Die Zerschlagung von Dr. Oetker soll einen jahrelangen Familienstreit beenden – doch ein chinesischer Konzern könnte Probleme bereiten

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Seit einiger Zeit steht fest: der jahrelange Familienstreit des Dr. Oetker Unternehmens soll mit einer Zerschlagung beigelegt werden. Das berichtete die Wirtschaftszeitschrift Manager Magazin. Die Gruppe soll unter den einzelnen Familienmitgliedern verteilt werden. Doch nun sorgt der chinesische Großkonzern Fosun für Probleme bei der Aufteilung.

Noch ist kein eindeutiges Ende in Sicht. Zwar steht die Zerschlagung des Konzerns fest, doch wie genau diese vonstatten gehen soll, ist noch nicht sicher. Der derzeitige Dr. Oetker-Chef, Albert Christmann, hat derzeit keinen leichten Job. Der ehemalige Finanzchef wurde 2017 zum Leiter des Nahrungsmittelkonzerns ernannt. Das erfreute nicht alle Teilinhaber des Konzerns. Stattdessen glaubte Alfred Oetker, der jüngste Sohn aus der dritten Ehe des verstorbenen Gründers Rudolf-August Oetker, ihm hätte diese Position zugestanden. Alfred Oetkers Angaben zufolge hätte Rudolf-August Oetker ihm die Führungsrolle zugedacht. Doch bevor es soweit kommen konnte, ernannte der ältere Halbbruder aus früherer Ehe, August Oetker, Christmann zum Chef.

Die Vereinbarung steht - aber die Kredite des Bankhauses sind ein Hindernis

Christmann schlägt sich als leitender Geschäftsführer bislang wacker. Er leitete den Verkauf der Schifffahrtstochter Hamburg Süd Ende 2017 für die stolze Summe von 3,7 Milliarden Euro ein. Das Geld investierte er in den Ausbau und die Digitalisierung des Stammgeschäfts. Trotz der Pandemie konnte er im Jahr 2020 für ein Umsatzwachstum um zehn Prozent auf rund 3,7 Milliarden Euro sorgen. Und erst vor wenigen Monaten hat der Konzern den Lieferdienst Flaschenpost für eine Milliarde Euro übernommen. Damit hat er sich den größten Konkurrenten zu Durstexpress (der zu Dr. Oetker gehört) in dem Geschäft für Getränkelieferanten zu eigen gemacht.

Doch trotz dieser positiven Entwicklungen für den Konzern konnte die Familienfehde bislang nicht vollständig beigelegt werden. Nun wird der Konzern zerschlagen. Im Grundsatz steht die Vereinbarung, allerdings nur, wenn der Mischkonzern Fosun aus China mitzieht. Bereits im Frühjahr 2020 glaubte man eine Vereinbarung mit Fosun erreicht zu haben. Damals hatte der chinesische Konzern dem deutschen Unternehmen zugesagt, die Privatbank Lampe abzukaufen. Doch nun scheint es neuen Redebedarf zu geben, da das private Bankhaus insgesamt zwei Milliarden Euro an Mittelstandskrediten auszustehen haben soll. Fosun fordert aufgrund der derzeitigen Wirtschaftslage einen Puffer in Millionenhöhe für den Fall, dass einige Kredite aufgrund der Pandemie ausfallen.

Der Konzern soll in fünf Sparten geteilt werden

Diese Forderung könnte nun wieder zu Unstimmigkeiten führen, denn die Bank ist einer der fünf Sparten, in die der deutsche Großkonzern aufgeteilt werden soll. Auch gilt die Privatbank als Angelpunkt für die Zerschlagung, da die Familie über diverse Lampe-Fonds einen wesentlichen Teil ihres Vermögens gestreut haben. Über die Aufteilung wird daher seit Monaten gestritten. Wer aber welchen Anteil bekommt, steht noch nicht fest.

Aufgeteilt werden die fünf Sparten: Nahrungsmittel (Dr. Oetker, Coppenrath & Wiese), Bier (Radeberger), Sekt (Henkell Freixenet), die Privatbank Bankhaus Lampe sowie weitere Interessen, zu denen Luxushotels und chemische Fabriken gehören. Zumindest aber zeigen sich schon Tendenzen. Demnach könnten Teile des Getränke- und Hotelgeschäfts an die drei jüngsten Kinder, darunter Alfred Oetker gehen. Christmann und die restlichen Familienmitglieder könnten dann den Rest des Nahrungsmittelgeschäfts übernehmen und sich wieder auf den Ausbau des Unternehmens konzentrieren.

jk