Zu viele Selfies: Social-Media-Verbot für russische Soldaten geplant

Angehörige der russischen Seekriegsflotte posieren 2010 auf der Krim für Fotos. (Bild: Getty Images)

Es ist eine ungewöhnliche, aber offenbar notwendige Maßnahme, die das russische Verteidigungsministerium nun ergreift: Soldaten hatten zuletzt immer öfter Selfies und Fotos bei Einsätzen ins Netz gestellt. Das soll jetzt per Gesetz verboten werden.

Alles muss fotografiert werden: die Umgebung, die Mitmenschen, das eigene Gesicht. Seit dem Aufkommen von Smartphones und sozialen Netzwerken haben Menschen in aller Welt den Hobby-Fotografen in sich entdeckt – vom Schüler über den Angestellten bis hin zu Mitgliedern der Armee. Bei letzterer Gruppe will Russland nun aber neue Regeln aufstellen. Denn Moskau will seinen Soldaten künftig untersagen, Selfies oder andere Bilder von Einsätzen im Internet zu posten.

In einer Stellungnahme der russischen Regierung heißt es dazu, dass die Einschränkungen notwendig geworden seien, “um die Informationssicherheit der Privatpersonen, der Gesellschaft und des Staates zu verbessern”. Wie die BBC unter Berufung auf offizielle russische Stellen berichtet, würden Bilder, Videos und anderes Material im Netz militärische Informationen preisgeben, die von terroristischen Organisationen oder ausländischen Nachrichtendiensten genutzt werden könnten. Für Wehrpflichtige gilt die Neuerung nicht.

Für den russischen Geheimdienst FSB sowie den Föderalen Dienst für Bewachung (FSO), der unter anderem mit dem Schutz des Staatspräsidenten und Mitgliedern der Regierung betraut ist, gelten diese Vorschriften schon länger. Im Falle der Streitkräfte musste jedoch ein altes Gesetz auf den aktuellen Stand gebracht werden. Denn zur Zeit der Verabschiedung des geltenden Gesetzes gab es noch keine Smartphones oder soziale Medien.

Die Regierung von Wladimir Putin wird in Zukunft genau darauf achten, was das Militär mit seinen Smartphones macht. (Bild: Getty Images)

Einer der Hauptgründe für den drastischen Schritt ist der anhaltende Konflikt in der Ostukraine. Journalisten und internationale Beobachter hatten aufgrund von Auswertungen im Internet eine Beteiligung russischer Streitkräfte an dem Konflikt nachweisen können, obwohl Moskau dies zuvor konstant abgestritten hatte und auch noch heute leugnet.

Im August 2014 hatte das investigative Recherchenetzwerk “Bellingcat” anhand von Bildern in sozialen Netzwerken aufgedeckt, dass russische Streitkräfte der 76. Luftwaffeneinheit Russlands an Kämpfen in der Ostukraine beteiligt waren. Soldaten hatten auf Instagram den Tod einiger Kameraden betrauert.

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