„Zwei Schritte nach vorne, einer zurück“

Der Konzernumbau vom Bauunternehmen zum Industriedienstleister ist teurer als geplant. Die Kosten dafür haben Bilfinger in die Verlustzone gedrückt. Doch es gibt auch positive Nachrichten für den kriselnden Konzern.


Der angeschlagene Industriedienstleister Bilfinger hat nach den Worten von Vorstandschef Tom Blades noch einen langen Weg vor sich zu profitablem Wachstum. „Die Strategie greift“, sagte Blades am Dienstag, „aber es geht zwei Schritte nach vorne und einen zurück.“ Doch Baldes betont: „Netto schaffen wir dann immerhin einen Schritt in die richtige Richtung.“

Der Vorstand sei vorsichtig optimistisch - „ich unterstreiche vorsichtig, wir müssen um jeden Schritt nach vorne hart kämpfen.“ Finanzvorstand Klaus Patzak betonte, die nackten Zahlen zeigten, dass es bis zum angekündigten Turnaround noch ein hartes Stück Arbeit sei.

Der Mannheimer Konzern erzielte im dritten Quartal bei einem leicht rückläufigen Umsatz von 998 Millionen Euro wie vor Jahresfrist einen kleinen operativen Gewinn (bereinigtes Ebita) von 21 Millionen Euro. Unter dem Strich fielen noch immer 21 Millionen Euro Verlust an.

Die Anleger bewerteten die Ergebnisse positiv und griffen angesichts des Hoffnungsschimmers am Horizont zu. Die Aktie des kürzlich in den SDax abgestiegenen Konzerns lag mit einem Plus von zeitweise mehr als 6,5 Prozent an der Spitze des Kleinwertesegments. Die Aktie hatte im vergangenen Jahr Höhen und Tiefen erlebt – allerdings auf niedrigem Nieveau.


Bilfinger kämpft seit mittlerweile drei Jahren ums Überleben. Nach mehreren Chefwechseln an der Spitze des Konzerns, der unter Führung des früheren hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch wegen der Energiewende und durch Managementfehler in die Krise geriet, und einer Zerschlagung versucht Blades seit mehr als einem Jahr, das Ruder herumzureißen. Neben dem Rückschlag durch Verlust im Projektgeschäft in den USA in diesem Jahr gebe es auch erste Erfolge, erklärte der Brite. So wuchs der um Konsolidierungs- und Währungseffekte bereinigte Umsatz erstmals seit 13 Quartalen leicht, um drei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Gesamtjahr rechnet Bilfinger noch mit einem Rückgang um weniger als fünf Prozent statt wie bisher mit einem mittleren bis hohen einstelligen prozentualen Minus.


Während das größere Geschäftsfeld Wartung und Anlagenbetrieb (MMO) bereits besser lief, sank der Umsatz mit Ingenieurdiensten (E & T) um zwölf Prozent. Vom steigenden Ölpreis kann der Zulieferer von Ölförderern wie dem norwegischen Statoil-Konzern Blades zufolge erst ab dem zweiten Halbjahr 2018 profitieren. Dann liefen die Termingeschäfte der Ölabnehmer mit niedrigeren Preisen aus, und die Förderer könnten aufgeschobene Instandhaltungsarbeiten nachholen.