Eine Zwangspause beim Wechsel vom Vorstand in den Aufsichtsrat ist sinnvoll

Das sogenannte Cooling-off vor dem Wechsel des Konzernchefs in den Aufsichtsrat ist angemessen. Denn ein ehemaliger Vorstand ist nie ganz unabhängig.


Sind Wartezeiten beim Wechsel vom Vorstand in den Aufsichtsrat eines Unternehmens von Nachteil für die Unternehmen? Diese Frage lässt sich nicht wirklich beantworten. Das neudeutsch „Cooling-off“ genannte Pausieren, das der deutsche Gesetzgeber auf zwei Jahre festgelegt hat, ist in der Regel von Vorteil, manchmal aber auch von Nachteil. Und deshalb, sagen die Kritiker, sollte es abgeschafft werden.

Es ist allerdings besser, den umgekehrten Schluss zu ziehen. Weil es nämlich auch von großem Nachteil sein kann, wenn der Ex-Chef seinen Nachfolger auf dem Posten des Vorstandsvorsitzenden kontrolliert, ist die Zwangspause notwendig und richtig. Der Verlust an intimer Kenntnis des zu überwachenden Unternehmens wiegt weit weniger als das Risiko, dass der eine Chef (im Aufsichtsrat) den anderen Chef (im Vorstand) daran hindert, das zu tun, was er für notwendig hält.

Die einzig wahre Antwort gibt es ohnehin nicht. Es bleibt eine Frage der Überzeugung.

Die aktuelle Debatte um die Unabhängigkeit von Aufsichtsräten könnte aber helfen, einen Schlussstrich unter die andauernde Diskussion um das Für und Wider zu ziehen. Denn: Ein ehemaliger Vorstand ist nie ganz unabhängig. Nicht weil er noch Pensionsansprüche gegen die Gesellschaft haben dürfte. Die Abhängigkeit beruht schlicht auf der Tatsache, dass seine aktive Zeit im Vorstand des Unternehmens nachwirkt. Und damit auch die mögliche Verantwortung.


Man muss gar nicht den Fall VW aufrufen, um das deutlich zu machen. Dort kontrolliert jetzt der ehemalige Finanzchef, der möglicherweise in den Dieselskandal verwickelt ist. Auch Kartellvergehen haben solche Nachwirkungen. Vorstände sind mit dem Ruhestand ja nicht aus der juristischen Verantwortung. Ihr Interesse aufzuklären kann nie so groß sein wie das eines wirklich unabhängigen Aufsichtsrats. Zwei Jahre Zwangspause schaden auf keinen Fall. Wenn schon unabhängig, dann auch konsequent.