Zum Fremdschämen: Interviewer fragt Neuseelands Regierungschefin nach ihrem Sexleben

Jacinda Ardern wurde mit 37 Jahren Regierungschefin von Neuseeland. (Bild: AP Photos)

Sie ist die weltweit zweite Regierungschefin, die während ihrer Amtszeit ein Kind bekommt. Das sorgt natürlich für Diskussionen. Doch mit der Frage eines australischen Moderators hat Jacinda Ardern sicherlich nicht gerechnet.

In einem Fernsehinterview stellte sich die neuseeländische Premierministerin gemeinsam mit ihrem Mann den Fragen eines Reporters. In dem Interview-Format „60 Minutes“ sprach sie mit Charles Wooley. Doch anstatt Jacinda Ardern über ihr Amtsverständnis, ihren Regierungsstil und ihre politischen Vorhaben zu befragen, wollte der Interviewer etwas ganz anderes wissen.

An einer Stelle beugte sich Wooley nach vorne und sagte: „Eine wirklich wichtige Frage möchte ich Ihnen stellen, und die wäre: Wann soll Ihr Baby zur Welt kommen?“ Lächelnd antwortete die junge Premierministerin: „Am 17. Juni.“ Doch ab diesem Punkt nahm das Gespräch eine skurrile Wendung.

Auf das voraussichtliche Geburtsdatum Bezug nehmend, sagte Wooley: „Es ist interessant, wie viele Leute zurückzählen, wann die Empfängnis stattgefunden hat.“ Mitten im Satz verzog Ardern das Gesicht, ihr Mann Clarke Gayford fragte: „Echt?“

Dessen ungerührt bohrte Wooley weiter nach: „Als jemand, der selbst sechs Kinder gezeugt hat, überrascht es mich nicht weiter, dass Leute Kinder bekommen. Warum soll ein Kind also nicht während eines Wahlkampfes gezeugt werden?“ Ardern ging bei den neuseeländischen Parlamentswahlen am 23. September 2017 als Siegerin hervor und ist seit 26. Oktober Premierministerin ihres Landes.

Ardern war die Frage des Reporters sichtlich unangenehm. Diplomatisch sagte sie, auf die Frage, ob ihr Kind im Wahlkampf gezeugt worden sei: „Die Wahl war schon vorbei“. Und sie fügte hinzu: „Lassen Sie uns nicht in die Details gehen.“ Worauf Wooley einfach nur feststellte: „Das Kind ist mit Politik durchdrungen“.

Etliche Zuschauer regten sich nach der Ausstrahlung des Interviews über den Reporter Charles Wooley auf. Seine Fragen seien sexistisch und unangebracht. Der Kommentar einer australischen Twitter-Userin fand besonders viel Anklang:

„Liebes Neuseeland, unser bester Kumpel. Du weißt, dass jeder einen komischen Onkel hat, dem man an Weihnachten aus dem Weg gehen sollte. Tut uns leid, dass dieser eure Premierministerin interviewt hat. Bitte teilt Jacinda Ardern mit, dass wir finden, es war ekelhaft.“

Ardern teilte laut der Mediengruppe Fairfax Media nach der Ausstrahlung des Interviews mit, dass sie das Gespräch nicht beunruhigt habe. „Die Frage hat mich zwar kurz aus der Fassung gebracht, aber zu sagen, ich fühle mich dadurch angegriffen, geht ein wenig zu weit. Ich war es nicht.“

Auch Charles Wooley reagierte auf die Kritik in den Sozialen Netzwerken. Gegenüber „Newstalk ZB“ sagte er: „In ‚60 Minutes’ wollen die Leute dieses wundervolle Paar sehen. Ich habe gerne Zeit mit ihnen verbracht. Sie waren so heiter, so erfrischend. Es war einfach nur großartig, bei ihnen zu sein.“ Den Vorwurf, ein Sexist zu sein, wies er zurück.