. Doch die norwegische Munition erwies sich als fehleranfällig und Brasilien weigerte sich, Munition gegen Russland zu liefern.

Ukraine spricht von „Energieterror“

Es ist die zweite, massive Angriffswelle mit Raketen diesen Monat auf zivile ukrainische Infrastruktur. Am 10. Oktober folgte ein ähnlicher Angriff nach einer Explosion auf der Brücke von Kertsch, die die annektierte Krim mit dem russischen Festland verbindet - ein Vorfall, für den Moskau Kiew verantwortlich machte.

Russland hatte erklärt, besonders die Energie-Infrastruktur des Nachbarlands ins Visier zu nehmen. Die Ukraine spricht von „Energieterror“ mit dem Ziel, die Menschen in Dunkelheit, Kälte und Angst zu stürzen und so in die Flucht in die EU zu treiben.

Der russische Angriffskrieg gegen das Nachbarland dauert an diesem Montag jetzt 250 Tage.