Zurück in die Zukunft: In dieser Fabrik sollen mit den originalen Werkzeugen und Teilen neue DeLorean gebaut werden

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Die umlackierte Edelstahlkarosserie und die Flügeltüren machen den Charme des Kultautos aus.
Die umlackierte Edelstahlkarosserie und die Flügeltüren machen den Charme des Kultautos aus.

Neben dem "tollen Käfer" Herbie und David Hasselhoffs "KITT" gibt es wohl kein berühmteres Filmauto als den DeLorean DMC-12. Das futuristische Coupé spielte schließlich eine der Hauptrollen in der Kult-Filmreihe "Zurück in die Zukunft" und beamte Marty McFly und Doc Brown durch Raum und Zeit. Die kantige Karosserie aus gebürstetem Stahl und die charakteristischen Flügeltüren haben sich in den Achtzigerjahren in das Gedächtnis einer ganzen Generation gebrannt.

Ein Skandal beschleunigte das Ende des Autobauers

Heutzutage hat der DMC-12 Kult-Status, auch wenn das Auto in der Realität natürlich ohne einen Fluxkompensator auskommen muss – die Technik, die die Zeitreisen in der Handlung des Hollywood-Films "Zurück in die Zukunft" erst möglich machte. Als 1985 der erste Teil der Trilogie in die Kinos kam, war das Image des Coupés jedoch mehr als ramponiert. Der Markengründer und Chef John Zachary DeLorean war nämlich rund drei Jahre zuvor verhaftet worden, weil er von einem Agenten der US-Drogenfahndung in einen vorgetäuschten Drogendeal verwickelt wurde.

Der Automanager argumentierte jedoch vor Gericht, dass er von der amerikanischen Anti-Drogen-Behörde erst dazu angestiftet worden sei, die Drogen zu kaufen. Letzten Endes wurde DeLorean freigesprochen, der Skandal versetzte seiner 1975 ins Leben gerufenen und finanziell ohnehin schon angeschlagenen Autofirma trotzdem endgültig den Todesstoß. In Großbritannien, dem Sitz und Produktionsland der DeLorean Motor Company, drohte ihm noch dazu ein Verfahren wegen Veruntreuung, weshalb er schließlich doch noch im Gefängnis landete.

John DeLorean hatte unter anderem bei General Motors Karriere gemacht, bevor er sein Herzensprojekt verwirklichte. Seine Frau Cristina Ferrare war ebenfalls sichtlich stolz auf den neuen Zweisitzer.
John DeLorean hatte unter anderem bei General Motors Karriere gemacht, bevor er sein Herzensprojekt verwirklichte. Seine Frau Cristina Ferrare war ebenfalls sichtlich stolz auf den neuen Zweisitzer.

Die imageschädigenden Medienberichte über John DeLorean waren aber mitnichten der einzige Grund für das Scheitern des DMC-12. Der 1,3 Tonnen schwere "Sportwagen" war schlicht untermotorisiert und seine eher unterdurchschnittlichen Fahrleistungen passten einfach nicht zu seiner schnittigen Hülle. Hinter den Sitzen war ein 2,8 Liter großer V6-Motor verbaut, der von Peugeot, Renault und Volvo gemeinsam für die Oberklasse der jeweiligen Marken entwickelt wurde.

Der V6 war zu schwach für einen Sportwagen

Die Topmodelle Peugeot 604, Renault 30 und Volvo 262 C mochten mit dem Sechszylinder ausreichend temperamentvoll motorisiert gewesen sein, für einen Sportwagen waren die 132 PS der Katalysator-Version jedoch eindeutig zu brav. Der DMC-12 schaffte mit Ach und Krach 200 km/h in der Spitze und benötigte ganze elf Sekunden, um das Landstraßentempo zu erreichen.

Die meisten Konkurrenten leisteten über 200 PS und hatten deutlich weniger auf den Rippen. So konnte sich DeLoreans Herzensprojekt, das zudem unter einigen Qualitätsproblemen litt, auf dem umkämpften Sportwagenmarkt kaum behaupten. In den beiden Produktionsjahren 1981 und 1982 liefen rund 9.000 Exemplare des Coupés vom Band.

In Texas wird das Erbe der Marke gepflegt

Nachdem die von der britischen Regierung bezuschusste und eigens errichtete Fabrik im wirtschaftlich schwachen Nordirland nach nicht einmal zwei Jahren wieder geschlossen wurde, wurden die Produktionsanlagen, sowie alle bereits produzierten Teile in die USA verschifft. Der englische DeLorean-Fan und Mechaniker Stephen Wynne hat schon das gesamte Inventar des liquidierten Autobauers erworben und in eine texanische Fabrikhalle verfrachtet.

Dort warten und restaurieren er und sein Team nicht nur Kundenfahrzeuge, sondern betreiben auch einen Ersatzteilhandel. Teilweise handelt es sich bei den technischen Komponenten um Originalteile. Wynne lässt aber auch einiges nachfertigen. Da er auch die Namensrechte seiner Lieblingsmarke erwerben konnte, heißt sein Unternehmen passenderweise wie das Original aus den frühen Achtzigern: DeLorean Motor Company.

Die Neuauflage soll einen stärkeren Motor bekommen

Somit hat er die perfekten Grundvoraussetzungen, um den zahlreichen Markenfans einen großen Traum zu erfüllen. Die Produktion des Kultautos in einer Kleinserie wieder aufzunehmen. Genau dies hat der neue DeLorean-Chef schon vier einigen Jahren angekündigt. Durch eine Gesetzesänderung können Kleinsthersteller in den USA seit einer Weile auch Autos anbieten, die nicht den aktuellen Zulassungsbestimmungen entsprechen. Nur dank dieser Anpassung kann das Projekt überhaupt realisiert werden. Der 40 Jahre alte DMC-12 ist in Sachen Sicherheit und bei den Abgaswerten schließlich schon lange nicht mehr auf der Höhe der Zeit.

Laut dem Inhaber Wynne müssen für die neuen Exemplare nur wenige Teile nachgefertigt werden, bei 80 Prozent der benötigten Teile können die Texaner auf den Altbestand zurückgreifen. Der größte Makel des Ur-Modells soll bei der Wiedergeburt natürlich ausgemerzt werden: Statt des braven PRV-Motors sollen die neuen Exemplare einen modernen Sechs- oder Achtzylinder mit voraussichtlich über 300 PS bekommen.

Angesichts des aktuellen Zeitgeists und dem futuristischen Charakter des Modells würde aber auch ein Elektroantrieb durchaus Sinn machen. Mit einer Schwemme an neuen DMC-12 ist aber nicht zu rechnen, die DeLorean Motor Company möchte pro Monat nur ein Auto bauen.

Ein neues Lebenszeichen nach fünf Jahren

Seit Herbst 2016 kann man die voraussichtlich rund 100.000 Dollar teure Neuauflage auf der firmeneigenen Website vorbestellen. 2017 hätten die ersten Exemplare an die erwartungsvollen Kunden übergeben werden sollen. Seitdem war es um das Projekt jedoch etwas still geworden.

Bis jetzt: Ende August wurde auf dem YouTube-Kanal des kalifornischen "Petersen Automotive Museum" jedoch ein neues Video hochgeladen, in dem der Firmenchef eine interessante Werkstour gibt und nochmals bekräftigt, dass bald neue DeLorean vom Band laufen sollen. Ob es wirklich dazu kommen wird, bleibt abzuwarten. Fakt ist aber, dass der von dem italienischen Designstudio ItalDesign (Giugiaro) gezeichnete DMC-12 auch 40 Jahre nach seinem Debüt immer noch modern sowie zeitlos wirkt und im Jahr 2022 nicht fehl am Platz wirken würde.

https://www.youtube.com/watch?v=pREXdf7Iap0

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