Zusammenrücken, um zu sparen


Deutschlands größte Sendergruppe rückt enger zusammen: Statt vier werde es künftig nur noch drei Sparten geben, teilte Pro Sieben Sat 1 an diesem Donnerstag mit. In der neuen, sogenannten Entertainment-Division bündelt Vorstandschef Thomas Ebeling die bislang getrennten TV-Sender sowie Digitalangebote wie die Online-Videothek Maxdome. So soll es gelingen, die Inhalte des Konzerns besser über alle Verbreitungswege anzubieten. Vor allem aber sollen die Kosten bis 2020 um jährlich 50 Millionen Euro sinken.

Damit nicht genug: Ebeling kündigte zudem an, Partner für den Online-Handel zu suchen. Zum Konzern gehören unter anderem das Vergleichsportal Verivox und die Partnervermittlung Parship. Es werde bereits mit Investoren über eine Minderheitsbeteiligung gesprochen, so Pro Sieben Sat 1. Ziel sei es, das Portfolio auszubauen und schneller zu wachsen. Abschlüsse seien vermutlich im zweiten Quartal 2018 zu erwarten.

Die Börse reagierte ausgesprochen positiv auf die Pläne. Mit einem Kursplus von knapp drei Prozent war Pro Sieben Sat 1 am Donnerstag der mit Abstand größte Gewinner im Dax. Die Ankündigungen des Medienkonzerns dürften die strukturellen und nicht gerechtfertigten Bedenken einiger Investoren mildern, urteilte Daniel Kerven von JP Morgan. Der Analyst verwies dabei unter anderem auf geplante Kostensenkungen und mittelfristige Ziele, die für ein in der Medienbranche außerordentliches Wachstum sprächen - bei einer günstigen Aktienbewertung.


Ebeling selbst wird die Verträge mit neuen Partnern wahrscheinlich nicht mehr unterschreiben. Der Manager hat jüngst angekündigt, dass er nach der Bilanzpräsentation Ende Februar vorzeitig aufhört. Dieser Entscheidung waren turbulente Wochen vorangegangen.

Erst musste der Konzernlenker die Prognose zurücknehmen, dann verunglimpfte er seine Zuschauer in einer Telefonkonferenz mit Analysten. So hatte Ebeling in dem Analystengespräch zur Veröffentlichung der Quartalszahlen am 9. November eine der Kernzielgruppen der Senderkette als „Menschen, ein bisschen fettleibig und ein bisschen arm, die immer noch gerne auf dem Sofa sitzen, sich zurücklehnen und gerne unterhalten werden wollen“, bezeichnet. Letztlich war er dann nicht mehr zu halten.


Dass Vorstandschef Ebeling Anfang 2018 aufhört, nahmen viele Anleger in den vergangenen Wochen erleichtert zur Kenntnis, der Aktienkurs stieg. Zudem tauchten zuletzt Gerüchte auf, die Gruppe könne vom US-Kabelkonzern Comcast geschluckt werden. Dafür gab es jedoch keine Bestätigung.


„Entertainment“ wird größter Bereich


Ebeling selbst sieht Pro Sieben Sat 1 durch die Neuorganisation auf einem guten Weg. „Mit der Drei-Säulen-Strategie stellen wir Pro Sieben Sat 1 auch für die Zukunft wettbewerbsfähig auf, stärken die Gruppe für weiteres Wachstum und schaffen zusätzlichen Wert für Mitarbeiter und Aktionäre“, sagte der Unternehmenslenker am Donnerstag. Um die künftige Ausrichtung vorzustellen, hat Pro Sieben Sat 1 Analysten und Investoren in die Zentrale nach Unterföhring eingeladen.

Aufsichtsratschef Werner Brandt betonte in einer kurzen Rede, dass das Kontrollgremium voll hinter der Neuausrichtung stehe. „Diese Strategie wird die Wettbewerbsfähigkeit stärken“, sagte der ehemalige SAP-Finanzchef.


Ebeling kündigte an, dass der Umsatz künftig jährlich um etwa fünf Prozent klettern soll. Im Vergleich zu 2017 ergebe das bis 2022 ein Umsatzplus von einer Milliarde Euro. Gleichzeitig bestätigte der Manager die Jahresprognose für 2017. Demnach soll der Umsatz dieses Jahr um etwa fünf Prozent klettern und der Gewinn leicht über dem Vorjahreswert liegen.

Größter Bereich ist künftig „Entertainment“. Die Sparte wäre in den letzten zwölf Monaten auf Erlöse von knapp 2,7 Milliarden Euro gekommen. Nummer zwei ist der Online-Handel mit Einnahmen von gut 700 Millionen Euro. An Rang drei steht der Bereich „Content Production & Global Sales“, in dem die TV- und Filmproduktion zusammengeführt wird mit dem Youtube-Vermarkter Studio 71. Diese Sparte hätte 570 Millionen Euro Umsatz erreicht. Auch für diese Division würde geprüft, Partner an Bord zu holen.

Pro Sieben Sat 1 tut gut daran, Analysten und Investoren für sich zu gewinnen. Seit Jahresanfang hat die Aktie rund ein Viertel an Wert verloren. Der Wandel in den Fernsehgewohnheiten macht der Senderkette zunehmend zu schaffen. Vor allem junge Menschen sind nicht mehr so stark auf das klassische Fernsehen ausgerichtet, das drückt die Werbeeinnahmen. So stammt zwar mehr als die Hälfte vom Umsatz aus neuen Geschäftsbereichen. Doch der Gewinn stammt noch immer größtenteils aus dem TV.

Vor den Investoren gab sich der scheidende Chef Ebeling kämpferisch. Das Fernsehen sei stärker, als viele annehmen würden, unterstrich der 58-Jährige. Dass ihn die Aktienkursentwicklung enttäusche, das verhehlte er nicht. Gleichwohl, die Zeit des studierten Psychologen bei dem Medienkonzern geht zu Ende. Es wird womöglich nicht mehr lange dauern, ehe sein Nachfolger verkündet wird. Es gebe Fortschritte bei der Suche, sagte Aufsichtsratschef Brandt. Wer auch immer auf dem Chefsessel in Unterföhring Platz nimmt, er habe viele Gestaltungsmöglichkeiten, so Brandt: Der neue CEO komme schließlich in einer frühen Phase der neuen Strategie.