Was wird aus Ancelotti-Liebling James?

Stefan Schnürle, Kerry Hau
Mit Ancelotti (r.) ist der Ziehvater von James (m.) weg - wie geht es unter Heynckes (l.) weiter?

Schenkt man Uli Hoeneß Glauben, dürften sich fünf Spieler über die Entlassung von Carlo Ancelotti sehr gefreut haben - doch mindestens einem hat diese gar nicht gefallen: Neuzugang James Rodriguez. 

Wie Javi Martinez verraten hat, war sein Mitspieler sogar ziemlich enttäuscht von der Entscheidung der Bosse des FC Bayern.

James wechselte wegen Ancelotti

Mit Ancelotti hat James seinen größten Befürworter verloren. Jener Trainer, unter dem er bei Real Madrid 2014/2015 seine beste Saison spielte. Der Italiener war es auch, der James überzeugte, den Schritt nach München zu wagen.

So viel Vertrauen hat der Kolumbianer von den Bayern-Bossen nie gespürt. Schwärmereien wie nach anderen Einkäufen gab es kaum. Mit dem zunächst für zwei Jahre ausgeliehenen James hatten sie lediglich den Wunsch ihres Trainers erfüllt.

"Wir verlassen uns da voll auf Carlo Ancelotti. Der kennt ihn viel besser als wir. Es war sein Wunschspieler und den hat er jetzt gekriegt", sagte Hoeneß kurz nach der Verpflichtung.


Durchbruch bei Bayern bleibt aus

Wirklich aufgeblüht ist James, der zudem von einer Muskelverletzung einige Zeit lang ausgebremst wurde, unter Ancelotti aber nicht.

Lediglich einmal zeigte der 26-Jährige bislang sein Potential im Bayern-Trikot. Beim 3:0-Sieg auf Schalke glänzte er mit einem Tor und einer Vorlage.

Ansonsten hinterließ James im System von Ancelotti meist eher den Eindruck eines Mitläufers, der keine feste Position hatte und sich bei der Defensivarbeit vornehm zurückhielt.

Das wirft die Frage auf, wie es mit James weitergehen soll, nachdem sein größter Förderer den Klub verlassen hat. Kann er unter dem neuen Trainer Jupp Heynckes zu alter Stärke zurückfinden oder ist das Kapitel James in München zum Scheitern verurteilt?

Auf den ersten Blick scheint es für den Linksfuß eher schwieriger zu werden, sich in München durchzusetzen. Heynckes könnte zumindest anfangs seine alten Schützlinge um Thomas Müller bevorzugen, die er noch aus seiner letzten Amtszeit in München gut kennt und mit denen er immerhin das Triple gewonnen hat.

Sprachkenntnisse von Heynckes helfen

Dennoch gibt es einige gute Gründe, die für einen Durchbruch von James unter Heynckes sprechen.

Zum einen verfügt Heynckes aus seiner Zeit bei Real und Bilbao noch immer über gute Spanisch-Kenntnisse, die gerade in Einzelgesprächen sehr hilfreich sein dürften, da James noch kein Deutsch spricht. Zudem hat Bayerns neuer Coach laut eigener Aussage bereits viele Spiele von James bei Real verfolgt und hält große Stücke auf ihn.


"Der deutsche Fußball ist anders als in Südamerika und in Spanien. Genauso wie die Mentalität und die Kultur. Es ist für einen jungen Spieler nicht leicht. Aber er muss wissen, dass er hier Hilfe bekommt von mir. Mir gefallen talentierte Spieler. Und er hat eine Menge Talent", sagte Heynckes bei seiner Vorstellung.

Heynckes-Taktik kommt James entgegen

Ebenfalls gefallen könnte James die bevorzugte Taktik von Heynckes. "Don Jupp" lässt gerne im 4-2-3-1 mit einem echten Zehner spielen - der Lieblingsposition von James, auf der auch im kolumbianischen Nationalteam am besten zur Geltung kommt. 

Dies hätte allerdings das Problem zur Folge, dass er dort mit Müller, einem der Lieblingsspieler von Heynckes, um diese Position kämpfen müsste.

Bis zur Genesung von Franck Ribery könnte man dieses Problem lösen, indem man Müller auf dem Flügel spielen lässt - wenngleich dieser in der Mitte oft wertvoller ist.


Valderrama ist von James überzeugt 

Die kolumbianische Legende Carlos Valderrama ist jedenfalls überzeugt davon, dass sich James auch ohne seinen Mentor Ancelotti bei den Bayern durchsetzen kann.

"Mit seiner Qualität braucht James doch keinen Ziehvater, um bei Bayern erfolgreich zu sein. Er ist doch kein schlechter Spieler", sagte Valderrama dem Online-Portal Publimetro.

Und weiter: "Er hat in Porto, Monaco und Madrid gezeigt, was er kann. Und auch wenn er nach Kolumbien zur Nationalmannschaft kommt, spielt er immer gut. "

Noch kann man das von James in München nicht behaupten - Heynckes steht nun vor der Herausforderung, dies zu ändern.