Zurück in die Zukunft: Start-Reform auf dem Prüfstand

Stefan Schnürle

Die große Show vor dem Start des Großen Preis der USA am vergangenen Wochenende soll nur der Anfang gewesen sein: Der neue Formel-1-Besitzer Liberty Media will die Königsklasse wieder zu einem richtigen Spektakel machen.


Eine Aufsehen erregende Neuerung könnte dabei die Startphase betreffen. Einem Bericht der Bild zufolge wünscht sich der US-Medienriese eine komplette Änderung der Startaufstellung.

SPORT1 erklärt, wie die neue Positionierung aussehen soll und analysiert Vor- und Nachteile dieser möglichen Änderung sowie ihre Durchführbarkeit.

Wie soll der Start in der Zukunft aussehen?

Der Plan sieht vor, dass aus jeder Startreihe entweder zwei oder drei Autos starten. Bisher waren die Autos in Zweierreihen im Acht-Meter-Abstand versetzt zueinander gestanden.

Nach dem Wunsch der Formel-1-Macher stehen dann in der ersten Reihe drei Wagen, in der zweiten folgen zwei Boliden. Ab Reihe drei wären dann immer abwechselnd drei bzw. zwei Autos aufgestellt. 

Vorbilder könnten das legendäre Indy500 und die MotoGP sein, bei denen ebenfalls in Dreierreihen gestartet wird. Allerdings wird beim Indy500 fliegend gestartet und in der MotoGP sind die Motorräder natürlich deutlich platzsparender.

Wären Dreierreihen ein Novum in der Formel 1?

Keineswegs – in den Anfangszeiten der Formel 1 bis in die frühen 70er-Jahre starteten drei oder sogar noch mehr Autos unmittelbar nebeneinander aus einer Reihe.

Das hatte teils zwar spektakuläre Starts, aber auch schwere Unfälle zur Folge, weshalb die Startaufstellung aus Sicherheitsgründen geändert wurde.


Dass die Fahrer unmittelbar nebeneinander starten, wurde einige Jahre später ebenfalls abgeschafft, um die Unfallgefahr zu verringern. Seitdem starten die Piloten versetzt zueinander. 

Was versprechen sich die F1-Macher davon?

Ganz klar: mehr Spannung und mehr Action für die Rennsport-Fans.

Zuletzt war es so, dass in einer überwältigenden Mehrheit der Fälle auch eins der beiden aus Startreihe eins gestarteten Autos als Führender in die erste Kurve einbog.

Da die beiden Boliden in Reihe zwei zudem versetzt in den Lücken zwischen den drei Wagen in Reihe eins losfahren sollen, erhoffen sich die Bosse von Liberty Media offenbar einen Fünfkampf um Platz eins am Start.

Was spricht gegen eine Änderung?

Einiges - an dem Kriterium Sicherheit hat sich zum Beispiel wenig geändert. Zwar gehen eventuelle Startunfälle meist glimpflich aus – aber für die Teams wäre es nicht nur ein sportlicher, sondern auch finanzieller Alptraum, wenn in steigender Häufigkeit eines ihrer Autos nach Kurve eins aufgeben müsste.

Fraglich ist auch, ob es wirklich so viel mehr Überholmanöver geben würde. Verschläft ein Fahrer in Reihe eins nicht komplett den Start, gibt es für Fahrer in Reihe zwei kaum eine Möglichkeit, an den drei Autos an der Spitze vorbeizukommen – dazu sind viele Strecken einfach zu eng.

Womit schon der dritte Punkt angerissen wäre, die Durchführbarkeit. Auf Strecken wie in Monaco oder Singapur müsste man die Autos schon beinahe stapeln, damit dort drei Autos nebeneinander stehen und losfahren könnten.

Wie realistisch ist eine Umsetzung?

Vor 2020 wird dieser Vorschlag sehr wahrscheinlich keine Chance haben. Denn bis dahin ist vertraglich festgehalten, dass die Teams bei solchen Änderungen ein Mitspracherecht besitzen.

Nur bei einer Mehrheit unter den zehn Teams könnte die neue Startaufstellung in Kraft treten. Diese zu erreichen, ist Stand jetzt aber wohl ausgeschlossen.

Die Teams sollen gegen den Plan sein, da die Unfallgefahr auf vielen Strecken und deren engen ersten Kurven viel zu hoch sei.