Zigarettenpause, Mittagessen, Dienstweg: Eine Anwältin erklärt, was zur Arbeitszeit gehört — und was nicht

·Lesedauer: 4 Min.

"Die wöchentliche Arbeitszeit umfasst 40 Stunden": So oder so ähnlich steht es in fast jedem Arbeitsvertrag. Meist ist noch geregelt, wie Überstunden zu behandeln sind. Was in der Regel aber fehlt ist, was eigentlich alles zur Arbeitszeit gehört. Darüber sind sich Unternehmen und ihre Angestellten oft uneins. Müssen medizinische Angestellte schon umgezogen sein, bevor die Arbeitszeit beginnt? Und wie sieht es mit Arztbesuchen, Zigarettenpausen und Dienstreisen aus? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Wann beginnt die Arbeitszeit und wann endet sie?

Die Arbeitszeit hängt vom Direktionsrecht eures Arbeitgebers ab. Zu welcher Uhrzeit ihr arbeitet, bestimmt also - solange in eurem Arbeitsvertrag oder einer Betriebsvereinbarung nichts anderes steht - euer Chef. Dabei muss er allerdings auf die Interessen seiner Mitarbeiter Rücksicht nehmen - zum Beispiel darauf, ob ihr Kinder betreuen müsst.

Unter die Arbeitszeit fällt nur die Zeit, in der ihr für euren Arbeitgeber eine fremdnützige Tätigkeit erbringt oder euch hierfür bereithaltet, erklärt Nathalie Oberthür, Fachanwältin für Arbeitsrecht und Partnerin der Kanzlei RPO in Köln. Die Fahrt ins Büro gehört in der Regel nicht dazu. Ebenso wenig wie die Mittagspause. Diese ist übrigens verpflichtend: Wer am Tag mehr als sechs Stunden arbeitet, muss laut Arbeitszeitgesetz mindestens 30 Minuten Pause machen. Bei mehr als neun Stunden sind es 45 Minuten.

Eure Arbeitszeit beginnt also, sobald ihr an eurem Computer sitzt oder an eurem Arbeitsort ankommt. Eine Ausnahme gilt, wenn ihr keinen festen Arbeitsort habt, etwa, weil ihr von einem Kunden zum nächsten fahrt. Da eine digitale Stechuhr in vielen Betrieben nach wie vor Mangelware ist, ist es häufig schwierig, den tatsächlichen Beginn und das Ende der Arbeitszeit zu erfassen. Überstunden werden also oft nicht dokumentiert. Auf der anderen Seite merkt es auch nicht gleich jeder, wenn ihr mal verschlaft.

Gehört das Anziehen der Dienstkleidung zur Arbeitszeit?

Zur Arbeitszeit gehören, so Oberthür, alle Tätigkeiten, ohne die die Arbeitsleistung nicht erbracht werden kann oder darf. Als Arbeitszeit zählt Umkleiden demnach nur, wenn euch euer Chef eine bestimmte Arbeits- oder Sicherheitskleidung vorschreibt und ihr diese ausschließlich im Betrieb anziehen könnt - das ist laut einer Entscheidung des Bundesarbeitsgerichtes zum Beispiel bei einer medizinischen Fachkraft im OP der Fall.

Wie sieht es bei Arztbesuchen aus?

Arztbesuche gehören nicht zur Arbeitszeit, erklärt Oberthür. Grundsätzlich sind diese als Privatsache anzusehen. Es gibt allerdings Ausnahmen, in denen euch das Unternehmen bezahlt freistellen muss, damit ihr zum Arzt gehen könnt.

Eine solche Ausnahme ist zum Beispiel, wenn der Arztbesuch medizinisch notwendig ist - also etwa bei starken Bauchschmerzen oder wenn ihr Fieber habt. Aber auch dann, wenn ihr außerhalb euer Arbeitszeit keinen Termin bekommt oder die Untersuchung nur zu einem bestimmten Zeitpunkt durchgeführt werden kann.

Gilt der Gang zu Toilette, zum Kaffeeautomaten und die Raucherpause als Arbeitszeit?

"Das ist streng genommen keine Arbeitszeit", sagt Oberthür. "Wird aber in der Praxis jedenfalls in den ersten beiden Fällen so behandelt." Etwas komplizierter gestaltet sich die Frage, ob die Raucherpause zur Arbeitszeit zählt. Immer mehr Unternehmen wollen mittlerweile, dass sich ihre Mitarbeiter ausstempeln, wenn sie nach draußen rauchen gehen. Da im Arbeitszeitgesetz jedoch festgelegt ist, dass eine Pause mindestens 15 Minuten dauern muss, zählt das Rauchen im Grunde genommen nicht als solche.

Ein Recht darauf, während der Arbeit eurer Sucht zu frönen, habt ihr allerdings nicht. Der Arbeitgeber kann euch also durchaus den Glimmstengel verbieten – und ihr müsst im Notfall bis zur Mittagspause darauf verzichten.

Wie sieht es mit Dienstreisen aus?

Wenn ihr auf Dienstreise geschickt werdet, muss euch das Unternehmen, bei dem ihr arbeitet, die Zeit bezahlen, die ihr braucht, um an euer Ziel zu gelangen. Ihr bekommt entweder Geld für die vom Arbeitgeber vorgegebene oder - wenn ihr selbst die Reise plant - die erforderliche Reisezeit. Bei Flugreisen, erklärt Oberthür, richtet sich diese danach, wie lange ein Direktflug in der Economy Class dauert. Es sei denn, ein solcher wäre dem Arbeitnehmer aufgrund besonderer Umstände nicht zumutbar. Erforderlich sind auch Wegezeiten vom und zum Flughafen - nicht aber eigennützige Reisevorbereitungen wie Duschen und Kofferpacken.

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.