Zoom übernimmt dieses deutsche Start-up — übersetzt bald Künstliche Intelligenz unsere Calls als Untertitel?

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Videocalls mit Zoom könnten bald maschinell übersetzt werden.
Videocalls mit Zoom könnten bald maschinell übersetzt werden.

Wenn uns diese Pandemie eines gelernt hat, dann sind es viele neue Wörter. Eines davon: "Zoom Fatigue", als Ausdruck für die schwindende Lust auf Video-Calls. Dennoch werden auch nach der Pandemie Teams, Zoom, Skype und Co. nicht mehr wegzudenken sein, insbesondere wenn sie den Nutzern lange Geschäftsreisen ersparen.

Das US-amerikanische Unternehmen Zoom arbeitet deshalb auch weiterhin an der Verbesserung seines Angebots. Wie Business Insider von dem Unternehmen erfuhr, holt sich der Konzern dafür Hilfe aus Deutschland - genauer aus Karlsruhe. Denn dort hat das Start-up Kites seinen Sitz, das Zoom nun übernommen hat. Über die Höhe der Akquisition hüllen sich beide Seiten in Schweigen.

Kites hat sich auf die Entwicklung von Echtzeitlösungen für maschinelle Übersetzungen (Englisch: "machine translation", kurz MT) spezialisiert. Das Start-up wurde 2015 gegründet und ist eine Ausgründung der Carnegie Mellon Universität in Pittsburgh (USA) und des Karlsruher Instituts für Technologie, wo die Mitbegründer Alexander Waibel und Sebastian Stüker Fakultätsmitglieder sind.

Dolmetscher-Funktion gibt es bereits - aber sie ist noch menschlich

Das Kites-Team, bestehend aus 12 Wissenschaftlern, wird künftig das Engineering-Team von Zoom unterstützen, wie die beiden Unternehmen bekannt geben. Gemeinsam sollen sie den Bereich für maschinelle Übersetzungen vorantreiben und mehrsprachige Übersetzungsmöglichkeiten bereitstellen. Eine einfache Dolmetscher-Funktion gibt es heute bereits bei Zoom-Calls. Diese funktioniert allerdings nicht automatisch, sondern derjenige, der das Zoom-Meeting startet, kann einen menschlichen Dolmetscher hinzuziehen. Dieser bekommt dann Zugriff auf das Meeting und übersetzt.

Auf der Website von Kites heißt es über die neue Technologie: "Beim Anhören von Sprache kann der Benutzer wählen, ob er das Transkript in der Originalsprache (Untertitel) oder den übersetzten Text in der Sprache seiner Wahl sehen möchte." Transkript und übersetzter Text sollen sogar erscheinen, bevor der Sprecher einen Satz beendet und sich selbst korrigieren, wenn eine bessere Interpretation durch weiteren Kontext gerechtfertigt sei. Ursprünglich sei Kites entwickelt worden, um internationale Studenten bei Universitätsvorlesungen zu unterstützen.

„Wir haben Kites mit dem Ziel gegründet, Sprachbarrieren abzubauen und sprachübergreifende Interaktionen zu einem realen Teil unseres Alltags zu machen“, sagen die Kites-Gründer Waibel und Stüker.

"MT-Lösungen werden der Schlüssel sein, um die Zugänglichkeit und Inklusion unserer Plattform für Zoom-Nutzerinnen und -Nutzer auf der ganzen Welt deutlich zu verbessern", sagt Velchamy Sankarlingam, Leiter der Abteilung Product and Engineering bei Zoom. Zu welchem Zeitpunkt Zoom-Calls dann durch die Kites-Software übersetzt werden können, könne das US-Unternehmen noch nicht verraten. Zoom wolle mit dieser Akquisition jedoch einen Grundstein legen, um in Zukunft ein Forschungs-und-Entwicklungs-Zentrum in Deutschland zu eröffnen. Es dürften also noch weitere Akquisitionen und technische Neuerungen folgen.

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