Die Zukunft heißt: Größe oder Nische

 

Zum ersten Mal seit der Finanzkrise 2008 sind sowohl Erträge als auch Gewinne in der Asset-Management-Branche gesunken. Um im Kampf gegen rückläufige Margen und passiv gemanagte Produkte zu bestehen, bleiben der Branche nur zwei Strategien: Wachstum oder Spezialisierung.

Die Boston Consulting Group hat ihrem nun erschienenen Jahresbericht die Marktlage der Asset-Management-Industrie untersucht. Darin attestiert sie der Branche zwar ein Wachstum, das allein reiche aber nicht aus, die sinkenden Margen und den Mittelabfluß in passive Produkte zu kompensieren. 

Zwar ist laut BCG der Wert der weltweit verwalteten Portfolios in 2016 um rund sieben Prozent auf mehr als 69 Billionen US$ gestiegen. Das (Shenzhen: 002421.SZ - Nachrichten) ist mehr als das eine magere Prozent des Vorjahres und liegt auch über dem Durchschnitt der Jahre zwischen 2008 und 2014. Allerdings ist der Vermögenszuwachs mehrheitlich auf die gut laufenden Börsen zurückzuführen; die Mittelzuflüsse durch Investoren blieben demnach fast unverändert. Kursbereinigt wuchsen die Assets under Management nur um 1,5 Prozent, berichtet BCG.

 Betrachtet man die Branche jedoch regional, ergibt sich ein differenziertes Bild. So sind die größten Zuwächse in den kleinsten Märkten zu verzeichnen: In Südamerika wuchsen die AuM zwar um 14 Prozent, allerdings beträgt die Summe der verwalteten Vermögen hier lediglich 1,5 Billionen US$. Auch in Asien, vor allem in China, verzeichnete die Branche ein ordentliches Wachstum: Dort wuchs die Summe der Portfolios um 16 Prozent auf 6,6 Billionen US$, in China sogar um 21 Prozent.

Nach wie vor der größte Markt für Asset Management sind die USA. Dort befinden sich 48 Prozent der weltweit verwalteten Vermögen. Doch trotz beachtlicher Kursgewinne – der S&P500 hat 2016 immerhin mehr als 20 Prozent zugelegt – stieg der Wert der Portfolios in Summe nur um fünf Prozent. Gleichzeitig wurden jedoch Vermögen in Höhe von fast einer Billion US$ aus den Portfolios abgezogen.

Dadurch, erklärt Brent Beardsley, einer der Autoren der Studie, geraten die Vermögensverwalter weiter unter Druck: Während die Kosten weitgehend unverändert bleiben, sind die Erlöse branchenweit um ein Prozent, die Gewinne sogar um zwei Prozent gesunken. Am härtesten hat es demnach Infrastruktur-, Rohstoff- sowie Private-Equity- und Hedge-Fonds getroffen. Denn obwohl in diesen alternativen Investments nur 15 Prozent der AuM investiert sind, generieren sie 43 Prozent der branchenweiten Einnahmen.

„Investoren legen ihr Geld zunehmend in passiv gemanagten Produkten an“, so Beardsley. Diese brächten den Asset Managern jedoch nicht so hohe Einnahmen wie aktive oder alternative Anlagen: Während das Volumen der passiv gemanagten Anlagen im vergangenen Jahr um rund 1,5 Billionen US$ gestiegen ist, betrugen die Einnahmen hier nur unverändert 14 Milliarden US$.

Um in einem sich ändernden Marktumfeld weiter bestehen zu können, so BCG, blieben den Vermögensverwaltern nur zwei Optionen: Größe oder Nische. Mittelgroße Unternehmen, die sich weder auf eine bestimmte Technologie spezialisiert haben noch das nötige Gewicht auf die Waage bringen, um bei fallenden Gebühren gegen den Wettbewerb zu bestehen, befinden sich laut Boston-Analyst Beardsley auf verlorenem Posten. Die Branche befinde sich in einer Konsolidierungsphase – und die Geschwindigkeit, mit der Übernahmen und Fusionen über die Bühne gehen, nimmt dabei zu. Doch selbst die Konsolidierung ist nach Erkenntnis von BCG keine allein selig machendes Mittel, um im Kampf um schwindende Margen und passive Produkte zu bestehen: Von den zehn größten Deals, die in den vergangenen sechs Jahren über die Bühne gingen, haben nur vier eine Rendite gebracht, die den Branchenschnitt schlagen konnte. Deshalb, so Analyst Beardsley, sei es unverzichtbar, die übernommenen Unternehmen effizient zu integrieren und Synergien auf der Ertragsseite zu nutzen.

(TG)