Zukäufe sorgen für Wachstum, Gewinn sinkt – die Evonik-Bilanz in der Blitzanalyse

Durch seine Zukäufe hat Evonik 2017 die Erlöse und das operative Ergebnis gesteigert. Doch der Gewinn hat unter dem Wachstum gelitten.


Der Essener Spezialchemiekonzern Evonik, aktuell die Nummer Zwei der deutschen Chemieindustrie, hat am Dienstag seine Bilanz für 2017 vorgelegt. Die wichtigsten Fakten:

  • Von seinem Geschäft mit den Kunststoffen MMA und PMMA (Plexiglas)  mit rund 1,5 Milliarden Euro Umsatz will sich Evonik trennen.
  • Der Umsatz stieg um  13 Prozent auf 14,4 Milliarden Euro.
  • Der Gewinn nach Steuern ging um 15 Prozent auf 717 Millionen Euro zurück.
  • Klammert man Sonderbelastungen wie Akquisitions- und Restrukturierungskosten aus, stieg der bereinigte Reingewinn nach Berechnung von Evonik dagegen um knapp neun Prozent auf 1,01 Milliarden Euro.
  • Das bereinigte Betriebsergebnis (Ebit) verbesserte sich um drei Prozent auf 1,49 Milliarden Euro, das Ebit vor Abschreibungen (Ebitda) um neun Prozent auf 2,36 Milliarden Euro. Das entsprach nahezu exakt den Analystenerwartungen.

Nach dem enttäuschenden Jahr 2016 ist Evonik dank mehrerer Zukäufe und eines starken Kunststoff-Geschäfts wieder auf Wachstumskurs zurückgekehrt, der sich allerdings in der Gewinnrechnung nur mäßig niedergeschlagen hat.

Das fällt positiv auf

Kunststoffe und Kieselsäuren als Gewinnbringer: Die Sparte Performance Materials, zu der auch das rund MMA- und Plexiglasgeschäft gehört, konnte den Betriebsgewinn besonders kräftig, um 78 Prozent verbessern. Im Konzernbereich Ressourcen-Effizienz, zu dem unter anderem das Geschäft mit Kieselsäuren und Kunststoffzusätzen gehört, konnte Evonik den Umsatz und das bereinigte Ebitda um jeweils rund ein Fünftel steigern. Neben der Übernahme des Additivgeschäfts von Air Products und der Kieselsäuresparte von Huber hat dazu ein organisches Wachstum von sieben Prozent beigetragen.

Das fällt negativ auf

Aminosäuren schwächeln: Im Bereich Nutrition & Care (Tierernährung, Pharma- und Kosmetikvorprodukte) ist das Ebitda trotz positiver Akquisitionseffekte um ein Viertel gesunken und das Ebit um 42 Prozent auf 465 Millionen Euro zurückgegangen.  Grund war ein Preisverfall bei Aminosäuren. Ohne die Akquisitionen, die etwa 250 Millionen Euro zusätzliches Ebitda gebracht haben dürften, wäre der bereinigte operative Gewinn von Evonik 2017 geschrumpft, vor allem aufgrund der Schwäche bei Aminosäuren. Der Konzern gehört damit operativ zu den schwächsten Performern in der deutschen und europäischen Chemie.

Was jetzt passiert

Weiteres Umsatzwachstum erwartet: Für 2018 erwartet Evonik bei leichtem Umsatzwachstum einen Anstieg des Ebitda auf 2,4 bis 2,6 Milliarden Euro. Das entspricht einem Plus von einem bis zehn Prozent. Mit dem geplanten Rückzug aus dem PMMA-Geschäft will Evonik die Ausrichtung auf Spezialchemie verstärken und wohl auch wieder neue finanzielle Flexibilität für Akquisitionen auf dem Gebiet schaffen. Wichtig wird es für den Essener Konzern aber auch sein, die Ertragskraft der wichtigen Sparte Nutrition & Care wieder zu verbessern und die Synergien aus den Zukäufen des vergangenen Jahres herauszuarbeiten.