Zverev lässt Kohlschreiber keine Chance

Alexander Zverev steht in der nächsten Runde

Die Wachablösung im deutschen Tennis ist längst vollzogen, doch auf dem ostwestfälischen Rasen in Halle untermauerte Jungstar Alexander Zverev seine Ausnahmestellung erneut eindrucksvoll.

Beim 6:3, 6:4 ließ Zverev in nur 64 Minuten seinem Davis-Cup-Kollegen Philipp Kohlschreiber kaum eine Chance und zog nach dem ersten Sieg im dritten Duell mit der langjährigen deutschen Nummer eins ins Viertelfinale der Gerry Weber Open ein.

Dort trifft Zverev am Freitag auf den Spanier Roberto Bautista Agut, der Dustin Brown mit 6:4, 1:6, 7:6 (8:6) aus dem Turnier warf und damit für viel Frust beim Deutsch-Jamaikaner sorgte. "Geh doch zum Fußball, Du Depp", herrschte Brown nach dem Match einen Journalisten an, der ihn zuvor wegen einer knappen Antwort als "Kindskopf" bezeichnet hatte. 

Zverev im und nach Spiel souverän

Ein Kindskopf - zumindest auf dem Platz und im Vergleich zu heute - war Zverev bei seinen ersten Aufeinandertreffen mit Kohlschreiber gewesen. 2015 unterlag er, gerade volljährig geworden, dem Augsburger beim Sandplatzturnier in München und bei den US Open in New York.

Zwei Jahre später haben sich die Kräfteverhältnisse im deutschen Tennis verschoben, dabei liest sich das Ergebnis in Halle noch knapper, als der Spielverlauf tatsächlich war. Keinen einzigen Breakball ließ Zverev zu, Kohlschreiber musste dagegen ständig gegen den Verlust seines Aufschlags kämpfen. Die Zuschauer im Gerry Weber Stadion wollten mehr von dem deutschen Duell sehen, doch Zverev blieb eiskalt und sagte später brav: "Trotz des Ergebnisses war es sehr schwer." 

Kohlschreiber erkannte die "Dominanz" seines Gegners vor allem bei dessen Aufschlägen an: "Er entwickelt sich stetig weiter, heute hat er kaum etwas zugelassen."

"Einfacher wird es nicht"

Zverev ist die Nummer zwölf der Welt, Kohlschreiber wird als 56. so schlecht wie seit mehr als zehn Jahren nicht mehr geführt.

Mit 20 Jahren hat Zverev bereits ein Masters-Turnier gewonnen und stand kurzzeitig in den Top 10 - zwei Ziele, die sich Kohlschreiber (33) in seiner langen und ebenfalls erfolgreichen Karriere nie hat erfüllen können. Eines hat Kohlschreiber dem 13 Jahre jüngeren Zverev jedoch (noch) voraus: Den Titel beim Heimturnier in Halle. Kohlschreiber hatte 2011 bei den Gerry Weber Open triumphiert, Zverev scheiterte im vergangenen Jahr im Finale an Florian Mayer.

"Noch ist es zu früh, ans Endspiel zu denken", sagte Zverev: "Es warten noch schwere Gegner. Einfacher wird es nicht."

Auch nicht für seinen Bruder Mischa, der am Donnerstag auf den topgesetzten Rekordchampion Roger Federer (Schweiz) trifft. Zuvor spielt bereits Mayer um den Einzug ins Viertelfinale. Der Rasenspezialist bekommt es mit Lucas Pouille aus Frankreich zu tun, der in der vergangenen Woche in Stuttgart triumphiert hatte.

Ein Anwärter auf den Titel ist derweil bereits ausgeschieden: Der Österreicher Dominic Thiem, Nummer zwei der Setzliste und zuletzt Halbfinalist der French Open in Paris, unterlag dem Niederländer Robin Haase im Achtelfinale 3:6, 6:7 (7:9). Haase spielt am Freitag gegen Richard Gasquet aus Frankreich um den Einzug ins Halbfinale.