Mindestens 14 Tote bei Protesten gegen Militärputsch im Sudan

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Proteste in Khartum (AFP/-)

Bei der gewaltsamen Niederschlagung von Protesten gegen den Militärputsch im Sudan haben Sicherheitskräfte am Mittwoch mindestens 14 Menschen erschossen. Dutzende weitere Menschen hätten bei den Demonstrationen vor allem im Norden der Hauptstadt Khartum Schusswunden erlitten, einige seien lebensgefährlich verletzt worden, wie eine pro-demokratische Ärztegewerkschaft mitteilte. Es war der blutigste Tag seit der Machtübernahme durch die Armee Ende Oktober.

In ganz Khartum kam es trotz der Unterbrechung von Telefon- und Internetverbindungen am Mittwoch an verschiedenen Orten zu Protesten, wie Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten. Die Sicherheitskräfte gingen mit Tränengas gegen Demonstranten vor. Sie bestritten den Einsatz von scharfer Munition.

Die Demonstranten skandierten "Nein zur Militärherrschaft" und "Das Volk wählt die Zivilregierung". Die Ärztegewerkschaft erklärte, die meisten der Opfer hätten Schusswunden an Kopf, Hals oder Oberkörper erlitten. Trotz des Einsatzes von Gewalt seien die Demonstranten weitermarschiert. Auch in der östlichen Hafenstadt Bur Sudan gingen Demonstranten gegen den neuen sudanesischen Machthaber, General Abdel Fattah al-Burhan, auf die Straße.

Das Militär hatte am 25. Oktober die Macht im Sudan übernommen, die zivilen Mitglieder der Übergangsregierung wurden festgenommen. Al-Burhan rief den Ausnahmezustand aus und kündigte die rasche Bildung einer neuen Regierung an. Deren Ernennung lässt jedoch auf sich warten. Seit dem Putsch gehen zahlreiche Menschen aus Protest auf die Straße - trotz der gewaltsamen Niederschlagung von Demonstrationen. Bislang wurden insgesamt 38 Demonstranten getötet.

Zwar hatte al-Burhan vergangene Woche einen neuen Souveränitätsrat ernannt, dem die Führung des Landes obliegt. Ihm gehören auch einige weitgehend unbekannte Vertreter der Ziviligesellschaft an - aber kein einziger Vertreter des Bündnisses Kräfte für Freiheit und Wandel (FFC), das vor zwei Jahren erfolgreich den Volksaufstand gegen den langjährigen Machthaber Omar al-Baschir organisiert hatte.

Während der erneuten Proteste am Mittwoch begann US-Außenminister Antony Blinken seine Afrika-Reise, die ihn in drei Staaten des Kontinents führen soll. Zum Auftakt warnte er in Kenia angesichts des Militärputsches im Sudan vor den zunehmenden Bedrohungen für die Demokratie. "Wir haben in den vergangenen zehn Jahren das erlebt, was manche eine demokratische Rezession nennen", sagte Blinken in Nairobi.

Der Sudan könne dringend benötigte internationale Hilfe zurückerhalten, wenn die "Legitimität" der Zivilregierung wiedergeherstellt werde, betonte der Außenminister. Die USA haben als Reaktion auf den Staatsstreich die Unterstützung für das nordostafrikanische Land in Höhe von rund 700 Millionen Dollar ausgesetzt.

mkü/cp

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