Die Zinserhöhungen in den USA enden im Dezember, weil der Druck der Rezession zu groß werde, sagt ein Anlagenstratege

In den USA wächst der Druck auf Notenbank-Chef Jerome Powell, die Zinserhöhungen zu beenden oder zumindest zu bremsen. - Copyright: Chip Somodevilla/Getty Images
In den USA wächst der Druck auf Notenbank-Chef Jerome Powell, die Zinserhöhungen zu beenden oder zumindest zu bremsen. - Copyright: Chip Somodevilla/Getty Images

Nach der jüngsten kräftigen Zinserhöhung in den USA diskutieren die Akteure an den Finanzmärkten über den künftigen Kurs der US-Notenbank. Die Fed werde die Zinsen bereits im Dezember zum letzten Mal erhöhen, erwartet der Anlagenmanager Louis Navellier. Fed-Chef Jerome Powell müsse dann angesichts einer schwächelnden Wirtschaft mit "enormem" politischen Druck rechnen. Navellier ist Gründer und Chef einer Investmentfirma, die rund eine Milliarde US-Dollar (umgerechnet knapp eine Milliarde Euro) Vermögen managt.

Die Fed hatte den Leitzins in den USA erneut kräftig um 0,75 Prozentpunkte auf eine Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent erhöht. Anschließend verwirrten Äußerungen im offiziellen Statement der Fed sowie eine Rede Powells die Anleger. Die Aktien legten zunächst deutlich zu, weil Powell eine mögliche Verlangsamung der Zinserhöhungen andeutete. Danach hielt er jedoch eine eher harte Rede, dämpfte den Enthusiasmus der Anleger und ließ die Aktienkurse sinken.

Die Erklärung des zuständigen Offenmarktausschusses (FOMC) der Fed lautete: "Bei der Festlegung des Tempos künftiger Erhöhungen des Zielbereichs wird der Ausschuss die kumulative Straffung der Geldpolitik, die Verzögerungen, mit denen sich die Geldpolitik auf die Wirtschaftstätigkeit und die Inflation auswirkt, sowie wirtschaftliche und finanzielle Entwicklungen berücksichtigen."

Im Anschluss sagte Powell dann aber, er sei eher besorgt, zu wenig als zu viel für die Eindämmung der Inflation zu tun. Die aktuellen Indikatoren deuteten weiterhin darauf hin, dass die Inflation hartnäckig hoch bleibt. "Es ist noch sehr verfrüht, an eine Pause zu denken ... wir glauben, dass wir noch einen weiten Weg vor uns haben", sagte Powell.

Navellier empfiehlt Anlegern, sich auf die Erklärung des FOMC zu konzentrieren als auf die Kommentare Powells. "Sie sollten wissen, dass die FOMC-Erklärung viel wichtiger ist als die Doppelzüngigkeit des Fed-Vorsitzenden", sagte Navellier.

Während die Zinssätze steigen, würden in den USA Bereiche der Wirtschaft, wie der Wohnungsbau, erheblich schwächeln, was zu einer Verlangsamung der Ausgaben und ersten Entlassungen führt.

Wenn sich die Wirtschaft weiter abschwächt, wird die Fed von den Politikern stark unter Druck gesetzt werden. In einem Schreiben an Powell kritisierten bereits elf Kongressmitglieder, darunter die Senatoren Elizabeth Warren und Bernie Sanders, ihre Besorgnis über die Zinserhöhungen der Fed.

"Wenn die Fed die US-Konjunktur beschädigen will, wird sie unter enormen politischen Druck geraten, den sie jetzt schon spürt. Ich erwarte daher, dass die Fed vorsichtig vorgehen und die Leitzinsen nach der FOMC-Sitzung im Dezember nicht mehr anheben wird", so Navellier.

Der Druck könnte sich verstärken, wenn die Arbeitslosenquote von derzeit 3,5 Prozent steigt. Navellier erwartet dies, weil der Vier-Wochen-Durchschnitt der Anträge auf Arbeitslosenunterstützung bereits steige. Es sei "unvermeidlich, dass die Arbeitslosenquote in den kommenden Monaten steigt und die Fed eine Pause bei der Erhöhung der Leitzinsen einlegt".

Der Artikel erschien zuerst bei Business Insider in den USA. Das Original lest ihr hier.