Zulieferer Continental belohnt die Aktionäre

Aktionäre können sich über das gute Jahresergebnis von Continental freuen. Beim wichtigsten Thema gibt sich der Zulieferer weiter bedeckt.

Vom guten Jahresergebnis bei Continental profitieren besonders die Aktionäre. „Der Vorstand schlägt eine Erhöhung der Dividende um 25 Cent auf 4,50 Euro vor. Wir beabsichtigen also die sechste Anhebung in Folge“, sagte Conti-Vorstandschef Elmar Degenhart am Donnerstag bei der Präsentation des Jahresergebnisses für 2017.

Das Nettoergebnis des Automobilzulieferers ist im vergangenen Jahr auf drei Milliarden Euro angewachsen. Das entspricht einer Steigerung von 6,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr und einem Ergebnis von 14,92 Euro pro Aktie.

Für 2018 rechnet Degenhart mit der Fortsetzung des profitablen Wachstums. „Unser Start in das Geschäftsjahr 2018 bestätigt unsere Erwartungen. Wir bekräftigen daher unseren Ausblick von Anfang Januar“, ergänzte Degenhart. Für das laufende Jahr rechnet Continental mit einem Umsatzplus von knapp sieben Prozent auf rund 47 Milliarden Euro vor Wechselkurseinflüssen bei einer bereinigten operativen Marge (Ebit) von etwa 10,5 Prozent. Die Gummi-Sparte mit Reifen und Industrieprodukten bleibt für Conti der starke Ertragstreiber, für die erwartet das Unternehmen in diesem Jahre eine operative Rendite von 15 Prozent. Das Zuliefergeschäft soll hingegen eine Marge von 8,5 Prozent erreichen.


Continental setzt voraus, dass der Weltautomobilmarkt auch in diesem Jahr weiter zulegen wird. „Ein Wachstum der globalen Produktion von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen von mehr als einem Prozent auf 96,5 Millionen Fahrzeuge bildet dafür die Basis“, betonte Degenhart.

Mit Informationen zu einem möglichen Konzernumbau hält sich das Unternehmen unverändert zurück. Degenhart bestätigte lediglich, dass Continental über eine neue Struktur nachdenke. Der Grund sind die massiven Veränderungen in der Automobilindustrie mit Elektrifizierung und Digitalisierung. „Derzeit evaluieren wir denkbare Optionen. Ein entscheidungsreifer Plan liegt noch nicht vor“, sagte der Conti-Vorstandschef.

Zugleich verwies er auf die Wandlungsfähigkeit des Unternehmens: „Continental befindet sich seit nahezu 150 Jahren beständig im Wandel. Allein in den vergangenen 20 Jahren hat sich Continental von einem reinen Reifenhersteller und Industriepartner zu einem globalen Technologieunternehmen entwickelt.“ Größere Sorgen wegen der sinkenden Verkaufszahlen beim Diesel macht sich das Unternehmen nicht. Dieselkomponenten, die an Motorenhersteller geliefert werden, machten gerade einmal zwei Prozent des gesamten Umsatzes aus. Continental könnte die eigene Produktion auf andere Bereiche umlenken.

Im Januar hatte der Zulieferkonzern aus Hannover angekündigt, dass es in diesem Jahr einen Umbau des Unternehmens geben könnte – oder dass Conti Teile auslagert und an die Börse bringt. Bis zur Jahresmitte, so damals die Ankündigung von Finanzvorstand Wolfgang Schäfer im Gespräch mit dem Handelsblatt, werde voraussichtlich eine Entscheidung getroffen.


Konzernchef Degenhart bestätigte den Zeitplan auf der Bilanzpressekonferenz, bis zur Jahresmitte soll es einen Beschluss geben. „Im Moment führen wir Gespräche mit dem Konzernbetriebsrat darüber“, sagte er. Continental befinde sich unverändert im „frühen Stadium“ seiner Überlegungen. Es gebe keinerlei Vorentscheidung dazu, welche Änderungen an der Konzernstruktur möglicherweise vorgenommen werden könnten.

Eine neue Struktur soll allerdings auf jeden Fall dafür sorgen, dass der Konzern aus Hannover in den nächsten Jahren weiter wachsen wird. Bislang hat Continental die Zahl ausgegeben, dass der Umsatz bis zum Jahr 2020 bei etwa 50 Milliarden Euro angekommen sein soll. Conti-Chef Degenhart sagte in der Bilanzpressekonferenz, dass bis zum Jahr 2025 etwa 65 Milliarden Euro erreichbar seien – wenn der Konzern mit dem Tempo und den Wachstumsraten von heute weiter zulegen könnte.


Prämien für Mitarbeiter steigen

Auslöser der Überlegungen ist die grundlegende Neuausrichtung der Automobilindustrie mit Elektrifizierung und Digitalisierung. Eine neue Struktur soll dafür sorgen, dass sich Continental besser auf die Megatrends einstellt – und über einen Teilbörsengang vielleicht auch noch etwas Geld verdient.

Mit den ganz „heißen News“ aus Hannover zum Konzernumbau war auch im Vorfeld der Bilanzveröffentlichung nicht gerechnet worden. Das Conti-Management braucht noch etwas Zeit für seine Entscheidung. Zudem muss der Haupteigentümer – die Familie Schaeffler – in die Beschlüsse mit eingebunden werden. „Der Vorstand könnte allerdings zumindest ein paar Indikationen geben, wohin die Reise am Ende gehen soll“, sagte Chris McNally, Automobilanalyst beim Investmenthaus Evercore ISI. Das gesamte Jahresergebnis entspreche weitestgehend den Erwartungen der Finanzmärkte.

Bei Continental ist es noch nicht völlig ausgeschlossen, dass sich der Konzern eines Tages für eine eigene Fertigung von Batteriezellen entscheidet. Aus den Zellen werden dann in einem zweiten Schritt die Batterien für die Elektroautos zusammengesetzt. Bislang dominieren Hersteller aus Japan und Korea das Geschäft mit Batteriezellen, in Deutschland gibt es keinen vergleichbar großen Anbieter. Auch Bosch hatte sich erst in der vergangenen Woche gegen eine eigene Fertigung entschieden.

Conti könnte sich allerdings dann für eine eigene Fertigung entscheiden, wenn sich bei den Batteriezellen eine bessere und leistungsfähigere Technologie durchsetzt. Sollten die neuen Feststoff-Batterien die bislang verwendeten Lithium-Ionen-Batterien ablösen, würde der Konzern über eine eigene Fertigung nachdenken. Die Entscheidung über eine eigene Fertigung steht nach Angaben des Vorstandes frühestens in zwei Jahren an. In die alte Lithium-Ionen-Technik will Continental nicht mehr investieren.


Continental muss wegen der Megatrends Elektromobilität und Digitalisierung vergleichsweise viel investieren. „Die Entwicklungskosten werden tendenziell weiter steigen“, sagte Finanzvorstand Wolfgang Schäfer im Gespräch mit dem Handelsblatt. Das Unternehmen achte allerdings zugleich darauf, dass die Entwicklungskosten nicht ausuferten und im vertretbaren Rahmen blieben. 2016 lag der Anteil der Forschungs- und Entwicklungskosten am Konzernumsatz bei 6,9 Prozent, im vergangenen Jahr gab es einen leichten Anstieg auf 7,1 Prozent.

Auch für die Mitarbeiter zahlen sich die guten Unternehmensergebnisse aus: Continental bedankt sich bei allen Mitarbeitern weltweit für den Erfolg des vergangenen Jahres. Die Ausschüttungssumme an die Beschäftigten steigt um etwa 15 Prozent auf mehr als 170 Millionen Euro und liegt damit 20 Millionen Euro über dem Vorjahresniveau von 150 Millionen Euro.

In Deutschland bekommen die Mitarbeiter jeweils 1141 Euro. Anders als andere Unternehmen beschränkt Continental seit 2004 den Kreis der Anspruchsberechtigten bewusst nicht auf eine bestimmte Gruppe oder ein bestimmtes Land.


„Das, was wir erreicht haben, haben wir gemeinsam erreicht. Es ist für uns selbstverständlich, dass deswegen jeder Mitarbeiter eine Anerkennung für seine Leistung erhält“, sagte Personalvorstand Ariane Reinhart. Die Beteiligung aller Mitarbeiter am Unternehmenserfolg sei nicht nur fair, sondern auch ein „wichtiges und wertschätzendes Signal“ für die Belegschaft, ergänzte Frank Michael Hell, Vorsitzender des Konzernbetriebsrates.

Anfang Januar hatte der Konzern aus Hannover bereits die ersten Kerndaten dazu veröffentlich, wie sich die Geschäfte im vergangenen Jahr entwickelt haben. Der Umsatz ist 2017 um acht Prozent auf 44 Milliarden Euro gestiegen, die operative Rendite liegt bei 10,9 Prozent (Vorjahr: 10,6). Mit diesen Zahlen kann sich Continental in der Branche sehen lassen. Die Rendite in Hannover ist beispielsweise um einiges höher als beim großen Kunden Volkswagen in Wolfsburg.