Das "Zukunftsteam" von CDU und CSU schweigt zur Zukunft der Union – nur zwei reden Klartext

·Lesedauer: 3 Min.
Das Zukunftsteam der CDU wurde Anfang September in der Parteizentrale vorgestellt
Das Zukunftsteam der CDU wurde Anfang September in der Parteizentrale vorgestellt

Es war eine der letzten Aktionen von Armin Laschet, um das Ruder im Wahlkampf noch herumzureißen. Das sogenannte "Zukunftsteam" aus vier Frauen und vier Männern sollte Expertise verkörpern. Neben bekannten Gesichtern wie dem Wirtschaftsexperten Friedrich Merz (CDU), CDU-Parteivize Silvia Breher oder Digitalstaatsministerin Dorothee Bär (CSU) waren auch eher unbekannte wie der Berliner Musikmanager Joe Chialo oder Barbara Klepsch, sächsische Ministerin für Kultur und Tourismus, dabei.

Business Insider hat nachgefragt, wie sich alle acht Mitglieder des "Zukunftsteams" nun nach der Wahlschlappe die Zukunft der Union vorstellen. Doch viele wollen ihre Vorstellungen offenbar lieber für sich behalten. "Herr Merz möchte sich dazu im Moment noch nicht weiter äußern", heißt es in den Antworten oder auch: "Frau Breher wird kein Statement abgeben." Die meisten antworten gar nicht.

Aber die, die etwas sagen, reden Klartext. Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) sagte Business Insider: "Die CDU braucht am Ende der Ära Merkel Befriedung und Neuaufstellung für das nächste Jahrzehnt." Dabei spricht sie auch deutlich Warnungen aus. "Alle, die da mitmachen oder gar führen wollen, sollten sich jetzt schrille öffentliche und selbstzerstörerische Auftritte verkneifen und keine verbrannte Erde schaffen." Selbstkritik stehe nun allen gut zu Gesicht.

Für die kommende Zeit fordert sie "seriöse, professionelle Verhandlungen". Daran waren Zweifel aufgekommen, nachdem Details aus den Sondierungsgesprächen zwischen FDP und Union an die Medien durchgedrungen wurden. Auch Prien hatte sich darüber aufgeregt. 

Dringend nötig sei auch eine "nüchterne und schonungslose Analyse" des Wahlergebnisses mit externem Input, sagte Prien. Anschließend brauche es einen "glaubwürdigen Neuanfang, strukturell, programmatisch und personell". Dieser müsse von der Basis getragen und von den Wählern befürwortet werden. 

Leitend für die Neuaufstellung sollen die zentralen Werte der Partei sein: "Eine moderne Interpretation der sozialen, ökologischen Marktwirtschaft auf Basis des christlichen Menschenbildes, Weltoffenheit und Liberalität, der Respekt vor Patriotismus, Heimatverbundenheit und religiöser Überzeugung sollten uns dabei leiten." Sie zweifle nicht daran, dass die CDU mit sympathischen und kompetenten Köpfen Antworten auf die großen Zukunftsfragen geben und eine Alternative zum grün-linken Gesellschaftsmodell darstellen könne, sagte Prien.

Auch Barbara Klepsch ist bei der Analyse des Wahlergebnisses schonungslos. Das Ergebnis sei für die CDU "ein Debakel und eine riesige Enttäuschung", sagte Klepsch Business Insider. Sie stellt fest: "Leider war die allgemeine Stimmung in der Bevölkerung gegen die Union." Besonders in Sachsen schmerze der Verlust vieler Direktmandate. In dem Neuen Bundesland hatte die AfD als stärkste Kraft die CDU um 3,5 Prozentpunkte überholt. Themen, die Menschen in Ostdeutschland bewegen, sind dort Klepsch zufolge zu wenig berücksichtigt worden.

Auch Klepsch fordert deshalb eine Neuausrichtung: "Die CDU Deutschlands muss sich deshalb inhaltlich, aber auch personell so aufstellen, dass sie auch im Osten wieder mehr Zustimmung erfährt." Konkrete Namen nannte sie nicht. Menschen müssten aber besser eingebunden werden, die Programme und politischen Entscheidungen besser kommuniziert werden. 

Für die Zukunft der Partei sagt Klepsch: "Der Optimismus und das Vertrauen in die Zukunft müssen wieder geweckt werden, denn viele Regionen haben sich positiv entwickelt. Hier liegt viel Arbeit vor uns, aber ich bin zuversichtlich, dass die Union die Menschen mit einem klaren Profil wieder zurückgewinnen kann."

Die kommenden Tage werden wohl darüber entscheiden, wie die Neuaufstellung der Union aussehen wird. Klar ist: Wenn eine "personelle Neuaufstellung" gefordert wird, dann steht immer auch im Raum, dass Laschet sein Amt als Parteichef niederlegen sollte. Die einzige Möglichkeit, dass er sich an der Unionsspitze halten könnte, wäre wohl, wenn er es schaffte, eine Jamaika-Koalition zu schmieden. Doch geht die Union in die Opposition, dürfte wohl kein Stein auf dem anderen bleiben.

Video: Bei der Regierungsbildung geht der Weg in Richtung "Ampel"

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.