Wie der Zoff um Mbappé Frankreichs EM-Mission gefährdet

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Olivier Giroud und Kylian Mbappé nach einem Training am Donnerstag (Bild: FRANCK FIFE / AFP)
Olivier Giroud und Kylian Mbappé nach einem Training am Donnerstag (Bild: FRANCK FIFE / AFP)

"So langsam wird es peinlich", fällte Johan Micoud ein vernichtendes Urteil über die französische Nationalmannschaft. 

"Du hast gerade erst zwei Vorbereitungsspiele absolviert, die gut gelaufen sind, und wenn du vom Platz gehst, macht es nach außen den Eindruck, als hättest du 0:4 verloren", legte der 17-malige Nationalspieler Frankreichs und Ex-Spieler von Werder Bremen in seiner Rolle als TV-Experte nach. 

Der heutige Winzer war als Spieler bekannt dafür, dass immer das Kollektiv im Mittelpunkt stand. Und genau diese Tatsache sieht er derzeit beim Weltmeister gefährdet. Sportlich läuft es aber gut und Frankreich geht als Topfavorit auf den Titel in die EM. Was ist also los bei Les Bleus? 

Zoff zwischen Mbappé und Giroud

Nationaltrainer Didier Deschamps ist derzeit so besorgt um die Stimmung in seiner Mannschaft, dass er alle Spieler zusammentrommelte, um die Wogen zu glätten. Keine guten Voraussetzungen vor dem Auftaktspiel gegen Deutschland am kommenden Dienstag in München. Beim DFB-Team herrscht in den WGs im "Home Ground" beste Stimmung.

Der Stein des Anstoßes rund um den Zoff bei den Franzosen: Eine Aussage des erfahrenen Stürmers Olivier Giroud nach dem 3:0-Sieg im Test gegen Bulgarien. Der 34-Jährige hatte nach Einwechslung zwei Treffer in nur zehn Minuten erzielt - seine Laune klang aber eher nach Eigentor in letzter Minute. 

Gegenüber Reportern machte er seinem Ärger darüber Luft, dass er von seinen Mitspielern einfach nicht genügend Zuspiele bekomme. Eine Breitseite gegen Kylian Mbappé, der im Team offenbar durch übertriebenen Eigensinn auffällt. Der Superstar fühlte sich daraufhin persönlich angegriffen. 

In den vergangenen Jahren hat sich immer wieder gezeigt, dass aus dem genialen Fußballer Mbappé ein beleidigter Unruhestifter werden kann. So auch dieses Mal, denn der 22-Jährige wollte sich laut RMC Sport selbst bei der nächsten Pressekonferenz einladen, um seine Sicht über die Dinge in die Welt zu tragen.

Zerwürfnis gefährdet Frankreichs Vorbereitung

Deschamps entschärfte die Situation: Er hielt Mbappé von der PK fern, verfügte eine Aussprache von Mbappé und Giroud und trug das Thema dann auch noch in eine Teamsitzung. So wirklich geholfen hat nichts davon.

Mbappé soll noch immer einen gewaltigen Hals auf seinen 12 Jahre älteren Mitspieler haben. Selbst eine Entschuldigung von Giroud im Training soll daran nichts geändert haben. Giroud sagte dabei unter anderem, dass ihm die Worte "entglitten" seien. Die aufgezwungene Umarmung danach sah allerdings eher wie ein kleiner Würgegriff aus.

Das Zerwürfnis zwischen Mbappé und Giroud droht die komplette Vorbereitung des Top-Favoriten auf den EM-Titel zu stören.

Dabei geht es nicht nur um einen Streit, wer was gesagt hat. Es geht um eine grundlegende Frage, die für den Erfolg verantwortlich ist: Gefährdet ein eigensinniger Mbappé den Erfolg der Mannschaft? 

Micoud hat dazu eine klare Meinung: Der PSG-Star müsse nun endlich lernen, dass sich nicht alles nur um ihn drehe. 

Er dürfte damit die Meinung der Mehrheit der Fußball-Fans in Frankreich vertreten. Fakt ist nämlich, dass Mbappé schon seit einigen Wochen und Monaten immer wieder mit Star-Allüren auffällt - und das in seinem jungen Alter. Er hat eine ganze Menge an Kredit verspielt. 

Mbappé muss sich Beispiel an Ronaldo nehmen

Paul Pogba versuchte die Situation herunterzuspielen. "Die einzigen Verspannungen haben wir am Rücken und in den Beinen", sagte er: "Es gibt wirklich nur Lachen, Musik und Massagen." Pogba ist ein Beispiel dafür, wie sich eine schillernde Persönlichkeit in ein Team einfügen kann. 

Beim WM-Titel in Russland funktionierte er mit der Equipe Tricolore als Team, die französische Nationalmannschaft trat als Einheit auf. Der Schlüssel zum Erfolg - das weiß man in Frankreich. Daher wächst momentan die Sorge vor dem Turnier, obwohl die Vorzeichen doch eigentlich so gut sind. 

Klar ist, dass Mbappe ein Ausnahmefußballer ist, der eines Tages sogar ein legitimen Nachfolger von Lionel Messi und Cristiano Ronaldo werden könnte. Dazu muss er aber lernen, als Teamplayer zu agieren und ein Team so zu tragen. 

Bestes Beispiel: Ronaldo bei der Euro 2016 als er Portugal zum Titel führte. 

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