"Der gehört rausgeworfen": Weltmeister schlägt vor EM Alarm

"Der gehört rausgeworfen": Weltmeister schlägt vor EM Alarm
"Der gehört rausgeworfen": Weltmeister schlägt vor EM Alarm

Weltmeister Oliver Zeidler hat kurz vor der Heim-EM in München den Deutschen Ruderverband (DRV) mit deutlichen Worten kritisiert und vor ausbleibenden Erfolgen gewarnt.

„Wenn man sich die Saisonresultate im Rudern anschaut, das ist ein Debakel. Wir sind so schlecht wie lange nicht. Die Abwärtsspirale, die 2010 angefangen hat, dreht sich immer schneller“, sagte der 26-Jährige dem „Münchner Merkur/tz“.

Zeidler nannte als Beispiel den Doppelvierer, der 2012 und 2016 noch Olympia-Gold geholt hatte, beim wichtigen Weltcup im Juli in Luzern aber nur noch Vorletzter des B-Finales geworden war - und das kurz vor der EM (11. bis 14. August).

Zeidler attackiert Sportdirektor Woldt

„Und was macht man dann? Der Trainer beantragt zwei Wochen Urlaub danach, und der Sportdirektor (Mario Woldt, Anm. d. Red.) genehmigt den auch noch. Es ist legitim, dass ein Arbeitnehmer einen Urlaubsantrag stellt. Aber derjenige, der ihn letzten Endes genehmigt, gehört rausgeworfen“, sagte Zeidler.

Entscheidungen wie die mit dem Vierer „werden durchgängig im Deutschen Ruderverband getroffen. Es wird Zeit, dass da jetzt Verantwortung übernommen wird. Da muss sich was ändern!“ Ursachen für den Leistungsabfall sieht er neben dem Verband auch in den generellen Strukturen in Deutschland.

„Die Gelder müssen besser verteilt werden, wir müssen professioneller werden“, sagte Zeidler: „Wir müssen komplett umdenken und alles infragestellen.“ Die Förderung müsse „leistungsbezogener“ und mehr auf Bedürfnisse des Athleten abgestimmt werden. „Wir sind in Deutschland keine Profis, müssen aber gegen Profis antreten“, kritisierte er. Auch das Stützpunktsystem sei fragwürdig.

Die Talentebasis im Rudern sei grundsätzlich da, doch viele würden sich gegen eine Karriere im Leistungssport entscheiden. „Weil der Sport einfach nicht attraktiv genug ist in Deutschland“, betonte Zeidler: „Der Anspruch der Gesellschaft ist immer, dass wir möglichst viele Medaillen holen sollen. Dann muss aber auch ein entsprechendes Umdenken stattfinden. Ohne Aufwand bekommt man nichts.“

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