Zurück aus der Sommerpause: Im Ösi-Tatort bricht das Ebola-Virus aus

Die Kommissare Bibi Fellner und Moritz Eisner lassen sich vom Gerichtsmediziner die Leiche zeigen. (ARD Degeto/ORF/Epo Film/Hubert Mican)

Der Titel lässt auf einen Thriller im Stile eines Michael Crichton oder Frank Schätzing hoffen: „Virus“! So spannend wie deren Geschichten war der Tatort am ersten Sonntag nach der Sommerpause aber leider nicht. Stattdessen bekam der Zuschauer die Moralismus-Keule zu spüren.

Gute Krimis haben mit der Realität meist wenig zu tun. Kein echter Kommissar ermittelt so clever wie Columbo, kein Ermittler ist in Wahrheit so kaputt wie der vom norwegischen Erfolgsautor Jo Nesbø erschaffene Alkoholiker Harry Hole. Vermutlich ist das auch der Grund, warum unzählige Menschen jeden Sonntagabend über einen lauwarmen Tatort lamentieren. Zu viel Realität, zu wenig Fiktion!

Beim ersten Tatort nach der Sommerpause ging es in die oststeirische Provinz. Das Ermittler-Duo Fellner und Eisner, gespielt von Adele Neuhauser und Harald Krassnitzer, bekam es mit einem höchst ansteckenden Fall zu tun. In einem Steinbruch wurde die Leiche eines Mannes entdeckt, der aus Guinea stammt und, wie sich später herausstellt, mit dem Ebola-Virus infiziert war.

Der Betreiber eines „Fluchthofs“ und eine Asylsuchende beobachten die Ankunft der Kriminalbeamten. (ARD Degeto/ORF/Epo Film/Hubert Mican)

Und da ein Tatort nur ein echter Tatort ist, wenn Moral und Zeitgeist ihren Platz darin finden, wird der Tote auch für eine Nachhilfestunde in Sachen Rassismus instrumentalisiert. So ereifern sich die Stammtischgäste in der Dorfkneipe über die Zugereisten, die nur Probleme ins Land bringen. Ein Schelm, wer hier eine Anspielung auf die aktuelle Flüchtlingskrise erkennen will.

Anders als erwartet, behalten im aktuellen Österreich-Tatort aber genau jene Stammtischkauze mit ihrem Gegeifer Recht: Beim toten Mann aus Guinea handelt es sich nämlich um einen desillusionierten Arzt, der sich in Afrika mit dem Virus angesteckt hatte, nach Österreich reiste und dort so viele Menschen wie möglich mit dem Virus infizieren wollte. Der Fall hat selbst nach seiner Aufklärung noch Konsequenzen für Fellner und Eisner:  Beide müssen in Quarantäne gebracht werden.

Fazit: Ein klassischer Tatort, der mehr aufklären als unterhalten möchte, dafür aber mit einiger Verzögerung ausgestrahlt wird. Drei Jahre zu spät wird die Ebola-Epidemie abgehandelt, die sich 2014 in mehreren westafrikanischen Ländern ausbreitete. Zwei Jahre zu spät der Höhepunkt der Flüchtlingskrise, als im September 2015 tausende Asylsuchende auf dem Budapester Bahnhof gestrandet waren.