Das Zwei-Grad-Klimaziel im Depot

Spätestens seit der Pariser Klimakonferenz und dem Ziel einer Begrenzung der globalen Erwärmung rücken Regularien zum Klimaschutz in den Fokus von institutionellen Anlegern – nun kommt ein neues Konzept auf den Markt.


Wie können Anleger auf Rendite setzen und zugleich etwas für Gesellschaft und Umwelt tun? Bekannte Ansätze sind, bestimmte Sektoren und Firmen auszuschließen, bewusst auf saubere Betriebe zu setzen oder Manager zum Umdenken zu bringen. Nun kommt ein neues Konzept auf den Markt: Der Vermögensverwalter Globalance Invest bietet nach eigener Aussage weltweit die ersten Anlagestrategien, die im Einklang mit dem Zwei-Grad-Klimaziel der Vereinten Nationen (Uno) stehen. Experten finden den Ansatz interessant.

„Mit einem Zwei-Grad-Klimaportfolio können Anleger Klimarisiken adressieren und die damit verbundenen Renditechancen wahrnehmen“, betont Reto Ringger, Leiter des Anlageausschusses von Globalance Invest, einer Kooperation der Schweizer Globalance Bank und der Bank Donner & Reuschel, dem Handelsblatt. Ringger gründete vor der Globalance Bank den Schweizer Vermögensverwalter SAM und entwickelte Nachhaltigkeitsindizes. In der neuen Strategie setzt er auf Aktien, Firmenbonds und davon unabhängige Anlagen wie Mikrofinanzfonds, Infrastrukturanlagen und Versicherungsverbriefungen.


Da „zukunftsgerichtete“ Firmen besondere Wachstumsaussichten hätten, will er längerfristig mit dem Aktienanteil „besser als der Weltaktienindex MSCI World“ abschneiden. Globalance Invest ist seit Juni am deutschen Markt und setzt in der Vermögensverwaltung auf Firmen, die mit ihrem Geschäft die Gesellschaft fördern und die Umwelt schützen.

Dies misst Ringger mit einem sogenannten „Footprint“, den Investoren für ihre Anlage online einsehen können. Ab 750.000 Euro Anlagekapital bietet das Haus eine Vermögensverwaltung mit drei Strategien mit unterschiedlicher Aktienquote an. Für kleinere Anlagesummen gibt es einen Aktienfonds. Mit Blick auf das Klimaziel investiert Globalance in Firmen der Sparten Mobilität, Speicherung und Energiegewinnung ohne fossile Brennstoffe. Beispiele sind Equinix, ein US-Anbieter für energieeffiziente Speicherlösungen und Rechenzentren, und die chinesischen E-Autohersteller BYD und Geely.


China sei spannend für Investoren, sagt Ringger: Das Land habe hohen Bedarf an saubererer Technologie angesichts der Luftverschmutzung. Zugleich sei die Industrie oft relativ fortschrittlich, weil sich „alte“ Technologie dort weniger etabliert habe. Die Firmen in dieser Strategie stoßen im Durchschnitt 40 Prozent weniger Kohlenstoffdioxid aus als Unternehmen des Weltaktienindexes MSCI World. Damit erfüllten sie die klimapolitische Vorgabe für das Uno-Ziel. Zwei Analysehäuser überprüfen die Einhaltung des Ziels.

Experten schätzen den neuen Ansatz. Als „explizit zukunftsgerichtet“, bewertet Matthias Kopp, Finanzspezialist bei der Umweltschutzorganisation WWF, die Strategie. Die Ansätze zu prüfen, in welchen Industrien und Firmen sich das Klimaziel festmachen lasse, gehörten zu den besten am Markt, meint er.