Zollstocker Hof: Wirt feiert Abschied nach 47 Jahren – Betrieb geht weiter

Josef Mathissen übergibt die Leitung an den Mann seiner Enkelin.

Die Rollläden zur Vorgebirgsstraße sind geschlossen. Malerfolie liegt auf der Theke. Der vordere Teil der Kneipe Zollstocker Hof strahlt schon in hellem Weiß. Weiter hinten liegt noch der Gilb der vergangenen Jahre auf den Wänden. Josef Mathissen, genannt Jupp, und Turgay Öz, genannt Tugi, stehen in der Mitte des Raums und begutachten die Renovierung. Es geht gut voran. Viele Freunde helfen. Denn der Zollstocker Hof ist mehr als nur ein Ort, um ein Bierchen zu trinken.

"Viele Gäste sind hier mit mir alt geworden", sagt Jupp Mathissen. Der Wirt wird 79 und will aufhören, nach 47 Jahren. Seine Ankündigung kam, als manch einer dachte, er bleibt, bis er hinter dem Tresen umfällt. "Der gute Mann hat mich überrascht", sagt Tugi Öz. Er wird sein Nachfolger. Der Zollstocker Hof bleibt in der Familie.

Tugi heiratet 2009 Jupps Enkelin, zieht zu ihr nach Köln. Sie hatten sich drei Jahre zuvor in Antalya kennengelernt, sie im Urlaub, er verdiente sein Geld in der Tourismusbranche. Eine gemeinsame Perspektive gab es für die beiden nur in Deutschland - für Öz, in Unterfranken geboren, eine von zwei Heimaten. Zuletzt arbeitete er als Flugbegleiter, lebte in Istanbul. Mit seiner späteren Frau wollte er endlich sesshaft werden. Also zog er zu ihr nach Köln und stand bald neben ihrem Opa hinter der Theke als Aushilfe.

Er arbeitete am Flughafen, blieb während der Elternzeit zu Hause bei den Kindern und ließ sich später zum Schlosser umschulen, bevor er für die Deutsche Bahn arbeitete. Nun ist er für das nächste Kapitel bereit.

Das „Lommerzheim vom Zollstock“

Als Mathissen verkündet, dass er aufhört, merkt Öz, dass ihn der Gedanke, die Kneipe könnte es bald nicht mehr geben, traurig macht. "Ich bin mein Leben lang gewandert", sagt er. Im Zollstocker Hof kennt er die Gäste, er versteht, was die Zeit am Tresen für sie bedeutet, und er gehört hierher.

"Wir lachen und feiern gemeinsam, und bei Beerdigungen weint man zusammen", sagt er. Er beschließt, den Betrieb zu übernehmen. Seine Frau steht hinter seiner Entscheidung. Man merkt ihm an, dass er stolz ist. "Lommerzheim von Zollstock" nennt er den Zollstocker Hof in Anlehnung an die Deutzer Kult-Kneipe.

Von Mathissen abgeschaut hat er sich die Großzügigkeit. Die Schlüsselqualifikation eines Gastwirts hat er an ihm erkannt und in sich selbst entdeckt: "Ich bin auch gerne Gastgeber, so wie er", sagt Öz. Den Segen vom Opa hat er: "Er wird das gut machen, weil er von mir gelernt hat", sagt Mathissen, nicht weniger stolz. Er weiß seine Kneipe in guten Händen.

Vielleicht klingt er deshalb weniger wehmütig als dankbar, wenn er zurückblickt. "Hier ist die Post abgegangen", sagt er, wenn er an die geschäftigsten Zeiten zurückdenkt. Zwei Dutzend Kegelvereine, die auf den Bahnen im Keller kegelten und zechten, Schützen, Karnevalisten und viele, viele Stammgäste - Mathissen hatte mitunter alle Hände voll zu tun.

Heute, sagt er, hätten sich die Interessen der Leute geändert, das Freizeitverhalten. Das Kneipensterben freilich hat den Zollstocker Hof verschont. Die Kegelbahn könnte zwar öfter gebucht werden. Doch der Saal im rückwärtigen Teil der Kneipe wird oft gebucht für Mieterversammlungen, Familienfeiern und Jubiläen. Und die Stammgäste sind treu. Tugi Öz will denn auch nur so viel wie nötig verändern.

Mittelpunkt bleibt das Bier – Feier am Samstag

Ein neues Konzept braucht er nicht. Im Mittelpunkt bleibt das "gepflegte Bier", frisch vom Fass auf der Theke. Mathissen, das steht fest, wird weniger Zeit hier verbringen. Und wenn er kommt, bleibt er auf der anderen Seite der Theke - so zumindest der Vorsatz.

Die Wiedereröffnung des Zollstocker Hofs wird am Samstag, 5. August, ab 17 Uhr gefeiert. Danach ist die Kneipe montags bis freitags von 16 Uhr und samstags ab 17 Uhr geöffnet. Sonntag ist Ruhetag. Reissdorf-Kölsch vom Fass kostet 1,40 Euro (0,2 Liter)....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta