Zunahme der Kinderlosigkeit in Deutschland nach drei Jahrzehnten gestoppt

Zunahme der Kinderlosigkeit in Deutschland gestoppt

Die jahrezehntelange Zunahme der Kinderlosigkeit in Deutschland ist gestoppt. Der Anteil der Frauen ohne Kinder ist in den vergangenen Jahren nicht weiter gestiegen, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Mittwoch unter Berufung auf Daten des Mikrozensus mitteilte. Vor allem Akademikerinnen bekommen heute wieder häufiger Kinder.

Über 30 Jahre hinweg hatte die Kinderlosigkeit in Deutschland kontinuierlich zugenommen und sich von elf Prozent bei den 1937 geborenen Frauen bis auf 21 Prozent beim Jahrgang 1967 nahezu verdoppelt. Seit einigen Jahren beobachten die Statistiker nunmehr eine Stabilisierung.

Die Kinderlosenquote habe sich bei den Frauen der Jahrgänge 1967 bis 1974 "zwischen 20 und 21 Prozent verfestigt", erklärte Georg Thiel, Vizepräsident des Statistischen Bundesamtes. Die Behörde sieht darin nicht nur eine Folge der Zuwanderung, sondern auch positive Effekte durch den Ausbau der Kinderbetreuung.

Bei den Akademikerinnen sei die Kinderlosigkeit in den vergangenen Jahren sogar zurückgegangen, erklärte Thiel. Unter den 40- bis 44-jährigen Akademikerinnen hatte 2016 jede vierte keine Kinder, was immer noch vergleichsweise viel ist. Mit 25 Prozent war ihr Anteil damit aber um drei Prozentpunkte geringer als noch 2012 mit 28 Prozent.

Akademisch gebildete Frauen kehren inzwischen schneller in den Beruf zurück und arbeiten häufiger Vollzeit als noch vor acht Jahren. Demnach arbeitete 2016 mit 58 Prozent deutlich mehr als die Hälfte der Akademikerinnen wieder, sobald das jüngste Kind ein Jahr alt war. 2008 waren das erst 54 Prozent.

Zu dieser Entwicklung trug der Statistikbehörde zufolge nicht zuletzt die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie bei. Ein Indiz dafür sei auch die Zunahme bei der Erwerbstätigkeit von Müttern mit Kleinkindern. Binnen acht Jahren stieg der Anteil der erwerbstätigen Frauen mit einem einjährigen Kind demnach von 36 Prozent im Jahr 2008 auf heute 44 Prozent. Ist das jüngste Kind zwei Jahre alt, gehen bereits 58 Prozent der Mütter wieder arbeiten - 2008 waren dies erst 46 Prozent.

Es gibt aber nach wie vor auch negative Trends: So steigt der Anteil der Kinderlosen unter den in Deutschland geborenen Frauen ohne akademischen Abschluss weiter an. Bei den zwischen 1965 und 1974 geborenen Frauen ohne höheren Bildungsabschluss stieg die Quote der Kinderlosen zuletzt auf 22 Prozent. Gedämpft wird die Zunahme demnach lediglich durch eine niedrigere Kinderlosigkeit bei Zuwanderinnen.

Auch regional gibt es beim Kinderkriegen große Unterschiede. Während in den Stadtstaaten die Kinderlosigkeit am höchsten ist, ist sie in den ostdeutschen Flächenländern am geringsten. Spitzenreiter bei den kinderlosen Frauen ist Hamburg mit einem Anteil von 31 Prozent, gefolgt von Berlin mit 27 Prozent. In den Ost-Ländern liegt der Anteil der Kinderlosen bei elf bis 13 Prozent und damit deutlich unter der Quote im Westen mit durchschnittlich 21 Prozent.

Für die Analyse wurden Daten des Mikrozensus 2016, der größten jährlichen Haushaltserhebung in Deutschland, ausgewertet.