Bei Zugunglück in Norditalien zwei Bahnarbeiter ums Leben gekommen

Bahnunglück nahe Lodi

Bei einem Zugunglück in Norditalien sind mindestens zwei Bahnarbeiter ums Leben gekommen und etwa 30 weitere Menschen verletzt worden. Der Schnellzug entgleiste am frühen Donnerstagmorgen nahe der Stadt Mailand, wie die Behörden mitteilten. Zur Unglücksursache wurden Ermittlungen eingeleitet. Italienischen Medien zufolge hatte es am Vorabend an den Schienen Wartungsarbeiten gegeben. Ein Überlebender berichtete, der Zug sei zum Zeitpunkt des Unglücks sehr schnell gefahren.

Der Zug war von Mailand nach Salerno unterwegs, als sich der Unfall kurz nach 05.30 Uhr nahe der Stadt Lodi, rund 50 Kilometer südlich von Mailand, ereignete. "Es war ein schwerer Unfall, der ein tragisches Ende nahm mit dem Tod von zwei Bahnmitarbeitern", sagte der Präfekt von Lodi, Marcello Cardona, vor Reportern. Bei den Todesopfern handelte es sich demnach um zwei Maschinisten im Alter von 51 und 59 Jahren. Zur Unfallursache seien Ermittlungen eingeleitet worden.

Die Gesundheitsbehörde der Region Lombardei gab die Zahl der Verletzten mit 31 an. Alle seien ins Krankenhaus gebracht worden, sagte Cardona. Es schwebe aber niemand in Lebensgefahr.

Laut Cardona hätte es noch "viel schlimmer" ausgehen können. Zum Zeitpunkt des Unglücks seien jedoch nur 33 Menschen in dem Schnellzug gewesen, davon einer im ersten und zwei im zweiten Wagen. "Ich dachte, ich wäre tot", sagte ein 21-jähriger Überlebender aus einem Krankenhaus in Piacenza der Zeitung "Liberta". "Ich habe meine Augen zugemacht und gebetet."

Der Überlebende, dessen Name nicht genannt wurde, sagte der Zeitung außerdem, der Zug sei vor seiner Entgleisung "sehr schnell" gefahren - "vielleicht 300 Stundenkilometer". Dann habe er einen "heftigen Stoß" gespürt und "wirklich lautes Getöse" gehört. Die Passagiere hätten sich festgeklammert, um nicht zu stürzen. Dann hätten sie zunächst auf Hilfe gewartet, sich schließlich aber selbst durch ein Loch im Zug in Sicherheit gebracht.

Am Unglücksort an einem offenen Feld waren hunderte Feuerwehrleute, Polizisten und andere Behördenvertreter im Einsatz. Auch zwei Hubschrauber beteiligten sich an den Bergungsarbeiten. Durch den Einsatz kam es in der Region zu Verzögerungen im Bahnverkehr. Berichte über ein verspätetes Eintreffen der Rettungskräfte wies Cardona zurück.

Auf Videobildern war zu sehen, dass die Lok in der Nähe eines Bahngebäudes auf der Seite lag. Auch der erste Wagen lag auf der Seite, war aber anscheinend noch an die übrigen Wagen gekoppelt.

Italienischen Medien zufolge ergaben erste Ermittlungen, dass die Lok entgleiste und auf einen Güterwaggon auf einem Parallel-Gleis und schließlich gegen das Bahngebäude prallte. An den Schienen sei am Vorabend gearbeitet worden. Cardona warnte, es sei zu früh, einen Zusammenhang zwischen den Reparaturarbeiten und dem Unfall herzustellen. Schließlich gebe es ständig Wartungsarbeiten an Schienen.

Italiens Regierungschef Giuseppe Conte sagte in Rom, er sei "zutiefst traurig" über den Tod der Bahnarbeiter. Zur Unglücksursache könne er noch nichts sagen.

Zuletzt hatte sich in Italien im Januar 2018 ein schweres Zugunglück ereignet. Damals entgleiste ein voll besetzter Pendlerzug nahe Mailand wegen schlecht gewarteter Schienen. Drei Frauen starben, etwa hundert weitere Menschen wurden verletzt.

Gegen Manager und andere Mitarbeiter der staatlichen Bahngesellschaft RFI und zwei frühere Vertreter der nationalen Behörde für Bahnverkehrssicherheit wurden Verfahren wegen fahrlässiger Tötung und anderer Vergehen eingeleitet.