Mindestens sieben Tote durch Orkantief "Xavier" in Nord- und Ostdeutschland

Feuerwehrleute bei Sturmeinsatz in Hamburg

Das Sturmtief "Xavier" hat am Donnerstag mindestens sieben Menschen das Leben gekostet. In Nord- und Ostdeutschland führten die mit "Xavier" verbundenen orkanartigen Stürme und Regenfälle zudem zu mehreren tausend Einsätzen von Polizei und Feuerwehren. Vor allem in den Großstädten wie Berlin und Hamburg, aber auch in vielen ländlichen Gebieten gab es Verkehrsbehinderungen bis zu umfassenden Sperrungen im Straßen- und Bahnverkehr, die Schäden dürften in die Millionenhöhe gehen.

Der Deutsche Wetterdienst hob Donnerstagabend seine wegen "Xavier" ausgelösten Unwetterwarnungen vollständig wieder auf. Nur im Gebirge und an den Küsten seien noch Sturmböen zu erwarten, es seien aber keine orkanartigen Böen mehr zu erwarten.

Im Land Brandenburg starben drei Menschen in ihren Fahrzeugen sowie ein Fußgänger, wie die Polizei in Potsdam am Abend mitteilte. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) zeigte sich bestürzt über die Todesopfer. In Berlin, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern gab es jeweils einen Toten.

In Hamburg erschlug ein entwurzelter Baum eine in ihrem Auto sitzende Frau, wie eine Polizeisprecherin sagte. Eine zweite Insassin sei verletzt ins Krankenhaus gebracht worden. Insgesamt gab es in Hamburg zehn Verletzte, die Retter fuhren mehr als 1200 Einsätze.

An der Bundesstraße B191 in Neu-Karstädt in Mecklenburg-Vorpommern durchschlug ein Baum das Führerhaus eines fahrenden Lastwagens. Der Lastwagenfahrer habe dabei so schwere Kopfverletzungen erlitten, dass der Notarzt nur noch seinen Tod feststellen konnte, sagte ein Polizeisprecher. In Berlin berichtete die Feuerwehr von einem Toten und einem schwer verletzten Menschen in einem Auto im Stadtteil Tegel.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) sprach in einer Erklärung von einer "großen Belastungsprobe" für die Stadt nach den Starkregenfällen im Juni und August. Er dankte Feuerwehr, Polizei und anderen Helfern für ihren Einsatz.

Die Deutsche Bahn stellte in ganz Norddeutschland und weiten Teilen Ostdeutschlands den Zugverkehr vollständig ein, auf zahlreichen Strecken stürzten Bäume und Äste auf Schienen und Oberleitungen. In Berlin stellte die S-Bahn den Zugverkehr sowie den U-Bahnverkehr im Bereich der oberirdischen Streckenabschnitte ein. Die Strecken konnten im Verlauf des Donnerstagabends aber nach und nach wieder freigegeben werden.

In Berlin berichtete die Feuerwehr vom Ausnahmezustand und 1300 Einsätzen bis 21.30 Uhr. Im Landkreis Segeberg fuhren die Feuerwehren mehr als 400 Einsätze, im Landkreis Stade mehr als 300 Einsätze, im Landkreis Leer über 200. Im Landkreis Lübeck blieb die Situation zunächst unübersichtlich, auch von dort meldeten die Rettungskräfte "mehrere hundert" Einsätze sowie mehrere Verletzte. In Bremen meldete die Polizei in kurzer Zeit rund 200 Einsätze.

Wie die Wasserschutzpolizeiinspektion Wilhelmshaven mitteilte, stürzte von der Niedersachsenbrücke ein etwa tausend Tonnen schwerer schienengebundener Entladekran bei Starkwind in die Jade und versank teilweise. An dem Kran dürfte Totalschaden entstanden sein, die Brückenanlage musste gesperrt werden. In Bremerhaven rammte ein beim Sturm losgerissener Schwimmkran zunächst einen Fischtrawler und danach eine Mega-Yacht.