Zwei Hubschrauber sollen ab Samstag Evakuierungen aus Kabul unterstützen

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Taliban-Patrouille in Kabul

Für die Evakuierungsoperation am Kabuler Flughafen sollen bereits ab Samstag auch zwei leichte Hubschrauber des Typs H145M eingesetzt werden können. Wie ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums am Freitag in Berlin sagte, wurden die Helikopter bereits zum Transport nach Afghanistan verladen. Sie würden das Einsatzgebiet am Freitagabend oder Samtagfrüh erreichen. Diese Maschinen werden normalerweise durch die Bundeswehr-Eliteeinheit KSK eingesetzt.

Generalinspekteur Eberhard Zorn sagte dazu in Berlin, die beiden Hubschrauber würden ab Samstag einsatzbereit sein. Der deutsche Kommandeur der Evakuierungsaktion, Brigadegeneral Jens Arlt, habe die Helikopter in Abstimmung mit US-Militärs angefordert, weil diese nur über schwerere Maschinen verfügten. "Im urbanen Umfeld" werde kleineres Fluggerät gebraucht, sagte Zorn.

Der Generalinspekteur betonte, die Hubschrauber seien für Operationen in Einzelfällen vorgesehen, nicht als eine Art "Taxi-Service" zum Kabuler Flughafen. Sie würden gegebenenfalls von US-Kampfhubschraubern begleitet. In aller Regel müssten Menschen, die ausgeflogen werden wollen, aber weiterhin selbst zum Flughafen kommen.

Der Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte, denkbar seien Einsätze zur Rettung einzelner Menschen aus "Gefahrenlagen" oder deren Abholung von abgelegenen Orten. Die Helikopter sollten insgesamt dafür sorgen, dass die Bundeswehr vor Ort ein "erweitertes Handlungsspektrum" erhalte.

Die kleinen Hubschrauber sind normalerweise für bis zu vier Soldaten vorgesehen. Der Ministeriumssprecher ging davon aus, dass zwei Soldaten auch zwingend an Bord sein müssen - neben dem Piloten ein weiteres Besatzungsmitglied für Koordinationsaufgaben. Dass neben den zwei dann eigentlich noch freien Plätzen noch einzelne weitere Menschen ohne Ausrüstung und Gepäck befördert werden könnten, sei eventuell möglich.

Bis Freitagmittag wurden laut Verteidigungsministerium 1645 Menschen aus 38 Ländern durch Flugzeuge der Bundeswehr ausgeflogen. Neben Deutschen sowie Afghaninnen und Afghanen waren darunter auch mehr als 100 Menschen aus anderen EU-Staaten sowie 160 weitere aus Drittstaaten. Umgekehrt seien mit Flugzeugen anderer Nationen 135 Deutsche sowie von Deutschland benannte Afghaninnen und Afghanen ausgeflogen worden.

Vize-Regierungssprecherin Ulrike Demmer teilte am Freitag mit, in der angespannten Lage in Kabul sei ein Deutscher auf dem Weg zum Flughafen durch Schüsse verletzt worden. Es handele sich dabei um einen Zivilisten. Lebensgefahr bestehe aber nicht. Der Mann solle demnächst aus Kabul aufgeflogen werden. Angaben zu den Hintergründen des Vorfalls gab es zunächst nicht.

Die Lage am Flughafen beschrieb ein Sprecher des Auswärtigen Amts als "weiter extrem chaotisch". Immer wieder gebe es Augenzeugenberichte über Menschen in extrem schwierigen und gefährlichen Situationen. Auch Demmer sprach von einer "extrem volatilen, unberechenbaren" Lage.

Der deutsche Diplomat und Regierungsbeauftragte Markus Potzel verhandelte laut Auswärtigem Amt weiterhin in Doha mit Vertretern der radikalislamischen Taliban. Dabei habe es in ersten Gesprächen "positive Signale" hinsichtlich des freien Zugangs zum Kabuler Flughafen gegeben, sagte der Sprecher.

Potzel habe zudem die Taliban aufgefordert, ihren verbalen Bekenntnissen zu Menschenrechten und Medienfreiheit Taten folgen zu lassen. Er habe ihnen gegenüber dabei auch auf Berichte verwiesen, die daran zweifeln ließen.

bk/cne

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