Zorc wütet gegen "selbstgefällige" Dortmunder

Matthias Schreiber, Sportinformationsdienst (SID)

Michael Zorc war geschockt. So einen Auftritt wie den von Borussia Dortmund bei der 2:4-Niederlage bei Hannover 96 hatte der Sportdirektor des BVB nicht für möglich gehalten.

"Ich bin sprachlos über unsere Leistung, so gewinnst du in der Bundesliga kein Spiel", sagte Zorc nach der klaren Pleite beim Aufsteiger in Niedersachsen gegenüber der Funke Mediengruppe. Noch vor Tagen hatte er jegliche Kritik am erstmals in dieser Saison enttrohnten Tabellenführer als "schizophren" bezeichnet. Nun der verbale Rundumschlag.

Eine "pomadige, selbstgefällige Leistung" bescheinigte der 55-Jährige der Mannschaft, auch von "Alibifußball" war die Rede.

Nach dem Strohfeuer im Pokal gegen Drittligist Magdeburg ist die Krise der Borussia, die vor drei Wochen noch mit fünf Punkten Vorsprung auf den FC Bayern an der Tabellenspitze stand, nicht mehr wegzudiskutieren.

Die Stimmung nach der wohl schlechtesten Saisonleistung beginnt bei den Schwarzgelben allmählich zu kippen.

Nun ist nicht nur die Tabellenführung futsch, die Mannschaft kassiert zudem Gegentore wie am Fließband und auch die Kritik an der Taktik von Trainer Peter Bosz wird immer lauter.


Bosz wiegelt Kritik ab

Der sichtlich angefressene Niederländer wollte sich auf eine Systemdiskussion aber erst gar nicht einlassen: "Das Problem heute war nicht die Balance. Man kann über Systeme reden, aber wenn man nicht aggressiv spielt, dann kann man kein System spielen", machte Bosz bei Sky den Grund der Pleite im Zweikampfverhalten aus.

"Wir haben heute nicht hoch verteidigt, das hat da nichts mit zu tun", führte der BVB-Coach weiter aus, "da war keine Krise und da ist keine Krise."


Eine Diskussion über sein offensives, aber anfälliges 4-3-3-System lässt sich aber angesichts von nur einem Punkt aus den letzten drei Bundesligaspielen, elf Gegentoren aus den letzten fünf Partien und nur neun Torschüssen gegen Hannover (Negativrekord) kaum mehr vermeiden.

In Hannover ließ sich die Hintermannschaft der Borussia ein ums andere Mal düpieren, kassierte zum dritten Mal in den vergangenen viereinhalb Jahren vier Gegentore in der Bundesliga.

Fans fordern Systemwechsel

In den sozialen Netzwerken ist der Tenor unter den BVB-Fans eindeutig: Das System muss weg! "Diese Abwehr ist für dieses System nicht geeignet", meint ein SPORT1-User, andere wünschen sich sogar Bosz' Vorgänger Thomas Tuchel zurück.

Ein weiterer Anhänger moniert: "Gegen alle starken Gegner gab es verdiente Niederlagen. Bei jedem langen Ball vom Gegner brennt bei uns die Abwehr, das kann es nicht sein."

Fakt ist: Auch in der Champions League setzte es gegen Real Madrid und Tottenham Hotspur deutliche und verdiente Niederlagen, der BVB hat nur noch eine äußerst theoretische Chance auf das Überwintern in der Königsklasse.

Schmelzer will Dinge "intern aufarbeiten"

Auch in der Bundesliga drohen die Dortmunder nun nach dem Verlust der Tabellenführung den Anschluss zu verlieren. Und am kommenden Samstag kommt es zum Spitzenspiel gegen den FC Bayern. Bis dahin hat der BVB allerdings noch viel Arbeit vor sich.

"Es gibt einiges zu besprechen. Hannover hat versucht, mit dem ersten Kontakt hinter die Linien zu spielen. Wir sind immer ein bisschen darauf reingefallen. Darüber müssen wir sprechen. Über die anderen Sachen müssen wir intern reden", sagte Kapitän Marcel Schmelzer.

Und weiter: "Natürlich ist es ein Rückschlag für uns. Vorher wurde es von außen übertrieben dargestellt, weil wir immer noch Tabellenführer waren. Heute haben wir uns das selber versaut. Wir müssen nun ganz schnell wieder die Form finden, die uns stark gemacht hat."