Zum Weltfrauentag: Ohne diese Vorreiterinnen wäre heute alles anders

 

Britische Frauenrechtsaktivistinnen der Organisation UK Feminista posieren als Suffragetten verkleidet für die Kameras. Unter ihnen: die Enkelin der Suffragette Sylvia Pankhurst. (Bild: AP Photo/Lefteris Pitarakis)

Am 8. März begeht die Welt den Internationalen Frauentag. Ohne diese Vorkämpferinnen in Sachen Frauenrechten würde die Welt heute anders aussehen.

Auch wenn schon viele Etappensiege erreicht wurden: Bis zur endgültigen Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau ist es besonders in der Berufswelt (Stichwort Gender Pay Gap) noch ein weiter Weg. Grund genug, pünktlich zum Weltfrauentag am 8. März innezuhalten und an einige jener Frauen zu erinnern, die als Vorkämpferinnen der Gleichberechtigung in die Geschichte eingingen – insbesondere in Sachen Frauenwahlrecht: Dieses ist in Deutschland seit dem 12. November 1918 in der Verfassung verankert, Großbritannien führte es erst zehn Jahre später ein.

Sojourner Truth (1798-1883)

Sojourner Truth wurde 1797 als Sklavin mit dem Namen Isabelle in New York geboren, sie war eine der ersten Aktivistinnen des Landes, die sich für Frauenrechte und gegen die Sklaverei einsetzte. Nach 1825 floh sie aus der Sklaverei und zog später als Predigerin durchs Land. Durch ihre bekannten Reden und ihre Arbeit gegen die Rassentrennung im Land durfte sie nach dem Bürgerkrieg sogar bei Präsident Abraham Lincoln vorsprechen. Sie war Mitte des 19. Jahrhunderts eine der ersten Menschen, die von weißen Frauenrechtlerinnen forderte, sich für die Rechte schwarzer Frauen einzusetzen. Die USA gaben ihr zu Ehren 1986 eine 22-Cent-Briefmarke heraus.

Hedwig Dohm (1831-1919)

Dohm wurde 1831 in Berlin geboren und war für ihre Zeit eine moderne Denkerin, sie forderte schon früh Gleichberechtigung für Frauen in Bezug auf Bildung und Ausbildung und setzte sich bereits 1873 für das Frauenstimmrecht in Deutschland ein. Sie erklärte, wenn eine Frau ökonomische Selbstständigkeit erreichen würde, müsste sie zur eigenen Versorgung keine Ehe mehr eingehen.


Harriet Tubman (1820-1913)

Harriet Tubman wurde 1820 im US-Bundesstaat Maryland geboren und gehört zu den bekanntesten afroamerikanischen Fluchthelferinnen. Die Hilfsorganisation „Underground Railroad“ half während des Bürgerkrieges (1861-1895) entlaufenen Sklaven aus den Südstaaten in andere US-Bundesstaaten oder nach Kanada zu fliehen. Später engagierte sie sich in der amerikanischen Frauenbewegung. Als sie mit 91 Jahren starb, wurde sie aufgrund ihrer Dienste feierlich vom Militär beerdigt.

Emmeline Pankhurst (1858–1928)

Sie war die Gründerin der britischen Frauenwahlbewegung, den Suffragetten, und Urheberin der Women’s Social and Political Union (WSPU), die es sich zum Ziel gemacht hatte, Frauen das Wahlrecht zu erkämpfen. Pankhurst, bekannt für ihre mitreißenden Reden, war dem Staat ein Dorn im Auge: Sie wurde mehrmals für ihre Mission verhaftet, einmal wurde sie wegen eines Hungerstreiks zwangsernährt. Sie war nicht nur Vorreiterin des Wahlrechts für Frauen sondern auch die Mutter zweier ebenso wesentlichen Protagonistinnen: Christabel und Sylvia Pankhurst.

Emmeline Pankhurst ist eine der bekanntesten Frauenrechtlerinnen der Geschichte. (Bild: AP Photo)

Christabel Pankhurst (1880–1958)

Von den Medien „die Königin des Mobs“ genannt, gründete sie mit ihrer Mutter die WSPU. Auch sie hatte Ärger mit dem Gesetz: Um einer Gefängnisstrafe zu entgehen, flüchtete sie nach Frankreich. Inhaftiert wurde sie später aber dennoch: Weil sie eine Parteitagung der Liberal Party gestört hatte, saß sie, gemeinsam mit der Frauenrechtlerin Annie Kenney, im Gefängnis.

Sylvia Pankhurst (1882–1960)

Sie stand ebenfalls auf der Seite ihrer Mutter und Schwester – allerdings trennt sie politisch dennoch einiges. Sylvia war nämlich, im Gegensatz zu Emmeline und Christabel, gegen deren Unterstützung für den Ersten Weltkrieg. In der Frauenwahlrechtsbewegung würde man sie heute als „Marketingchefin” bezeichnen, sie fertigte Banner und Schmuck an. Auch sie wurde wegen ihrer politischen Arbeit verhaftet.

Clara Zetkin (1857-1933)

Zetkin wurde 1857 in Sachsen geboren und gilt als prägende Begründerin des Internationalen Frauentags. Der Einfall kam zwar ursprünglich 1908 aus den USA, zwei Jahre später griff Zetkin die Idee in Deutschland auf. Vor allem durch ihren Kampf gegen den Krieg und für ein Frauenwahlrecht wurde sie in der ehemaligen DDR für ihre Taten geehrt. Sie avancierte zur führenden Frauenrechtlerin in der kommunistischen Bewegung und gehörte beispielsweise auch zu den Frauen, die ab 1919 erstmals als Abgeordnete in deutsche Parlamente einziehen konnte. Bis heute gibt es ihr zu Ehren den Clara-Zetkin-Frauenrechtspreis, den die Linkspartei vergibt.

Ein Frauenrechtspreis wurde nach Clara Zetkin benannt. (Bild: AP Photo)

Emily Wilding Davison (1872–1913)

Sie war für ihr militantes Vorgehen bekannt. Acht mal wurde sie inhaftiert. Eine ihrer radikalsten Aktionen: Sie unternahm einen Suizidversuch, um auf den Kampf der Suffragetten aufmerksam zu machen. Sie starb eines tragischen Todes: Bei einem Derby geriet sie vor das Pferd des britischen Königs George V. Auf ihrem Grabstein ist zu lesen: „Deeds not words“ – „Taten, nicht Worte“.

Lady Constance Georgina Bulwer-Lytton (1869–1923)

Sie wurde wegen ihren Frauenwahlrechtsaktionen ebenfalls verhaftet. Als sie aber bemerkte, dass sie wegen ihres Adelsgeschlechts vor dem Gesetz eine andere Behandlung erfuhr, gab sie bei der nächsten Verhaftung einen falschen Namen an. Ihr Tod soll mit Zwangsernährung nach einem Hungerstreik zusammenhängen.