Tote bei Selbstmordanschlägen auf Sicherheitskräfte im Jemen

In der jemenitischen Regierungshochburg Aden sind am Sonntag zwei Selbstmordanschläge auf Gebäude der Sicherheitskräfte verübt worden

Bei zwei Selbstmordanschlägen auf Sicherheitskräfte in der jemenitischen Regierungshochburg Aden und anschließenden Kämpfen sind mindestens 15 Menschen getötet und 18 weitere verletzt worden. Die Angreifer hätten im Gebäude der Kriminalpolizei Geiseln genommen und Dutzende Gefangene befreit, hieß es am Sonntag aus Sicherheitskreisen. Zu den Angriffen bekannte sich die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS). Aus der von Rebellen kontrollierten Haupstadt Sanaa wurden derweil Luftangriffe gemeldet.

Zunächst wurde das Hauptquartier der Sicherheitskräfte in Aden Ziel eines Selbstmordanschlags, wie ein ranghoher Vertreter der Sicherheitskräfte mitteilte. Sechs Polizisten sowie ihr Fahrer seien dabei getötet worden. Mehrere weitere Angreifer stürmten das Gebäude und setzten Akten und Archive in Brand.

Wenig später sprengte sich auch vor dem benachbarten Sitz der Kriminalpolizei ein Selbstmordattentäter in die Luft. Dort seien zwei Polizistinnen getötet und ein Angreifer getötet worden, hieß es von Seiten der Kriminalpolizei. Auch dieses Gebäude wurde demnach von Angreifern gestürmt, die eine unbekannte Zahl an Polizisten als Geiseln nahmen. Die Angreifer befreiten den Angaben zufolge etwa 50 Häftlinge, von denen einige an der Seite ihrer Befreier mitkämpften.

Die Gefechte dauerten noch Stunden später an, wie Sicherheitsbeamte bestätigten. Mehrere Angreifer seien getötet worden. Zu den Attacken bekannte sich die IS-Miliz im Internet. Zuvor hatte es aus jemenitischen Sicherheitskreisen geheißen, das Terrornetzwerk Al-Kaida stecke hinter den Angriffen.

Jemens Regierung hat sich in die Hafenstadt Aden zurückgezogen, nachdem sie von Rebellen aus der Hauptstadt Sanaa vertrieben wurde. Schiitische Huthi-Rebellen und mit ihnen verbündete Militäreinheiten des gestürzten Staatschefs Ali Abdallah Saleh kämpfen seit 2014 gegen Truppen des international anerkannten Präsidenten Abd Rabbo Mansur Hadi.

2015 griff ein von Saudi-Arabien angeführte Militärbündnis zugunsten von Hadi in den Konflikt ein. Seitdem wurden mehr als 8600 Menschen getötet. Mittlerweile steht das verarmte arabische Land kurz vor der offiziellen Ausrufung einer Hungersnot. Durch die Cholera starben dieses Jahr bereits 2100 Menschen. Al-Kaida und andere islamistische Gruppen nutzen das Chaos im Land, um ihre Macht auszubauen.

Aus der von den Huthi-Rebellen kontrollierten Hauptstadt Sanaa wurden Luftangriffe auf das von den Aufständischen in Beschlag genommene Verteidigungsministerim und den populären Sabain-Platz gemeldet. Ein Vertreter der Gegenregierung der Huthi-Rebellen machte die Militärkoalition unter Führung Saudi-Arabiens für die Bombardements in der Nacht zum Sonntag verantwortlich. Zu möglichen Opfern machte er keine Angaben. Das Militärbündnis reagierte am Sonntag auf Anfrage zunächst nicht auf die Vorwürfe.

Am Samstag hatte Saudi-Arabien eine vom Jemen aus abgefeuerte ballistische Rakete nordöstlich der Hauptstadt Riad abgefangen und zerstört, wie der staatliche Fernsehsender Al-Echbarija berichtete. Die Rakete sei "von begrenzter Größe" gewesen, Verletzte oder Schäden seien nicht gemeldet worden. Die Huthi-Rebellen reklamierten den Angriff für sich.