Zug mit sechs Atommüll-Castoren erreicht Atomkraftwerk im hessischen Biblis

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Protestplakat gegen den Castor
Protestplakat gegen den Castor

Nach einer störungsfreien nächtlichen Fahrt durch Deutschland hat der erste Castor-Transport seit neun Jahren am Mittwoch seinen Zielort im hessischen Atomkraftwerk Biblis erreicht. Nach Angaben der Behörden erreichte der Zug mit sechs Spezialbehältern voll hochradioaktivem Atommüll problemlos das Gelände des Akw. Atomkraftgegner protestierten entlang der Strecke friedlich, bundesweit waren rund 11.000 Polizisten im Einsatz. 

Deutschland erfülle mit der Rückführung radioaktiver Abfälle eine völkerrechtliche Verpflichtung, erklärte die hessische Landesumweltministerin Priska Hinz (Grüne) nach der Ankunft des Castorzugs in Biblis. 

Atomkraftgegner des Aktionsbündnisses Castor stoppen kritisierten den Transport als "unnötig und gefährlich". Sie verwiesen auf die Risiken derartiger Transporte und warfen der Politik vor, keine gangbaren Konzepte zur dauerhaften Lagerung des gefährlichen Atommülls zu haben. Sie warnten außerdem vor einem Wiedereinstieg in die Atomenergienutzung im Zuge der Debatten um die weltweite Klimakrise. "Atomenergie ist kein Beitrag gegen die Klimakatastrophe", erklärte das Bündnis.

Der Müll in den sechs Castoren stammt aus der Aufarbeitung von Reaktorbrennelementen aus deutschen Atomkraftwerken in einer Spezialanlage im britischen Sellafield. In Deutschland gibt es keine derartigen Anlagen, die Bundesrepublik ist vertraglich zur Rücknahme verpflichtet. Der Müll wird in dem Zwischenlager des 2011 abgeschalteten Akw Biblis deponiert, bis ein Endlager bereitsteht. 

In den kommenden vier Jahren sind nach Angaben von Behörden und Atomkraftgegnern noch vier weitere Rückführungstransporte aus Sellafield und der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague geplant. Diese gehen dann jedoch nicht nach Biblis. Sie werden auf Zwischenlager an den Atomkraftwerken Brokdorf in Schleswig-Holstein, Phillipsburg in Baden-Württemberg sowie Isar in Bayern verteilt, wie Bund und Ländern beschlossen.

Transporte in das Zwischenlager im niedersächsischen Gorleben gibt es seit Jahren nicht mehr. Die früheren Castor-Transporte wurden von tagelangen, teils gewaltsamen Blockaden begleitet. Der letzte Transport dorthin fand 2011 statt.

Die Wiederaufarbeitung deutscher Brennelemente im Ausland wurde bereits 2005 gesetzlich verboten und beendet. Die verbliebenen Transporte dienen dem Rücktransport des Atommülls aus älteren Aufträgen. Deutschland beschloss zwischenzeitlich auch einen Komplettausstieg aus der Atomkraft. Die meisten Kraftwerke stehen schon still, die letzten sollen bis 2022 vom Netz gehen.

Die Castoren des aktuellen Transports waren per Schiff in den niedersächsischen Hafen Nordenham gebracht und dort auf einen Güterzug geladen worden, der sich am Dienstagabend auf den Weg machte. Atomkraftgegner hielten Mahnwachen entlang der Bahnstrecke ab, Störaktionen oder Blockaden gab es nicht.

Nach Angaben der Bundespolizei gab es während der insgesamt etwa 14-stündigen Fahrt an einigen Bahnhöfen "kleinere, friedliche Protestaktionen" von Gegnern. "Diese hatten keine Auswirkung auf den Transportverlauf", teilte die Behörde mit. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums waren mehr 11.000 Beamte im Einsatz.

Nach Angaben der Bundespolizei gab es lediglich eine kleinere Blockadeaktion, als fünf Aktivisten am Mittwochmorgen bei Ankunft des Zuges das Zubringergleis zwischen dem Bahnhof von Biblis und dem Akw-Gelände besetzten. Polizisten trugen die Demonstranten demnach von den Schienen, einer widersetzte sich "aktiv". Gegen ihn werde wegen Widerstands ermittelt.

bro/cax