"Er zerschießt die 2. Liga" - Terodde macht St. Pauli Angst

Daniel Jovanov
·Lesedauer: 4 Min.

Fünf Siege, sechs Tore, eine Vorlage: Für Simon Terodde hätte der Start in die neue Saison beim Hamburger SV kaum besser laufen können.

Der 32 Jahre hat seine Rolle als erfolgreichster Stürmer der 2. Liga (124 Tore in 225 Spielen) auch im Dress der Rothosen untermauern können und tritt vor dem wichtigen Stadtderby gegen den FC St. Pauli mit entsprechend breiter Brust an. (2. Bundesliga: HSV - St. Pauli ab 18.30 Uhr im LIVETICKER)

"Er ist immer eine Gefahr. Wenn er selbst nicht trifft, macht er auf jeden Fall Platz für andere", schwärmt HSV-Legende Uwe Seeler bei SPORT1 von seinem Nachfolger, über den er vor dem Derby sagt: "Den brauchen wir unbedingt!"

Mit drei Doppelpacks gegen Fortuna Düsseldorf, den SC Paderborn und zuletzt gegen die Würzburger Kickers entschied Terodde die Spiele des HSV fast im Alleingang.

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Terodde als HSV-Lebensversicherung

Aber es sind nicht nur seine Tore, die ihn für HSV-Trainer Daniel Thioune so wichtig machen, sondern auch die Art, wie er die Mannschaft mitzieht.

Bestes Beispiel: der 3:1-Sieg gegen Würzburg. Zur Halbzeit lag der HSV noch mit 0:1 hinten, zeigte eine desolate Leistung, drehte aber nach dem Seitenwechsel ordentlich auf. Terodde schnappte sich vor jedem Abstoß des Gegners den Ball und legte ihn Würzburgs Torhüter Fabian Giefer auf die Linie, um bloß keine Zeit zu verlieren. Sien Einsatz wurde belohnt.

Innerhalb von 17 Minuten drehte Terodde das Spiel mit zwei Treffern und brachte sein Team in Führung, die es bis zum Schluss auch nicht mehr hergab. "Ich messe ihn in dieser Partie noch mehr an seiner Performance als an seinen zwei Toren. Simon ist menschlich und sportlich ein Gewinn. Er zündet die Jungs an", lobte ihn Trainer Thioune nach dem Spiel.

"Zerschießt jedes Jahr die 2. Liga"

Was Terodde für gegnerische Abwehrreihen so gefährlich macht, ist seine Unberechenbarkeit. Es gibt Spiele, in denen er kaum Ballkontakte hat, nicht so recht am Geschehen teilnimmt, aber genau dann zur Stelle ist, wenn die Verteidiger für einen Moment nicht aufpassen.

Trotz seiner Größe von 1,92 Metern ist der Angreifer im Spiel manchmal unsichtbar und trotzdem brandgefährlich. "Terodde ist ein sehr, sehr guter Spieler. Zerschießt irgendwie jedes Jahr die 2. Liga, wenn er da ist. Wir kennen ihn, müssen ihn im Auge behalten", warnt St. Paulis Mittelfeldmann Marvin Knoll.

Gerade in Derbys hat Terodde seine Treffsicherheit und Nervenstärke vor dem Tor mehrfach unter Beweis gestellt. Den 1. FC Kökn schoss Terodde einst in der Nachspielzeit gegen Borussia Mönchengladbach zum Sieg, bei Stuttgart traf er gegen Karlsruhe, für Bochum gegen Duisburg und auch im Berliner Derby schoss er für Union gegen Hertha BSC ein Tor. Nun soll es auch im Stadtderby gegen St. Pauli klappen.

Die letzten beiden Duelle hat der HSV verloren. "Ein Stadtderby hat einfach eine besondere Brisanz. Man will als Spieler einfach, dass die Fans am Montag glücklich zur Arbeit gehen", sagte Terodde in einem Interview mit dem Hamburger Abendblatt.

Terodde schon im Januar ein Thema beim HSV

Dass der dreimalige Torschützenkönig und zweimailge Zweitligameister überhaupt zum HSV wechseln konnte, lag im vergangenen Sommer am großen Entgegenkommen des 1. FC Köln. Mit einem geschätzten Jahresgehalt von 2,5 Millionen Euro wäre Terodde für die Hamburger eigentlich nicht bezahlbar gewesen.

"Die Leute haben uns gefragt: Warum gebt ihr Terodde zu diesem Zeitpunkt ab? Aber der HSV wollte Simon genau in diesem Moment, später wäre der Klub wohl raus gewesen. […] Simon wollte es machen, wir mussten den Kader verkleinern und Geld einsparen. Deswegen mussten wir das zu diesem Zeitpunkt machen", erklärte Kölns Manager Horst Heldt den ablösefreien Wechsel in einem Gespräch mit dem Geissblog. Köln löste den Vertrag auf und übernahm sogar einen Teil von Teroddes Gehalt.

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Den ersten intensiven Kontakt zwischen ihm und den HSV gab es allerdings schon deutlich früher, am Anfang des Jahres. Damals sorgte die Suche nach einem neuen Stürmer für ein Beben im Vorstand der Rothosen.

Der Vorsitzende Bernd Hoffmann und Sportvorstand Jonas Boldt gerieten mehrfach aneinander. Hoffmann bevorzugte Terodde, Boldt wollte den jungen Slowaken Robert Bozenik, letztlich kam Joel Pohjanpalo von Bayer Leverkusen auf Leihbasis.

Wenig später trennte sich der HSV von seinem Vorstandsvorsitzenden Hoffmann. Begründung: Atmosphärische Störungen, die eine weitere Zusammenarbeit in dieser Konstellation nicht möglich machten.

Inzwischen hat sich die Lage in der Führungsetage trotz des kläglich verpassten Aufstiegs wieder beruhigt. Damit das so bleibt, wird Terodde in Hamburg noch viele weitere Tore schießen müssen. Im dritten Anlauf will der HSV endlich den Wiederaufstieg in die Bundesliga perfekt machen. Am liebsten mit Terodde als Torschützenkönig – und Derbyheld.