Vom Zuschauer zum Regisseur: Netflix startet interaktive Inhalte

Nikolas Kessler
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Bereits vor einigen Monaten hatte Netflix angekündigt, dass die Nutzer bald selbst den Handlungsverlauf bestimmter Serien und Filme bestimmen können. Seit dieser Woche ist nun die erste interaktive Episode online. Dass es sich dabei um ein Programm für Kinder handelt, ist kein Zufall.

Sind die Bären Freunde oder Feinde? Kämpfen oder lieber abhauen? An bestimmten Stellen von „Der gestiefelte Kater und das magische Buch“ kann der Zuschauer selbst bestimmen, wie die Handlung weiter geht. Mit dem Animationsfilm, der seit dieser Woche weltweit verfügbar ist, hat Netflix den ersten Schritt hin zu interaktiven Inhalten gewagt. Mit „Buddy Thunderstruck: Die einzig wahre Idee“ und „Stretch Armstrong: The Breakout“ sollen am 14. Juli beziehungsweise im nächsten Jahr zwei weitere interaktive Titel erscheinen.

Möglich ist der interaktive Streaming-Spaß bisher auf neueren Smart-TVs und Spielkonsolen sowie über die iOS-Apps. Via Desktop, Chromecast oder Android-App gibt es aus technischen Gründen zunächst nur die lineare Version zu sehen.

Kinder als Zielgruppe

Das Netflix das neue Feature zuerst im Kinderprogramm anbietet, hat nach Unternehmensangaben einfache Gründe: Zum einen würden Kinder gerne mit ihren Lieblingscharakteren spielen und hätten von Natur aus den Drang, den Bildschirm zu berühren oder mit den Figuren auf dem Bildschirm zu reden, so Carla Engelbrecht Fisher, Director of Product Innovation.

Bei vorherigen Befragungen hätten Eltern zudem positives Feedback gegeben und die Möglichkeit begrüßt, dass sie oder ihre Kinder die Handlung selbst beeinflussen können. Und abgesehen davon: Mit der Kundenbindung kann man nicht früh genug anfangen.

Größere Freiheiten

Neben den Wahlmöglichkeiten für die Zuschauer biete das neue Format auch den Film- und Serienschöpfern mehr kreative Freiheit, um vielschichtige und komplexe Geschichten zu erzählen. Darüber hinaus ist es für Netflix auch spannend zu sehen, für welche Handlungsverläufe sich die Abonnenten entscheiden, wenn sie die Geschichte selbst in der Hand haben und ob der gleiche Titel mehrmals mit unterschiedlichen Handlungssträngen angeschaut wird. Denn neben dem Content ist auch Big Data ein riesiges Thema für den Streaming-Dienst.

Nettes Gimmick oder Fernsehen der Zukunft?

Ob sich die interaktiven Elemente durchsetzen werden oder die Nutzer letztlich zu bequem sind und sich lieber einfach berieseln lassen wollen, wird die Zukunft zeigen. Netflix jedenfalls beweist mit dem Experiment wieder einmal, dass man sich auf dem bisher Erreichten nicht ausruht und weiter alles daran setzt, die Zukunft des Entertainments mitzugestalten. Bewertung und Kurs der Aktie sind hoch – keine Frage. Der jüngste Rücksetzer vom Allzeithoch ist nach Einschätzung des AKTIONÄR aber eine klare Kaufchance.

Mehr zu Netflix und den übrigen FANG-Aktien lesen Sie auch in der aktuellen Ausgabe 26/2017 des AKTIONÄR.