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AnaOno

Die Models und Brustkrebs-Überlebenden bei der AnaOni x #Cancerland Show während der NYFW. (Bild: Getty)

Ein zehnjähriges Drag-Kid, Frauen, die Brustkrebs überstanden haben und viele weitere Models, die bei der NYFW für Vielfalt standen

Die NYFW ist in vollem Gange und diese Saison könnte die bisher inklusivste Model-Auswahl haben.

Am Sonntag zeigte das Lingerie-Label AnaOno in Zusammenarbeit mit #Cancerland eine starke Modenschau, in der Frauen liefen, die schon einmal an Krebs erkrankt waren. Die Designerin hinter der Marke, Dana Donofree, ist bekannt dafür, Frauen, die eine Brustamputation, einen Wiederaufbau der Brust oder eine Brust-OP hatten, mit bequemen BHs und anderer Unterwäsche auszustatten, die nicht nur passt, sondern in der sie sich auch sexy fühlen. Während der Modenschau zeigten manche der Frauen stolz ihre Brustnarben, als sie über den Laufsteg schritten – eine starke Vorführung von Courage, Mut und Überleben.

Am selben Tag stahl das zehnjährige Drag-Kid „Desmond the Amazing“ (sein echter Name ist Desmond Napoles) allen anderen bei der Gypsy Sports Modenschau die Show. Das junge Drag-Kid hatte gefrostete und eng anliegende Haare. Er trug einen übergroßen schwarzen Blazer mit einem gerüschten Kragen im elisabethanischen Stil. Die Ärmel waren bearbeitet, zerknautscht und seine Hüfte war mit einem weiten schwarzen Band umwickelt. Jede Bewegung, die er auf dem Laufsteg machte, war beabsichtigt, stylish und eingeübt, indem er alte Anna Sui Modenschau-Videos aus den 90er Jahren anschaute, wie er „The Cut“ in einem Interview verriet. Aber mit nur zehn Jahren lief Napoles nicht nur seine erste große Modenschau, sondern er ist auch der Gründer von Haus of Amazing, „dem ersten und einzigen Drag-Haus für Kinder“. Napoles wurde 2015 bekannt, als er in einem Regenbogen-Tütü tanzend und wirbeld bei der NYC Pride Parade gesehen wurde. 2017 war er der Höhepunkt auf dem Laufsteg bei RuPauls DragCon. Jetzt, 2018, wählte Gypsy Sport ihn für seine Modenschau neben einem vielschichtigen Cast mit Shannon & Shannade Clermont, dem genderfluiden Model Jazzelle, Plus-Size-Models und vielen mehr.

Einige Tage zuvor hatte Telfar Clemens eine Tradition gebrochen und statt einer Modenschau ein „Konzert“ mit lauter schwarzen Musikern organisiert: Dev Hynes, Ian Isiah, Selah Marley, Kelela, Kelsey Lu und Angel, die die Kleidungsstücke während ihres Auftritts präsentierten. „Wir sind nicht allein damit, die Show und Saison-Systeme in Frage zu stellen – also nutzen wir die Fashion Week, um etwas zu schaffen, dass sich davon befreien kann und gut zu unserer Vision passt. Für uns bedeutet das, mit Musikern und Künstlern zusammenzuarbeiten – nicht im Sinne von „Unterstützung“ und Promi-Bullshit, sondern auf wirklich kreative Art und Weise, um eine andere kulturelle Plattform zu entwickeln“, erklärt Clemens i-D.

Die Kleidungsstücke wurden als unisex erachtet, etwas, das Clemens bereits seit den frühen 2000ern umsetzt, bevor viele andere Designer diesen Trend aufgriffen. Aber erst 2017 wurde Clemens offiziell von der „Vogue“ und anderen in der Branche wahrgenommen, nachdem er den angesehenen CFDA Vogue Fashion Fund gewann.

Auf dem zweiten Platz hinter Clemens landete Becca McCharren-Tran von Chromat, die ihre Modenschau am selben Tag abhielt – mit einer beeindruckenden Show mit Frauen aller Farben, Größen und Formen – etwas, das auch McCharren-Tran bereits eine ganze Weile umsetzt. In ihrer Show zeigte eine Frau stolz ihre vernarbte Brust, das grüne Kaftan-Kleid zusammengezogen, um ihre Narben zu entblößen. Mia Michaels, berühmte Choreografin bei „So You Think You Can Dance“, hatte einen Überraschungsauftritt und zeigte ihre Kurven in einem schwarz-roten Blockfarben-Kleid. In der Show liefen auch ein Amputierten-Model und ein Model mit Hijab.

Auch PH5 hatte eine Vielfalt realer Frauen gecastet, darunter auch zwei Mädchen vom Programm „Girls Who Code“, eine NICU-Krankenschwester, eine Bildhauerin und viele mehr.

Es war nur eine Frage der Zeit, bis auch die New York Men’s Fashion Week in die Fußstapfen der Fashion Week tritt, was das Thema Inklusion betrifft.

Die Herbst 2018 Fashion Week: Men’s legte dank einer Handvoll mutiger Labels einen guten Start hin. Krammer & Stoudts Herbst/Winter 18 Kollektion ist laut „New York Times“ von zwei Personen inspiriert: Dramaturg Sam Shepard und Terra Juano, ein Model, das auf Instagram als TJ oder Skinnybonejones bekannt ist.

Und während Krammer & Stoudts Show ein Teil der Men’s Fashion Week war, waren in der Show selbst keine Männer zu sehen. Aber auch keine Frauen. Das Ehepaar Mike Rubin und Courtenay Nearburg traf die revolutionäre Entscheidung, nur nonbinäre Models für ihre Show zu casten. Ihre weichen und trotzdem rauen, stylischen und trotzdem praktischen Designs hingen von den Körpern der genderlosen Figuren: Ein Model mit kurzen blonden Haaren sah in einem blauen Samtanzug sehr schick aus, ein Model mit einem kurzen Afro in einer Kimono-artigen Robe, Hüte aller Größen auf rasierten Köpfen. Neben Terra Juano liefen genderfluide und auf Instagram bekannte Models wie Madison Paige, Rain Dove und Merika Palmiste.

Und obwohl es verstörend sein könnte, solche femininen Figuren bei einer Modenschau für Männer zu sehen, führte es aber dazu, dass die Zuschauer nach einigen Augenblicken gar kein Gender mehr wahrnahmen. Es waren einfach schöne Menschen in wunderschöner Kleidung.

Willy Chavarria, ein queer Chicano Designer, der für seine von Streetwear inspirierte Kollektion bekannt ist, die mit etwas Punk und Edge angereichert ist, zeigte eine Show mit einer ähnlich unkonventionellen Model-Wahl. Immer bereit, die Dinge etwas aufzupeppen, castete Chavarria eine große Vielfalt von Models für seine Show. Den Laufsteg übernahmen eine Amputierte, eine Frau, „echte Menschen“ gemixt mit professionellen Models und ein Baby, um die „schützende, bequeme Kleidung“ vorzuführen, wie Chavarria seine Kollektion beschreibt.

Und dies ist zu einer Art Trend geworden. ASOS zeigte bei der NYFW erstmals formelle Kleidung bei der Vorstellung der Herbst/Winter 2018 Herren-Kollektion. Statt nur traditionelle Models einzusetzen, „castete ASOS einige tolle Typen, die die Marke mit ihrem Talent und ihrer Leidenschaft in vielzähligen Branchen inklusive Mode, Nahrung, Musik und sozialem Aktivismus inspirieren“, schrieb das Unternehmen in einer Pressemitteilung. Nicht alle Männer waren Models, so wie Adam Eli Werner, ein Queer-Aktivist und Autor, der in einem schwarzen Hemd und hell glänzender Hose sehr elegant aussah.

Währenddessen strebt die Frauenmode weiter nach mehr Vielfalt. Das Modelabel Teatum Jones ist bekannt dafür, Teilnehmer der Paralympics und Amputierte zu casten und die New York Fashion Week im September 2017 war die bisher vielfältigste. Wir sahen nicht nur mehr Plus-Size-Models auf den Laufstegen als je zuvor in der Geschichte der NYFW, sondern es gab sogar exklusive Plus-Size-Shows wie Addition Elle und Torrid sowie Queer-Präsentationen wie Dapper Q.

Wir können es kaum erwarten, zu sehen, was die NYFW 2018 noch alles zu bieten und zur inklusiven Mode-Konversation hinzuzufügen hat.