ZF-Finanzchef baut weiter Schulden ab


So manches Dax-Unternehmen wäre sicher froh, einen Experten wie Konstantin Sauer zu haben. Dem Finanzchef des Autozulieferers ZF ist es gelungen, die Schuldenlast des Unternehmens von über zehn Milliarden Euro aus der Übernahme des US-Konzerns TRW in weniger als vier Jahren zu halbieren.

Clever hat er die niedrigen Zinsen genutzt, mit US-Anleihen das Währungsrisiko verringert und die Rückzahlungstermine risikominimierend geschickt verteilt. Das Timing war im Nachhinein perfekt. Dass aber die Zinsen so lange niedrig bleiben würden, hat selbst der promovierte Wirtschaftsingenieur nicht ahnen können.

Allein im ersten Halbjahr 2018 hat ZF die Verschuldung um weitere 450 Millionen auf 5,9 Milliarden Euro abgebaut. Die Nettoverschuldung liegt nur noch bei 4,7 Milliarden Euro. Der Heilbronner, der vor wenigen Tagen seinen 59. Geburtstag feierte, macht sich selbst sein größtes Geburtstagsgeschenk. Sauer, der bereits seit 1990 für ZF arbeitet, brauchte im vergangenen Geschäftsjahr schon etwas mehr Gleichmut als sonst.


Denn niemand am Bodensee kennt die Zahlen des hinter Bosch und Conti drittgrößten Autozulieferers besser als er. Sauer hatte die mutigen Expansionspläne von Ex-Vorstandschef Stefan Sommer mitgetragen. Das hätte er nie getan, wenn der damals angepeilte Kauf von Wabco existenzgefährdend gewesen wäre. Doch: Sommer musste gehen, und Sauer übernahm für weniger als zwei Monate interimsweise den Chefposten bei ZF. Genauso unaufgeregt wie er den Lückenbüßer spielte, zog er sich nach der Verpflichtung von Wolf-Henning Scheider im Februar 2018 ins zweite Glied zurück.

Bei der Verkündung der Halbjahreszahlen, der Umsatz lag bei 18,7 Milliarden Euro, räumte Sauer ein, ZF suche nach weiteren Kompetenzen in Software und beim autonomen Fahren – auch durch Zukäufe. Immer wieder gibt es Spekulationen, ob sich ZF nicht mit Knorr-Bremse zusammenschließen könnte. Doch bislang scheitert das an Knorr-Eigentümer Heinz Hermann Thiele – und am ZF-Kassenwart.