Zwei Tote und mehr als 150 Verletzte durch Explosion bei Kundgebung in Äthiopien

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Sicherheitskräfte im Einsatz in Addis Abeba

Bei einer Explosion während einer Großkundgebung des neuen äthiopischen Ministerpräsidenten Abiy Ahmed sind mindestens zwei Menschen getötet worden. Dutzende weitere Menschen wurden verletzt

Durch eine Granatenexplosion auf einer Großkundgebung des neuen äthiopischen Ministerpräsidenten Abiy Ahmed sind mindestens zwei Menschen getötet und dutzende weitere verletzt worden. Gesundheitsminister Amir Aman teilte im Kurzbotschaftendienst Twitter mit, außer den zwei Toten seien 154 Menschen verletzt worden. Der Ministerpräsident blieb bei der Explosion am Samstag in der Hauptstadt Addis Abeba unverletzt. Abiy machte Gegner seiner Reformvorhaben für die Tat verantwortlich.

Die Explosion ereignete sich auf dem Meskel-Platz, einem Verkehrsknotenpunkt im Herzen von Addis Abeba. Abiy hatte gerade seine Rede beendet, als inmitten der Menschenmenge eine Granate explodierte. Der Ministerpräsident wurde umgehend in Sicherheit gebracht.

Nach der Detonation kam es unter den zehntausenden Teilnehmern zu panikartigen Szenen, wie ein AFP-Korrespondent berichtete. Die Menge drängte in Richtung der Bühne. In dem Chaos stürmten dann mehr als hundert Menschen den Ort der Kundgebung und skandierten regierungsfeindliche Parolen.

Es kam zu Rangeleien, Journalisten wurden mit Steinen beworfen. Die Polizei zögerte zunächst einzugreifen. Schließlich setzten die Sicherheitskräfte Tränengas ein, um die Menge auseinander zu treiben. Staatsmedien sprachen am Sonntag von sechs Festnahmen. Zu dem Angriff bekannte sich zunächst niemand.

Der Organisator der Kundgebung, Seyoum Teshome, sagte der Nachrichtenagentur AFP, der Angriff habe dem Regierungschef gegolten. Jemand habe eine Granate in Richtung der Bühne werfen wollen, wo Abiy gerade seine Rede gehalten hatte. Mindestens vier Polizisten hätten sich auf den Mann geworfen, dabei sei die Granate explodiert. Die meisten Verletzungen seien aber in dem Tumult nach der Explosion entstanden.

Seyoum, ein Blogger und Universitätsprofessor, der während des Ausnahmezustands Anfang des Jahres mehrere Wochen im Gefängnis saß, hatte den Vorfall von der Bühne aus beobachtet.

Abyi machte Gegner seiner Reformpolitik für die Tat verantwortlich. "Die Leute, die das gemacht haben, gehören Gruppen an, die gegen den Frieden sind. Ihr müsst damit aufhören. Ihr habt in der Vergangenheit keinen Erfolg gehabt und werdet ihn auch in Zukunft nicht haben", sagte er in einer Fernsehansprache.

Mit der Kundgebung in Addis Abeba wollte sich Abiy Rückhalt für seine Reformpolitik holen. Es war sein erster öffentlicher Auftritt in der Hauptstadt seit seinem Amtsantritt im April. Zuvor war er in mehreren Provinzen aufgetreten. In Addis Abeba zeigte er sich mit einem grünen T-Shirt und Hut.

Abiy ist der erste Ministerpräsident aus der größten äthiopischen Volksgruppe Oromo. Der Politiker war nach dem Rücktritt seines Vorgängers Hailemariam Desalegn im Februar zum Vorsitzenden der Regierungspartei EPRDF gewählt worden. Vorausgegangen war seit 2015 eine Protestwelle, die der Staat gewaltsam niederschlug. Es gab mehr als tausend Tote, zehn Monate lang galt der Ausnahmezustand in dem ostafrikanischen Land.

Abiy brach mit der autoritären Politik seiner Vorgänger: Er ließ politische Gefangene frei, leitete eine Liberalisierung der Wirtschaft ein und unterbreitete dem verfeindeten Nachbarstaat Eritrea ein Friedensangebot. Unklar ist, wie groß der Rückhalt für Abiys Reformpolitik in der Regierungspartei EPRDF ist. Die Regierungspartei ist in weiten Teilen des 105-Millionen-Einwohner-Landes unbeliebt.