Südafrikas Präsident führt Gespräche mit wahrscheinlichem Nachfolger Ramaphosa

Die für Donnerstag geplante Rede von Südafrikas angeschlagenem Präsidenten Zuma zur Lage der Nation ist verschoben worden. Der in Korruptionsskandale verstrickte Zuma kommt innerparteilich immer stärker unter Druck, sein Amt vorzeitig abzugeben

Südafrikas angeschlagener Präsident Jacob Zuma hat am Dienstag "konstruktive" Gespräche mit seinem potenziellen Nachfolger Cyril Ramaphosa geführt. Ramaphosa habe anschließend eine für Mittwoch angesetzte Sondersitzung des Exekutivkomitees der Regierungspartei ANC verschoben, teilte die Partei mit. Details über eine mögliche Vereinbarung zum Rücktritt Zumas wurden nicht bekannt. Zuvor war bereits eine für Donnerstag geplante Rede Zumas zur Lage der Nation verschoben worden.

Parlamentspräsidentin Baleka Mbete begründete den beispiellosen Schritt am Dienstag damit, dass Raum für eine "viel förderlichere politische Atmosphäre im Parlament" geschaffen werden müsse. "Ein neues Datum für die Rede zur Lage der Nation wird sehr bald verkündet." Zuma selbst sagte, er habe "angesichts bestimmter Entwicklungen" um eine Verschiebung gebeten. Details nannte er nicht.

Der in eine Reihe von Korruptionsskandalen verstrickte Zuma gerät innerparteilich immer stärker unter Druck, sein Amt vorzeitig abzugeben. Ursprünglich sollte sich das ANC-Exekutivkomitee am Mittwoch in einer Sondersitzung mit der Frage befassen. Nach ANC-Angaben wurde die Sitzung nun auf kommende Woche verschoben. Das Komitee könnte den 75-Jährigen, dessen Amtszeit eigentlich bis 2019 läuft, zum Rücktritt zwingen.

Zumas Position im ANC ist bereits stark geschwächt. Im Dezember hatte er bei einem innerparteilichen Machtkampf eine Niederlage erlitten: Sein Versuch, seine Ex-Frau Nkosazana Dlamini-Zuma als neue ANC-Parteichefin und damit wahrscheinliche Nachfolgerin im Präsidentenamt durchzusetzen, scheiterte auf dem Parteitag. Die Delegierten bestimmten mehrheitlich den 65-jährigen Reformpolitiker Ramaphosa zum Parteichef.