Anton Schlecker kommt mit Bewährungsstrafe davon

Im Prozess gegen den insolventen Drogeriegründer Anton Schlecker hat das Landgericht Stuttgart eine zweijährige Bewährungsstrafe verhängt. Seine beiden Kinder sollen nach dem Urteil des Gerichts vom Montag hingegen mehrere Jahre ins Gefängnis

Anton Schlecker kommt am Gefängnis gerade noch vorbei: Das Landgericht Stuttgart verurteilte ihn am Montag wegen Bankrotts zu zwei Jahren Haft auf Bewährung ? das höchstmögliche Maß, bei dem ein Verurteilter noch nicht hinter Gitter muss. Seine beiden Kinder Lars und Meike sollen dagegen wegen Insolvenzverschleppung und Betrugs für jeweils mehr als zweieinhalb Jahre hinter Gitter.

Der einstige Besitzer der größten Drogeriemarktkette Europas habe drohender Zahlungsunfähigkeit Vermögen in Millionenhöhe für seine Familie aus dem Unternehmen abgezweigt, urteilten die Richter. Die beiden Kinder Lars und Meike leisteten demnach Beihilfe zum Bankrott des elterlichen Betriebs und trieben die eigene Logistikfirma in die Insolvenz, indem sie Vermögen beiseiteschafften.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Familie Schlecker spätestens Anfang Februar 2011 wusste, dass die Zahlungsunfähigkeit drohte. Insolvenz meldete Schlecker aber erst im Januar 2012 an. Rund 27.000 Angestellte verloren ihre Jobs.

"Alles deutet darauf hin, dass sie ab 2009 bereits damit gerechnet hatten und Vermögen gesichert haben", sagte der Vorsitzende Richter Roderich Martis in seiner Urteilsbegründung. Die Schleckers ließen sich demnach zweistellige Millionenbeträge auszahlen, obwohl die Drogeriemarktkette zu diesem Zeitpunkt nur noch Verluste schrieb. Zudem übertrug Anton Schlecker seine Villa an seine Frau, mit der er Gütertrennung vereinbart hatte. Als eingetragener Kaufmann haftete er mit seinem gesamten Vermögen für sein Unternehmen und musste im Zuge der Pleite Privatinsolvenz anmelden.

Der Logistikfirma seiner Kinder, faktisch ein Tochterunternehmen, zahlte der Firmengründer laut Urteil deutlich überhöhte Stundengelder. "In guten Zeiten wäre das nicht vorwerfbar, in der Krise hätte das aber beendet werden müssen", sagte Richter Martis. Wenige Tage vor dem Insolvenzantrag sicherten sich Meike und Lars Schlecker zudem per Blitzüberweisung sieben Millionen Euro aus dem Vermögen ihrer Firma, obwohl ihnen laut Gericht klar sein musste, dass sie den Betrieb damit überschuldeten.

Das Geld bezahlte die Familie erst 2013 im Rahmen eines Vergleichs mit dem Insolvenzverwalter wieder zurück. Weitere vier Millionen überwies sie Anfang November als "Schadenswiedergutmachung".

"Man weiß nicht, ob die Überweisung von vier Millionen Euro zur Schadensregulierung kurz vor dem Urteil das Gericht im Fall Anton Schlecker milde gestimmt hat", erklärte Verdi-Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger am Montag in Berlin. "Davon bekommt allerdings keine ehemalige Schlecker-Frau einen neuen Arbeitsplatz oder ihr entgangenes Gehalt", kritisierte sie.

Das Urteil gegen Schlecker und seine Kinder Lars und Meike sei die "Antwort des Rechtstaates auf diese Form der Wirtschaftskriminalität und fehlende Unternehmensverantwortung", erklärte Nutzenberger. "Die Wut und die Verbitterung der 27.000 Frauen, die von heute auf morgen auf die Straße gesetzt und ihrer Existenzgrundlage beraubt wurden", habe die jetzt Verurteilten aber nie interessiert.