Der Zukunftsfonds von Softbank wirft bereits Milliardengewinne ab

Masayoshi Son ist kein gewöhnlicher Unternehmer. Andere Manager leiern auf Bilanzpressekonferenzen gerne Kennzahlen herunter. Doch der reichste Mann Japans reduziert diese Pflicht auf wenige Minuten. Lieber nutzt er die geballte Aufmerksamkeit von Presse und Anlegern, um über seine große Vision und die Leistungen seiner jüngsten Zukäufe zu sprechen. So auch am Montag bei der Veröffentlichung der Zahlen für das erste Quartal des seit April laufenden Bilanzjahres.

Im grauen Anzug stand er auf der Bühne in Tokio, seine Top-Manager klein am Rand. Und er appellierte gleich an die Zuhörer, der Quartalsbilanz nicht allzu viel Aufmerksamkeit zu schenken, sondern besser der Zukunft. „Ich denke, dass es nicht gut ist, nur den kurzfristigen Zeitraum zu sehen“, beginnt er seinen einstündigen Ausflug in seine Softbank-Welt. „Stattdessen muss man mittelfristig und langfristig denken.“

Und genau das tue sein Konzern. „Wir denken ein bis zwei Schritte voraus, um die neuen Schlachtfelder zu finden.“ Und das große Thema ist für ihn künstliche Intelligenz, für Son „die größte Revolution in der Menschheitsgeschichte“.

ARM sorgt für hohen Einmalgewinn

„Gewinner in künstlicher Intelligenz werden die Gewinner der Zukunft sein“, sagt er. Und er will Softbank zum größten Sieger der Zukunft machen. Daher hat er voriges Jahr den Softbank Vision Fund etabliert, dessen Kriegskasse mit dem Geld von Partnern wie dem saudischen Pensionsfonds und Apple mit fast 100 Milliarden US-Dollar gefüllt ist.

Dieses Kapital nutzt er nun, um sich Anteile an Firmen wie den Autoruf-Apps Uber, Didi und Grab zu kaufen – Firmen, die in Sons Augen morgen jeweils ihre Industrien bestimmen können.


Der Fonds trug nun bereits beeindruckende 33,6 Prozent zum Konzerngewinn von 715 Milliarden Yen, umgerechnet 5,6 Milliarden Euro, bei. Eine andere Investition Sons, der Kauf des britischen Chip-Designers ARM, lieferte zudem einen hohen Einmalgewinn durch die Umwandlung seines China-Geschäfts in ein Gemeinschaftsunternehmen. Damit steigt der Gewinnanteil von Sons Aktivitäten als Anleger auf 50 Prozent.

Im ersten Quartal konnte Softbank zudem seinen Umsatz um vier Prozent auf 2,3 Billionen Yen (17,7 Milliarden Euro) erhöhen. Die amerikanische Mobilnetzgesellschaft Sprint, die Son als kleinerer Partner mit der US-Tochter der Deutschen Telekom fusionieren will, verlor zwar an Umsatz. Aber in Japan holten die Mobilnetz- und Internetgeschäfte umso mehr rein. Der Wermutstropfen: Ohne die Wertzuwächse des Vision Fund wäre Softbanks Vorsteuergewinne wohl gefallen.

Sons Ziel und seine Strategie sind dabei so simpel wie unbescheiden: Als Verbund von Marktführern in künstlicher Intelligenz und Robotik soll Softbank zum dominierenden Konzern der Zukunft werden. Dafür übernimmt er heute Minderheitsbeteiligungen in Schlüsselunternehmen der Branche und potenziellen wie bestehenden „Einhörnern“, also jungen Firmen mit einem Marktwert von mehr als einer Milliarde Dollar.

Indisches Bezahlsystem soll nun Japan erobern

Das langfristige Abenteuer zahlt sich finanziell bereits kurzfristig für die Aktionäre aus. Und der Japaner versucht, den Aktionären den Mund mit Gewinnversprechen zu wässern, damit die wegen Softbanks hoher Schulden nicht ihren Appetit verlieren. „Wir erwarten, dass der Wert des Vision Fund künftig stetig steigen wird.“

Dann wendet er sich seinem Lieblingsthema zu: Wie Softbank mit seinem losen Schwarm an agilen Start-ups Synergien schöpfen und die Welt erobern will. Die Heimat Japan auch ein wichtiges Fallbeispiel in seiner Präsentation. Hier will er Lösungen aus seinem Schwarm nutzen, um seine Marktposition auszubauen.


Ein Beispiel dafür ist das indische Handybezahlsystem Paytm, das den Subkontinent erobert. Softbank bringt es nun nach Japan, um es mit seiner Marktmacht gegen starke Konkurrenz durchzusetzen. Und mit Son ist daheim zu rechnen. Softbanks Mobilfunksparte hat 33 Millionen Kunden. Mit Yahoo Japan hält er zudem das größte Internetportal des Landes. Außerdem hat er dort gerade das Management ausgetauscht, um aggressiver in E-Commerce und anderen Bereichen zu expandieren.

Ein weiteres Beispiel ist WeWork, der Anbieter von Gemeinschaftsbüros. Jeder Kunde dort werfe zehn Mal soviel Geld ab wie ein Mobilfunkkunde, warbt Son für diese Anlage. Softbank erwäge sogar, sein Hauptquartier durch WeWork verwalten zu lassen. Außerdem führt er die chinesische Taxi-Ruf-App Didi Chuxing testweise im Herbst in Japan ein.

Dies sind nur einige mehr als einem Dutzend Beispielen für Synergien, die Son auf eine Folie zeigt. Doch auch intern setzt er auf die Zukunftstechnologien, um die Produktivität von Softbanks Belegschaft zu steigern. Derzeit gebe es 2000 Projekte für künstliche Intelligenz und die Automatisierung von Geschäftsabläufen, referiert der Gründer. „Ich denke, dass kein anderes Unternehmen so viele Projekte hat.“

Sein US-Mobilfunknetz Sprint hat er dagegen mental offenbar schon abgehakt. Er lobt es in seiner Präsentation nur beiläufig für stabile Gewinne. Dafür widmet er dem britischen Chipdesigner ARM viel Zeit. Denn er ist überzeugt, dass sein bisher teuerster Zukauf das Chipdesign im Zeitalter der Vollvernetzung von Mensch und Maschinen genauso dominieren wird wie heute.

ARM entwickle nun eine Plattform, in der alle intelligenten Chips mit ARM-Design auch Daten austauschen können, schwärmt Son. „Sie werden lernen und die gesamte Welt wird zu einem organischen Lebewesen.“ Dies werde bald passieren, so der Vorausdenker, „in den kommenden zehn Jahren.“

Künstliche Intelligenz ist das verbindende Element

Inzwischen gibt es kaum ein Feld künstlicher Intelligenz, das Son nicht besetzt. So hat er auch für mehrere Milliarden Dollar eine Position bei dem Grafikkartenhersteller Nvidia gekauft. Die Grafikkarten des Herstellers dominieren die Anwendungen künstlicher Intelligenz in Datenzentren.

Viele Beobachter hätten die Investition damals nicht verstanden, sagt Son heute. Viele würden auch heute noch das verbindende Element seiner Akquisen suchen. Dabei ist für Son alles ganz einfach: „Tatsächlich ist es künstliche Intelligenz.“ Sie wird in seinen Augen alle Industrien umwälzen, und zwar radikal und schnell.


Dabei führt er auch Oyo aus Indien an, das er als die „am schnellsten wachsende Hotelkette der Welt“ bezeichnet. Es handelt sich dabei um eine Plattform, auf der Kunden Hotel- und Privatzimmer buchen können. Aber anders als bei anderen Vermittlern wie Booking.com klebt Oyo seinen Namen auf das Angebot und übernimmt wenigstens zum Teil die Verwaltung.

Das Geschäft expandierte bis Juni 2018 rasant innerhalb von nur zwei Jahren von 1000 auf 101.000 Zimmer in Indien. Nun wiederholt sich das Wachstum in China, wo Softbank durch diverse Partner wie die Onlinehandelsplattform Alibaba fest verankert ist. Denn Oyo helfe den Eigentümern, durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz und dynamischen Preisgestaltung die Auslastung auf 80 Prozent zu erhöhen. Und Sons Fonds sei größter Investor.

Mit immer neuen Beispielen wirbt Son an diesem Tag für seine historische Mission. Denn für den bald 61-jährigen Gründer ist der Fokus auf künstliche Intelligenz die natürliche Vollendung seines Traums: Als er in den 1980er Jahren Softbank gründete, verdiente das Unternehmen sein Geld mit PCs und Software. „Aber ich habe von Anfang an gesagt, dass unser Kerngeschäft die Informationsrevolution ist.“

Und er denkt weiter voraus. Sollten die 100 Milliarden Dollar seines Softbank Vision Funds nicht ausreichen, hat er bereits einen Plan B. „Wir könnten einen Softbank Vision Fund 2 überlegen“, sagt er. Schon im vergangenen Jahr brachte er die Idee unter die Anleger. Aber noch zögert er, die Größe und Gründungstermin für sein neues Abenteuer zu nennen. Son braucht schließlich noch ein bisschen Stoff für weitere Quartalsbilanzen.