Aktien rechtzeitig verkauft – Warum Zuckerberg beim Facebook-Crash Glück im Unglück hatte

Das soziale Netzwerk hat am Donnerstag knapp 120 Milliarden Dollar an Börsenwert verloren. Für Konzernchef Zuckerberg hätte es noch schlimmer kommen können.


Es ist ein schwarzer Donnerstag für Facebook gewesen: Die Aktie des sozialen Netzwerks verlor knapp 20 Prozent und vernichtete binnen Minuten 119 Milliarden Dollar an Börsenwert – so viel hatte kein anderes Unternehmen zuvor an einem einzigen Handelstag verloren. Laut Forbes kostet der Absturz allein Unternehmensgründer Mark Zuckerberg 16 Milliarden Dollar.

Facebook hatte am Mittwoch nach Börsenschluss Zahlen präsentiert, die die Erwartungen der Experten verfehlten. Schon im nachbörslichen Handel deutete sich an, was kurz darauf Bestätigung fand: Es kam zum historischen Kurssturz.

Glück im Unglück für Zuckerberg: Er hatte sich im Laufe des zweiten Quartals offenbar von einer ungewöhnlich großen Anzahl seiner Facebook-Aktien getrennt und damit rechtzeitig vor dem Crash. Das berichtet CNBC und bezieht sich dabei auf Zahlen des Analysehauses Insider Score.


Dem Bericht zufolge sind die Verkäufe laut den Standards der Börsenaufsicht SEC zwar regelkonform abgelaufen. Was jedoch auffällt, ist das Volumen der Transaktionen. Insgesamt 13 Millionen Aktien soll Zuckerberg im abgelaufenen Vierteljahr abgestoßen haben, davon 524.000 Stück einen Tag vor und 240.000 am Tag der Veröffentlichung des Quartalsberichts.

Zum Vergleich: In den drei vorangegangenen Quartalen zusammen trennte sich Zuckerberg „lediglich“ von 9,3 Millionen Papieren. Im ersten Quartal 2018 verkaufte er 6,8 Millionen Aktien, in den beiden Berichtszeiträumen davor waren es jeweils etwas mehr als eine Million, laut den Daten von Insider Score. Chief Operating Officer (COO) Sheryl Sandberg verkaufte im zweiten Quartal demnach Aktien im Wert von 11,5 Millionen Dollar.

Auch andere Großkonzerne mussten bereits herbe Börsenverluste wegstecken

Zuckerbergs jüngster Aktien-Deal ist Teil einer im September bei der SEC angekündigten Serie von Verkäufen über einen Zeitraum von insgesamt 18 Monaten. Dabei will er Facebook-Titel im Gesamtwert von sechs Milliarden Dollar abstoßen. Mit solchen langfristigen Plänen, die bei der Börsenaufsicht eingereicht werden, sollen Insidergeschäfte verhindert werden. Zuckerberg will sich insgesamt von 99 Prozent seiner Aktien trennen und in eine Stiftung überführen.

Seit Anfang April hat die Facebook-Aktie bis zuletzt knapp 40 Prozent zulegen können. Doch nach dem Datenskandal im Frühjahr enttäuschte der Konzern nun die Investoren mit seinem jüngsten Quartalsbericht – sowohl beim Umsatz als auch beim Nutzerwachstum. Beide Indikatoren blieben unter den Erwartungen von Analysten.

Der Umsatz stieg um 42 Prozent auf 13,23 Milliarden Dollar. Analysten hatten mit 13,36 Milliarden Dollar gerechnet. Die Zahl der Nutzer kletterte auf 2,23 Milliarden und nicht wie angenommen auf 2,25 Milliarden.


Investoren verstörte jedoch vor allem, dass das Management keine Aussicht auf Besserung sieht. Finanzchef Dave Wehner kündigte für die kommenden Quartale an, dass die Wachstumsrate des Netzwerks weiter sinken werde, im hohen einstelligen Prozentbereich.

Auch andere Konzerne mussten im Verlauf ihrer Börsengeschichte bereits hohe Verluste einstecken, vor allem, als um die Jahrtausendwende herum die Dotcom-Blase implodierte: Intel ereilte das Schicksal im September 2000, als der Chiphersteller von einem Tag auf den anderen 90,74 Milliarden Dollar einbüßte. Microsoft verlor zuvor 80 Milliarden Dollar an der Börse.

Seit 2012 hat Apple eine ähnliche Entwicklung mit zwei großen Talfahrten durchgemacht – und sich stets wieder gefangen. Facebook toppt nun alle bisherigen Verluste.