Zuckerberg will Facebook reparieren


Jedes Jahr in Silicon Valley beginnt mit Mark Zuckerberg. Besonders mit der neuen Aufgabe, die sich der Chef von Facebook in einer persönlichen Neujahrsresolution stellt. In den vergangenen acht Jahren wollte er Mandarin lernen, 587 Kilometer rennen oder alle 50 Staaten der Vereinigten Staaten bereisen.

Dieses Jahr ist alles anders. Die Aufgabe für 2018 lautet schlicht: Facebook reparieren. Seine Plattform wolle stärker gegen Hasskommentare, Beleidigungen oder Wahlmanipulationen vorgehen, schreibt der 33-Jährige in einem Post auf seiner Pinnwand seines sozialen Netzwerks. Er wolle sich künftig darauf konzentrieren, „diese wichtigen Probleme zu lösen”.

Das verwundert, gehört das Handwerk Problembehebung ohnehin zu den Kernaufgaben jedes Chefs. Wenn ein Manager derart banale Dinge so hervorhebt, steckt mehr dahinter.

Im Fall von Facebook zeigt Zuckerbergs Post die stille Revolution, die sich im Hauptquartier in Menlo Park vollzogen hat. Auch wenn sie nach der Serie von Skandalen vergangenes Jahr reichlich spät kommt. Früher zog sich das Netzwerk gern auf den Standpunkt zurück, nur eine Plattform zu sein - vor allem zur Zurschaustellung des Guten im Menschen. Doch inzwischen zweifelt Zuckerberg immer öfter öffentlich an seiner Firma und will offenbar mehr Verantwortung übernehmen.


Er könne den Missbrauch seiner Plattform nie ganz verhindern, schreibt der 33-Jährige. „Aber wir machen derzeit noch zu viele Fehler dabei, unsere Richtlinien durchzusetzen und die Zweckentfremdung unserer Werkzeuge zu verhindern.” Nie zuvor gestand der Manager derart offen Fehler ein, auch wenn er freilich noch keine konkreten Lösungen präsentiert.


Zuckerbergs Geständnis zeigt aber, wie sehr der politische Druck auf seine Firma wächst. Seit den Vorwürfen, im US-Wahlkampf zum Werkzeug russischer Propagandisten und Verbreiter von Fake-News geworden zu sein, steht Facebook in Washington unter verstärkter Beobachtung.

Und in Deutschland wehrt sich die Firma gegen den Vorwurf des Bundeskartellamts, seine marktbeherrschende Stellung auszunutzen und Nutzerdaten missbräuchlich zu verwerten. Die Flut an Live-Videos mit Mordinhalten und Hasskommentaren haben der Glaubwürdigkeit ebenfalls schwer geschadet.


Wenn auch nur indirekt, bezieht der Gründer doch zu den Vorwürfen Stellung. Mit dem Aufstieg digitaler Riesen und Staaten, die Technologien zur Überwachung ihrer Bürger nutzen, glaubten nun viele Menschen, „dass Technologie Macht zentralisiert statt sie zu dezentralisieren”. Die Idee von der globalen Machtverteilung zur Verbesserung der Welt gehört schließlich zum Gründungsmythos von Facebook.

Zuckerbergs Neujahrsresolution strebt danach, angriffslustige Behörden und Gesetzgeber hier wie da auf Abstand zu halten. Sie soll zudem den mehr als zwei Milliarden Nutzern missionarischen Eifer beweisen. Doch es muss sich erst noch zeigen, wie viel Einbußen im prächtigen Milliardengeschäft mit Werbung und Daten Facebook bereit ist hinzunehmen für die große Vision.

Im jüngsten Quartal setzte die Firma mit Anzeigen und Co. 10,33 Milliarden Dollar um. Das Nettoergebnis stieg um 79 Prozent auf 4,7 Milliarden Dollar. Die Investoren des börsennotierten Netzwerks beobachten Zuckerbergs Ankündigungen sehr genau.

KONTEXT

Welche Facebook-Dienste die Deutschen nutzen

Mehr als "Gefällt mir"

Facebook ist nicht nur eine Internetseite oder eine App. Das soziale Netzwerk wurde in den vergangenen Jahren kräftig erweitert. Die bekanntesten Teile sind der Facebook Messenger, Instagram und Whatsapp. Das Statistik-Portal Statista hat die Deutschen gefragt, welche Dienste und Produkte sie mindestens gelegentlich nutzen.

Facebook allgemein

72 Prozent nutzen das Social Media Portal. Dabei ist der Unterschied zwischen Männern (73 Prozent) und Frauen (71 Prozent) gering.

Facebook Messenger

Den Facebook-Nachrichtendienst nutzen 43 Prozent der Befragten - Männer wie Frauen.

Instagram

Den Online-Dienst Instagram zum Teilen von Fotos und Videos nutzen 26 Prozent der Männer und 22 Prozent der Frauen.

Whatsapp

Den Instant-Messaging-Dienst, der seit dem Jahr 2014 zu Facebook gehört, wird 70 Prozent der Befragten genutzt. Mit 71 Prozent männlichen und 70 Prozent weiblichen Nutzern sind die Unterschiede bei den Geschlechtern gering.