Zwei Kinder nach Erdbeben in der Türkei lebend geborgen

Luana Sarmini-Buonaccorsi
·Lesedauer: 2 Min.
Nach 65 Stunden wurde die dreijährige Elif geborgen
Nach 65 Stunden wurde die dreijährige Elif geborgen

Fast drei Tage nach dem schweren Erdbeben in der Ägäis haben Rettungskräfte in der Türkei zwei Kinder lebend aus den Trümmern gerettet. 65 Stunden nach dem Beben zogen sie am Montag ein dreijähriges Mädchen aus einem eingestürzten Haus in Bayrakli, einem Vorort von Izmir. Wenige Stunden zuvor hatten sie bereits eine 14-Jährige gerettet. Die Zahl der Toten liegt mittlerweile bei über 90.

Auf einem von türkischen Medien verbreiteten Video war zu sehen, wie die kleine Elif Perincek unter dem Beifall der Umstehenden aus dem eingestürzten Gebäude geholt, in eine Rettungsdecke gehüllt und in ein Krankenhaus gebracht wurde. "Meine Gebete sind erhört worden, Elif ist wieder bei mir", sagte die Großmutter des Mädchens. Das staatliche Fernsehen zeigte später Bilder der Dreijährigen, die mit einer Puppe in ihrem Krankenhausbett lag und in die Kamera winkte.

Der Feuerwehrmann Muammer Celik, der Elif entdeckt und gerettet hatte, sagte der Nachrichtenagentur AFP, er habe das kleine Mädchen erst für tot gehalten. "Ich habe nach einem Leichensack gefragt. Ich wollte den Staub von ihrem Gesicht wischen und habe meine Hand ausgestreckt - da hat sie plötzlich meinen Daumen gegriffen", berichtete Celik. "Wir sind erstarrt und haben vor Freude geweint."

Ein Foto, auf dem die kleine Elif die Hand des Feuerwehrmanns umklammert, wurde in der Türkei massenhaft in den Online-Netzwerken geteilt. Celik berichtete, das Mädchen habe seine Hand erst losgelassen, als sie in einem Rettungszelt in Sicherheit gewesen sei.

Mit Elif wurden bis Montag 106 Verschüttete lebend aus den Trümmern gerettet. Ihre Mutter und drei Geschwister waren schon vor ihr geborgen worden, allerdings erlag ihr Bruder laut dem Fernsehsender TRT später seinen Verletzungen. 

Wenige Stunden vor der Rettung der Dreijährigen hatten Bergungsteams bereits die 14-jährige Idil Sirian lebend aus den Trümmern eines weiteren Gebäudes in Bayrakli geholt - 58 Stunden nach dem Beben. Ihre Schwester konnten sie nach Informationen der Zeitung "Hürriyet" jedoch nur noch tot bergen.

Das schwere Erdbeben hatte am Freitag den Westen der Türkei und die griechische Insel Samos erschüttert. Nach Angaben der US-Erdbebenwarte USGS lag das Zentrum des Bebens zwischen Samos und der türkischen Provinz Izmir.

Bis Montag stieg die Zahl der Todesopfer nach Angaben der türkischen Katastrophenschutzbehörde auf 91. Auf der griechischen Insel Samos waren zudem zwei Jugendliche von einer einstürzenden Mauer erschlagen worden. Fast tausend Menschen wurden in der Türkei verletzt, von ihnen waren nach Angaben der Behörden mehr als 159 am Montag noch im Krankenhaus. 

Trotz schwindender Hoffnungen setzten die türkischen Bergungsmannschaften auch am Montag ihre Suche nach Überlebenden fort. Nach Angaben der Katastrophenschutzbehörde wurde die Region bis Montagnachmittag von mehr als 1200 Nachbeben erschüttert, darunter 43 mit einer Stärke von über 4.

mid/ck